1. FC Köln: Vier schlechte Monate sind zu viel

FUSSBALL ⋅ Beim 1. FC Köln herrschte am Samstagabend Abschiedsstimmung, als Peter Stöger nach dem 2:2 gegen Schalke seine Kappe in Richtung Fans schwenkte. Gestern wurde die Entlassung des Trainers bekannt.
04. Dezember 2017, 04:38

Thomas Lipinski (SID)

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Peter Stöger winkte ins Publikum, zog demonstrativ seine Kappe vor den Fans des 1. FC Köln und genoss ein letztes Mal, dass sie seinen Namen riefen. Der Österreicher wusste, was die Stunde geschlagen hatte – trotz des beachtlichen 2:2 (0:1) nach zweimaligem Rückstand beim Europacup-Anwärter Schalke 04. Die Bestätigung folgte erst gestern Mittag: Nach 1634 Tagen ist die Ära Stöger bei Köln beendet. Der weiterhin sieglose Tabellenletzte der Bundesliga trennte sich nach vier äusserst erfolgreichen Jahren und vier beispiellos schlechten Monaten von seinem Trainer.

Die Entscheidung stand seit Freitag fest. «Wir haben in den vergangenen Tagen gespürt, dass unser gemeinsamer Weg zu Ende ist, und zwar unabhängig vom Resultat auf Schalke. Deshalb war es auch Peter wichtig, einen klaren Schnitt zu machen, bevor emotional und menschlich zu viel Negatives zurückbleibt», sagte Geschäftsführer Alexander Wehrle. Das Training leitete wenig später bereits der bisherige U19-Coach Stefan Ruthenbeck, der bis zur Winterpause die Verantwortung übernehmen soll. Der 45-Jährige soll das Team auch beim Europa-League-Spiel am kommenden Donnerstag bei Roter Stern Belgrad und beim Spiel am Sonntag gegen den SC Freiburg betreuen. Ruthenbeck freut sich besonders auf das Europa-League-Spiel. «Roter Stern Belgrad – das ist eine geile Geschichte und ein ganz heisses Spiel», sagte er gestern nach seiner ersten Trainingseinheit am Geissbockheim.

Stöger betonte: «Am Freitag war klar, dass das Spiel auf Schalke unser letztes wird. Um sich voll auf diese wichtige Partie fokussieren zu können, haben wir entschieden, dies erst am Sonntag zu kommunizieren.» Bis zuletzt habe man gehofft, dass der Klub in der Konstellation mit Stöger, seinem Team und der Mannschaft den Klassenerhalt schaffen könnte, sagte Präsident Werner Spinner. «Leider ist diese Überzeugung jedoch trotz des positiven Resultats auf Schalke nicht mehr ausreichend vorhanden», so Spinner, «deshalb halten wir es in der aktuellen Situation für unabdingbar, auf der Trainerposition ein Signal zu setzen, auch wenn uns diese Entscheidung sehr schwer fällt und wehtut.»

Podolski: «Köln wird dich immer im Herzen haben»

Der ehemalige FC-Star und Weltmeister Lukas Podolski twitterte: «Danke Peter! Für das, was du für den FC gemacht, die Stadt und die Menschen hier. Dank dir ist der FC endlich wieder international dabei. Köln wird dich immer im Herzen haben und nicht vergessen – da bin ich mir sicher!»

Nach dem Aufstieg 2014 hatte Stöger Köln erstmals seit 25 Jahren wieder in den Europapokal geführt und mit seiner erfolgreichen Arbeit und seinem Wiener Schmäh die Herzen der Fans in der Karnevalshochburg erobert. Kein Wunder, dass er sich auch nach dem Absturz und nur drei Punkten aus 14 Spielen – der schlechtesten Ausbeute in der Bundesliga-Geschichte – bei ihnen besonders bedanken wollte. «Wie sie uns trotz allem getragen haben, war beeindruckend», sagte Stöger.

Dem 51-Jährigen half auch das beste Saisonspiel nicht mehr. «Wenn wir dieses Gesicht öfter gezeigt hätten, würden wir uns nicht da unten wiederfinden», meinte Torhüter Horn. Weil der FC aber nach dem Weggang des Torjägers Anthony Modeste und dem Verletzungspech mit bis zu zehn Ausfällen monatelang kein Lebenszeichen von sich gegeben hatte, ist der sechste Abstieg in der Vereinsgeschichte wohl unausweichlich. Bei neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und auch nach 14 Versuchen noch ohne Sieg ist die Hoffnung auf ein Wunder gering.


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