Vorne harmlos, hinten anfällig

IRLAND - SCHWEIZ ⋅ Der erste Test im EM-Jahr bestätigt die Defizite der Schweiz. Die SFV-Auswahl verliert in Irland 0:1, weil sie Abwehrschwächen bei stehenden Bällen offenbart und vorne kaum kreativ ist.

26. März 2016, 00:49

Die Statistiken sprachen eigentlich für die Schweiz: Viel mehr Ballbesitz als die Iren (69:31 Prozent). Deutlich mehr Schüsse (12:7). Mehr Schüsse auf das Tor (4:3). Doch das Gefühl sagte nach dem Schlusspfiff etwas anderes: Die Schweiz hatte nach dem frühen Gegentor in der 2. Minute das Spiel im Prinzip schon verloren. Man erinnert sich nicht an eine einzige wirklich gute Torszene der Schweizer.

Yann Sommer, der nach einer heiklen Startphase (und dem Gegentor nach einem Corner) einen sehr ruhigen Abend verbrachte, hatte genügend Zeit, den Auftritt seiner Vorderleute zu beobachten. Sein Kommentar brachte die Leistung auf den Punkt: "Wir waren unheimlich harmlos." Verteidiger Timm Klose ist überzeugt, dass die Schweizer "fähig sein sollten, gegen solche Mannschaften Lösungen zu finden. Wir haben das Potenzial dazu."

In Dublin waren Lösungen nicht einmal im Ansatz zu erkennen. Weil Xherdan Shaqiri fehlte. Weil Stephan Lichtsteiner ebenfalls nicht dabei war. Weil Breel Embolo nicht in Form ist. Weil Admir Mehmedi so schwach spielte, wie zuletzt auch bei Bayer Leverkusen in der Bundesliga. Weil auch Ricardo Rodriguez seit Wochen nicht auf Touren kommt. Weil Blerim Dzemaili zwar bemüht, aber auf der Position hinter der Spitze eine Fehlbesetzung war.

Petkovics Enttäuschung über die Leistung seiner Mannschaft war so gross, dass er in der 71. Minute gleich einen dreifachen Wechsel vornahm. Er wechselte Valon Behrami, Dzemaili und Mehmedi gleichzeitig aus und brachte Debütant Shani Tarashaj, Gelson Fernandes und Pajtim Kasami. Ähnlich war der Coach im November im Testspiel in der Slowakei vorgegangen. 0:3 hatte damals sein Team zurückgelegen, als Petkovic zur "Revolution" schritt. In der Slowakei wurde es wenigstens nach den vielen Änderungen besser, die Schweiz holte immerhin noch zum 2:3 auf. Und in Dublin? Keine Reaktion. Der Schweizer Auftritt plätscherte zum Start ins EM-Jahr emotionslos der Niederlage entgegen.

Neben der Harmlosigkeit in der gegnerischen Zone muss den Schweizern die Anfälligkeit bei stehenden Bällen zu denken geben. "Das Gegentor haben wir nach einem Corner kassiert, obwohl wir wussten, dass der Gegner genau in solchen Aktionen stark ist", sagte Petkovic. Und Sommer gab zu: "Wir haben geschlafen und die Gegenspieler aus den Augen verloren." Die Probleme bei stehenden Bällen sind nicht neu. In der Slowakei waren zwei von drei Gegentoren auf diese Weise gefallen. "Solche Fehler müssen wir in den Griff bekommen, denn an der EM wird es nicht einfacher werden", so Sommer.

Schon am Dienstag können die Schweizer in Zürich gegen Bosnien üben. Auch da wird es nicht einfacher werden. Im Gegensatz zu den Iren, die gegen die Schweiz mit einer besseren B-Auswahl mit vielen Spielern aus der englischen 2. Division antraten, kommt Bosnien mit Leuten wie Edin Dzeko oder Miralem Pjanic (beide AS Roma), Vedad Ibisevic (Hertha Berlin) oder Muhamed Besic (Everton) auf den Letzigrund. Vladimir Petkovic weiss, was dann passieren muss: "Es muss alles besser werden." (sda)


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