Gregor Kobel, das nächste Goalietalent

U21-NATIONALTEAM ⋅ Die Schweizer Goalie-Auswahl ist beeindruckend gross. Gregor Kobel führt die nächste Generation an. In Hoffenheim wird sein Status weiter angehoben, in der EM-Kampagne der U21 ist er gesetzt.
13. Juni 2017, 15:19

Seit 2011 und dem Final-Vorstoss in Dänemark hat sich die Schweizer U21-Equipe vergeblich um eine weitere EM-Teilnahme bemüht. Die aktuelle Generation traut sich mehr zu. "Das Potenzial ist vorhanden, die Qualifikation zu schaffen", sagt einer, für den Selbstvertrauen zum Alltag gehört: Gregor Kobel, 19, im europäischen Ranking für Goalie-Talente weit oben positioniert.

Die Nummer 1 der ältesten SFV-Junioren peilt generell hohe Ziele an. Mit seinem Ehrgeiz beeindruckt Kobel. In Hoffenheim wird der Torhüter der Regionalliga-Mannschaft im Sommer beim Champions-League-Qualifikanten zum jugendlichen Stellvertreter von Oliver Baumann befördert. "Dieser Torhüter hat es eilig und ist auf dem Sprung zu einer vielversprechenden Karriere", legte sich der "Kicker" vor ein paar Tagen fest.

Vladimir Petkovic gewährte dem Zürcher vorletzte Woche in Neuenburg einen mehrtägigen Sichtungstermin. Zusammen mit ein paar weiteren U21-Probables durfte er im Kreis der Arrivierten vorspielen. Über das unerwartete Supplément am Ende der Saison freute sich Kobel: "Für mich war das eine grosse Ehre. Es war interessant zu sehen, wo ich im Training mit Bürki, Sommer und Hitz stehe."

Der Vater Peter, im Eishockey ehemals bei diversen NLA-Klubs unter Vertrag und in seinen besten Tagen kurzzeitig sogar Stürmer des Nationalteams, habe sich über sein Casting in der SFV-Equipe gefreut, so Kobel. "Diese Chance kam ziemlich unverhofft." Weniger überraschend verläuft die Entwicklung im Klub. Bei der TSG nimmt seine Karriereplanung konkrete Formen an.

Bis 2020 ist die Zusammenarbeit fixiert. Ein Ausleihgeschäft kommt derzeit nicht infrage. Kobel soll die nächsten Schritte in Zuzenhausen machen. Spiele in der Nachwuchsabteilung sind keine mehr vorgesehen. Julian Nagelsmann will den Emporkömmling zusammen mit Goalie-Coach Michael Rechner täglich unter die Lupe nehmen.

Auf Spielpraxis oder ein Lehrjahr in der Schweiz verzichtet Kobel ohne ungutes Gefühl: "Wichtig ist auch das erstklassige Trainingsniveau. Eine Rückkehr in die Schweiz wäre für mich eventuell ein Schritt zurück." Er würde auch das Risiko akzeptieren, sich für eine bestimmte Zeit auf die Bank zu setzen. "Ich werde dafür in der täglichen Arbeit enorm profitieren."

Ungeduld wäre völlig fehl am Platz, denkt Kobel: "Ich bin 19 und muss ganz bestimmt nicht auf einen Platz in der Bundesliga pochen. In meinem Alter spielten in Deutschland nur ganz wenige bereits in der 1. Liga." Und der fehlende Match-Rhythmus? "Ich werde und möchte mich verbessern, der Trainingsbetrieb ist für junge Spieler extrem wichtig, das ist nicht zu unterschätzen."

Es gehe in der kommenden Saison vor allem darum, Bereitschaft zu signalisieren, präsent zu sein: "Wir sind in drei Wettbewerben engagiert - das sind jede Menge Spiele, und in einer Saison kann viel passieren. Wenn sich eine Einsatzchance bietet, dann muss man zugreifen." Kobel hat das ganze Bild im Kopf, nicht ausschliesslich den kurzfristigen Effekt.

Der Schauplatz Hoffenheim hebe sich nicht nur durch hohe sportliche Kompetenz der Entscheidungsträger vom breiten Durchschnitt ab, auch alle übrigen Komponenten seien ideal: "Wir arbeiten auf einer perfekten Anlage, die keinen, aber wirklich gar keinen Wunsch offenlässt."

Deshalb sei ein Transfer zurzeit kein Thema: "Solche Voraussetzungen hätte ich andernorts vielleicht nicht." (sda)


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