Ronaldo droht drastische Strafe

FUSSBALL ⋅ Jetzt wird es eng für Cristiano Ronaldo (32): Der portugiesische Weltfussballer muss sich in Spanien wegen Steuerhinterziehung in der Höhe von 14,7 Millionen Euro verantworten.
14. Juni 2017, 09:02

Ralph Schulze, Madrid

Seit Monaten sitzt Cristiano Ronaldo die Steuerfahndung im Nacken. Die Ermittler des spanischen Finanzamtes fanden dabei offenbar genug Material für eine formelle Beschuldigung. Nun schaltete der Fiskus die Madrider Staatsanwaltschaft ein, die gegen den vierfachen Weltfussballer Klage wegen millionenschweren Steuerbetrugs erhob. Bei einer Verurteilung drohen dem Stürmer, der bei Real Madrid spielt, bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Die Anklagebehörde in Madrid teilte mit, dass der 32-jährige Portugiese beschuldigt wird, zwischen 2011 und 2014 rund 14,7 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Dabei geht es um Einnahmen aus Bild- und Werberechten, die Ronaldo mittels Briefkastenfirmen am Finanzamt vorbei in Steuerparadiese geleitet haben soll. Die Staatsanwaltschaft stützt sich in ihrer Anklage auf den Fall von Barcelonas Stürmer Leo Messi, der wegen eines ähnlichen Vorwurfs im vergangenen Jahr zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Eine Strafe, gegen die Messi in Berufung ging, die aber vom Obersten Gerichtshof Spaniens bestätigt wurde. Beim 29-jährigen Messi war die Betrugssumme deutlich geringer als bei Ronaldo. Messi wurde wegen Hinterziehung von 4,1 Millionen Euro verurteilt. Er musste aber nicht hinter Gitter, da Gefängnisstrafen unter zwei Jahren für Ersttäter in Spanien üblicherweise nicht vollstreckt werden. Der 29-Jährige kam mit einer Geldstrafe von zwei Millionen Euro davon.

Ronaldos Anwälte sprechen von «Unstimmigkeiten»

Bei Ronaldo stiessen die Fahnder nun auf ein Netz von Offshore-Firmen, die auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik und in Irland beheimatet waren. Diese Konstruktion, glaubt die Staatsanwaltschaft, «diente ausschliesslich der Abschirmung, um die Einnahmen aus den Bildrechten vor dem Finanzamt zu verbergen».

Die Anklage bestätigt im Kern jene Dokumente, die unter anderem das deutsche Magazin «Der Spiegel» Ende 2016 veröffentlichten. Demzufolge soll Ronaldo allein von 2009 bis 2015 mehr als 100 Millionen Euro an Bild- und Werbegeldern in Steueroasen geleitet haben. Diese Steuerdokumente stammten von der Enthüllungsplattform Football Leaks, die vertrauliche Daten und E-Mails zu den Geldflüssen im Fussball sammelt.

Bisher äusserte sich Ronaldo nicht zu den Vorwürfen. Sein Spielerberater Jorge Mendes hatte jedoch Ende 2016 mitteilen lassen, dass Ronaldo seine «steuerlichen Pflichten voll erfüllt» habe. Von Ronaldos Anwälten verlautete derweil vor kurzem, dass bei dem Fussballstar «keine Betrugsabsicht» vorgelegen habe. Vielmehr gebe es «Unstimmigkeiten» mit dem Finanzamt über die steuerliche Bewertung von Einnahmen aus Bild- und Werberechten.

Dabei spielt offenbar auch ein Streit um die Auslegung des inzwischen abgeschafften «Beckham-Gesetzes» eine Rolle, das früher ausländischen Fussballstars einen dicken Steuerrabatt zugestand und im Ausland erzielte Einnahmen von der Versteuerung in Spanien ausnahm. Das Gesetz war nach dem früheren britischen Real-Madrid-Spieler David Beckham benannt und von 2005 bis 2010 in Kraft.

Die Steuernorm war massgeschneidert für Spaniens internationale Fussballer, die ihre inländischen Einkünfte nur mit einem niedrigen Satz von 24 Prozent versteuern mussten und nicht zum damals für Spitzenverdiener üblichen Maximalsatz von 48 Prozent. Diese goldenen Steuerzeiten in Spanien sind nun vorbei.


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