Hoffnung auf Besserung

CHAMPIONS LEAGUE ⋅ Zum achten Mal nimmt Basel in der Champions League teil. Nach dem schwächsten Start in die Super League seit 2011 wartet zum Auftakt der Königsklasse ausgerechnet Gruppenfavorit Manchester United.
12. September 2017, 08:28

1:1 gegen Lugano, 1:1 in Sitten und 1:2 gegen Lausanne lauten die letzten Resultate des FC Basel in der Super League. Der Saisonstart des Serienmeisters unter Trainer Raphael Wicky ist alles andere als geglückt. Nicht nur Platz 3 in der Tabelle, sondern auch die Leistungen genügen den hohen Ansprüchen in Basel (noch) nicht. Nach dem nüchternen, national aber erfolgreichen Fussball unter Urs Fischer sollte mit der neuen Trainercrew das Spektakel in den St. Jakob-Park zurückkehren. Doch anstatt Toren und Siegen sieht sich die neue operative Führung mit der ersten sportlichen Krise konfrontiert. Die anfängliche Euphorie ist gewichen, Ernüchterung bereits zu spüren.

"Die Vorzeichen zu Beginn einer Champions League waren sicher schon besser", sagte Marco Streller. Der Sportchef nahm nach dem Flug im Cockpit von Basel in den Norden Englands kein Blatt vor den Mund. Als "Tiefpunkt" bezeichnete er die Heimniederlage am Samstag gegen den Tabellenletzten Lausanne, die mediale Kritik kann er nachvollziehen. "Dass diese nach einer solchen Niederlage kommt, ist klar. Damit muss man umgehen können."

Auch wenn der FCB in der Meisterschaft seinen eigenen Ansprüchen hinterher hinkt, "den Kopf nun hängen zu lassen, bringt nichts", so Streller. Trainer Raphael Wicky muss sich nach nur acht Pflichtspielen als Cheftrainer einer Profimannschaft als Krisenmanager beweisen. "Wir haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder lassen wir den Kopf hängen und hadern, oder wir sagen 'Kopf hoch' und schauen vorwärts", so der Walliser.

Im Hinblick auf die europäischen Herausforderungen war die Niederlage gegen den Tabellenletzten dem Selbstvertrauen zwar nicht dienlich, von der Qualität seiner Mannschaft und der Chance auf eine positives Resultat in Manchester ist Wicky aber überzeugt: "Wir wollen etwas holen - im Wissen, dass es gegen ein Team aus den Top 10 der Welt, das in anderen finanziellen Sphären schwebt, schwierig ist." Für Streller ist klar: "Wenn du du zehnmal gegen Manchester spielst, hast du zweimal eine Chance. Dies musst du auf dem Feld spüren - und dann zupacken."

Im Gegensatz zu Basel ist Manchester United der Start in die Meisterschaft geglückt. Das Team von José Mourinho führt nach vier Runden die Premier League an. Nach drei Siegen ohne Gegentor kassierte der diesjährige Europa-League-Sieger am Samstag beim 2:2 auswärts gegen Stoke City die ersten Punktverluste der Saison. Das Starensemble wird vom Franzosen Paul Pogba angeführt, vor dem Transfer-Wahnsinn in diesem Sommer mit 105 Millionen Euro Ablöse der teuerste Spieler der Welt. Der Belgier Romelu Lukaku, vor Saisonbeginn für knapp 85 Millionen Euro aus Everton gekommen, hat sich mit vier Toren in vier Meisterschaftsspielen gut eingeführt.

Die Erinnerung an 2011

Obwohl sich der FC Basel enorm steigern muss, um nicht wie vor einem Jahr gegen Arsenal (0:2) auf der Insel vorgeführt zu werden, sieht Sportchef Streller das Spiel im Old Trafford auch als Chance. Der langjährige Captain verweist auf die Vergangenheit. Vor sechs Jahren und dem legendären 3:3 auswärts gegen die United sei der Start in die Saison ebenfalls nicht nach Mass geglückt. "Auch damals hatte uns niemand etwas zugetraut."

Die turbulente zweite Halbzeit, als der FCB ein 0:2 in ein zwischenzeitliches 3:2 verwandelte, stand am Anfang einer Erfolgsserie gegen Teams aus der Premier League. Im Rückspiel im Dezember 2011 siegten Streller und Co. 2:1 und qualifizierten sich auf Kosten des zweimaligen Champions-League-Siegers für die Achtelfinals. Später folgten auch Erfolge gegen das von Mourinho trainierte Chelsea, gegen Tottenham und Liverpool. "Im Fussball kann es schnell gehen - und zwar in beide Richtungen", sagte Streller. "Manchmal braucht es dafür nur ein einziges Spiel." (sda)


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