Kein Fortschritt unter Guardiola?

ENGLAND ⋅ Sechs Tore geschossen und trotzdem ausgeschieden - nach dem Champions-League-Aus in Monaco ist die Enttäuschung bei Manchester City gross. Besonders Coach Pep Guardiola steht in der Kritik.
16. März 2017, 15:24

Der Zauber ist verflogen - Startrainer Pep Guardiola droht in England zu scheitern. Nach dem Champions-League-Aus von Manchester City gegen den AS Monaco wachsen die Zweifel am Spanier. "Der erfahrene Pep Guardiola sah wie ein Anfänger aus", kommentierte der "Daily Mirror" nach dem 1:3 im Fürstentum. Die mit Scheich-Millionen aufgepeppte City-Truppe schaffte es, den 5:3-Vorsprung aus dem Hinspiel zu verspielen.

Mit gesenktem Kopf lief Guardiola nach dem Aus über den Rasen, seinen Spielern schaute er nicht in die Augen. Später übte sich der Trainer in Selbstkritik, doch er tönte auch: "Ich bin hier hergekommen, um die Champions League zu gewinnen. Ich habe es versucht und versucht - und ich werde es wieder versuchen", stellte der Gewinner von 2009 und 2011 - damals als Trainer des FC Barcelona - klar.

Kein Titelgarant mehr

Vor vier Jahren war Guardiola in München als Titelgarant verpflichtet worden - in seiner Bayern-Zeit holte er zwar drei Meisterschaften und zwei Pokalsiege - doch in der Champions League war für den Rekordmeister dreimal im Halbfinal Schluss. In Manchester startete er noch schlechter - mit Glück holt Guardiola wenigstens noch einen Titel. Im FA-Cup steht City im Halbfinale.

Doch nachdem der frühere Bayern-Coach erstmals in seiner Trainerkarriere die Viertelfinals der Königsklasse verpasst hatte, befand auch der "Telegraph": "Guardiola muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass er sich mit Mannschaft und Taktik vertan hat."

"Es gab keinen Schlag, keinen Biss und wenig Zusammenspiel, dann setzte die Verzweiflung ein", kritisierte die Tageszeitung "Guardian". Nun stelle sich die Frage nach dem Fortschritt unter Guardiolas Führung, "falls es überhaupt welchen gab."

Manchester Citys Negativrekord

Das 6:6 aus Hin- und Rückspiel bedeutet einen kuriosen Rekord. Man City ist damit die erste Mannschaft, die in der K.o.-Runde der Champions League trotz sechs erzielter Tore ausgeschieden ist. Trotzdem nahm Guardiola seine schwache Verteidigung in Schutz. "Es ist kein Problem der Defensive", erklärte er. "Das Problem war, dass wir in der ersten Hälfte überhaupt nicht da waren. Unsere Stürmer müssen aggressiv sein und den Ball erobern, aber das haben wir nicht. Deswegen sind wir raus."

Den Ärger über die enttäuschende Leistung seiner Spieler versteckte Guardiola in Selbstkritik. "Ich habe versucht, sie in allen Gesprächen davon zu überzeugen, dass wir hier herkommen, um anzugreifen und Tore zu schiessen", erklärte er zerknirscht. "Mein Fehler war, dass ich sie nicht überzeugt habe."

Nach fünf City-Toren im Hinspiel sorgte in Monaco nur der erneut starke deutsche Nationalspieler Leroy Sané für einen kleinen Hoffnungsschimmer. Doch schon kurz nach Sanés Tor zum 1:2 kassierten die Citizens den entscheidenden dritten Gegentreffer.

Viele Fans machten ihrem Ärger danach in den sozialen Medien Luft. Der frühere ManUnited- und England-Profi Phil Neville, aufgrund seiner Vergangenheit nicht unbedingt ein City-Anhänger, sprach ihnen bei BBC Radio 5 aus der Seele: "ManCity hat es nicht geschafft, die Erwartungen zu erfüllen." Immerhin ist der Klub damit in guter Gesellschaft. Zuvor scheiterten schon Tottenham Hotspur und Arsenal in der Königsklasse. Als letzter englischer Vertreter steht überraschend Meister Leicester City in der Runde der letzten Acht. (sda/dpa)


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