Kein zweites Barcelona-Wunder

CHAMPIONS LEAGUE ⋅ Nach den Madrider Klubs Real und Atletico haben auch Juventus und Monaco die Halbfinals der Champions League erreicht. Beide nutzen gegen Barcelona respektive Dortmund ihre vorzüglichen Ausgangslagen.
Aktualisiert: 
19.04.2017, 22:43
19. April 2017, 22:37

Nach dem 3:0-Heimsieg geriet Juve in Barcelona resultatmässig nicht in Gefahr, obwohl die Katalanen alles versuchten und viel Druck entwickelten. Der Match endete 0:0. Das wie schon in der ganzen Saison in der Offensive überzeugende Monaco setzte das Weiterkommen gegen Dortmund ebenfalls zu keinem Zeitpunkt aufs Spiel. Dem 3:2-Erfolg im Hinspiel liessen die Monegassen daheim einen 3:1-Sieg folgen.

Barcelona hatte in den Achtelfinals gegen Paris Saint-Germain auf wundersame Weise und mit Hilfe des Schiedsrichter-Trios die Hypothek eines 0:4 mit einem 6:1 im Rückspiel getilgt. Gegen Juventus verloren die Katalanen in Turin "nur" 0:3, die Ausgangslage für die Revanche war also noch um ein Tor günstiger.

Es wurde von Beginn an offensichtlich, dass Barça ein zweites Wunder anstrebte. Obwohl am Wochenende der Clasico gegen Real Madrid ansteht, liess Trainer Luis Enrique die beste Formation auflaufen, so also auch die berühmte Angriffsreihe Messi/Suarez/Neymar. Chancen und Halbchancen erspielte sich Barcelona zuhauf, aber Juventus liess weniger zu als PSG in der letzten Runde. Die Turiner hatten, besonders von der rechten Seite her, ihrerseits Chancen, um mit einem Auswärtstor praktisch alles klarzumachen. Allein Juan Cuadrado scheiterte zu Beginn der zweiten Hälfte zweimal knapp. Die Juventiner verdankten ihre von A bis Z konzentrierte Leistung vielleicht gerade dem Schicksal von Paris Saint-Germain. Es dürfte ihnen eine Warnung gewesen sein. Jedenfalls bissen sich Barcelonas Spieler an den ohne Stephan Lichtsteiner spielenden Italienern die Zähne aus.

Bürki verschuldet wegweisendes Tor

In Monaco waren noch keine drei Minuten gespielt, als Roman Bürki innerhalb weniger Sekunden Freud und Leid eines Torhüters erlebte. Zuerst machte er einen perfiden Schuss des monegassischen Verteidigers Benjamin Mendy mit einer grandiosen Parade unschädlich. Aber hierauf blockte der Münsinger einen weniger gefährlichen Schuss nach vorne ab - in die Füsse von Kylian Mbappé, dem zweifachen Torschützen im Hinspiel. Das 19-jährige Supertalent nahm das Geschenk an. Nichts zu machen war für den Schweizer Nationalgoalie beim 2:0 rund eine Viertelstunde später. Der entscheidende Fehler unterlief hier Verteidiger Matthias Ginter, der den kolumbianischen Torschützen Falcao frei zum Kopfball kommen liess. Wenige Minuten vorher hatte Nuri Sahin mit einem Freistoss die Innenseite des Pfostens knapp unterhalb der Latte getroffen. Der für die Borussia alles offenlassende Zwischenstand von 1:1 wäre möglich gewesen. Mit dem 2:0 jedoch sahen die Monegassen alles in die gewünschte Richtung geleitet, um erstmals nach der Finalteilnahme 2004 (0:3 gegen Porto) in die Halbfinals der Königsklasse vorzustossen.

Das Anschlusstor zu Beginn der zweiten Hälfte brachte für die Deutschen etwas Hoffnung zurück. Der Comebacker Marco Reus erzielte es, aber mehr als die Hälfte des Tores gehörte dem eingewechselten Ousmane Dembélé. Der Franzose legte auf der rechten Seite einen Lauf in der Manier eines American Footballers hin und schüttelte Gegner um Gegner ab, bevor er den Ball zum Einschuss zurücklegte. In der Folge kamen die Dortmunder zu weiteren Chancen, waren aber doch auch wieder um ihren Bürki froh, der sich mehrfach mit nicht selbstverständlichen Paraden auszeichnete. Gegen das späte 3:1 des kurz zuvor eingewechselten Valère Germain konnte er nicht ausrichten.

Im Nachhinein ist es nicht einfach zu beurteilen, wie sehr das Attentat auf den Dortmunder Mannschaftsbus kurz vor dem Hinspiel den Ausgang des ganzen Viertelfinals beeinflusst hat. Borussias spanischer Verteidiger Marc Bartra zog sich schwere Handverletzungen zu. Er und zahlreiche weitere Spieler erlitten seelische Schmerzen. Insofern ist eine verlässliche Beurteilung der Leistungen in Hin- und Rückspiel schwer möglich.

Telegramme

Barcelona - Juventus Turin 0:0 (0:0)

96'290 Zuschauer. - SR Kuipers (NED). -

Barcelona: ter Stegen; Roberto (78. Mascherano), Piqué, Umtiti, Alba; Rakitic (58. Paco), Busquets, Iniesta; Messi, Suarez, Neymar.

Juventus Turin: Buffon; Alves, Bonucci, Chiellini, Alex Sandro; Khedira, Pjanic; Cuadrado (84. Lemina), Dybala (75. Barzagli), Mandzukic; Higuain (88. Asamoah).

Bemerkungen: Barcelona ohne Rafinha, Aleix Vidal, Arda Turan und Mathieu (alle verletzt). Juventus Turin ohne Pjaca und Kean (beide verletzt). Lichtsteiner bei Juventus Ersatz. Verwarnungen: 41. Iniesta (Foul), 44. Neymar (Foul), 57. Chiellini (Foul), 64. Khedira (Foul/für nächstes Spiel gesperrt).

Monaco - Borussia Dortmund 3:1 (2:0)

16'000 Zuschauer. - SR Skomina (SVN). - Tore: 3. Mbappé (Mendy) 1:0. 17. Falcao (Lemar) 2:0. 48. Reus (Dembélé) 2:1. 81. Germain (Lemar) 3:1.

Monaco: Subasic; Touré, Glik, Jemerson, Mendy; Silva (90. Raggi), Moutinho, Bakayoko, Lemar; Mbappé (81. Germain), Falcao (67. Dirar).

Borussia Dortmund: Bürki; Piszczek, Sokratis, Ginter, Guerreiro (72. Pulisic); Durm (27. Dembélé), Kagawa, Sahin (46. Schmelzer), Reus; Aubameyang.

Bemerkungen: Monaco ohne Fabinho (gesperrt), Boschilia, Carrillo, Nguinda Ndiffon (alle verletzt) und Sidibé (krank). Borussia Dortmund ohne Schürrle, Bartra, Rode, Larsen (alle verletzt), Götze und Mor (beide krank). 14. Sahin schiesst Freistoss an den Innenpfosten. Keine Verwarnungen. (sda)


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