Die Hoffnung auf den Cup-Coup

FUSSBALL ⋅ Der FC Hergiswil aus der 2. Liga inter fordert heute (19.30 Uhr) zu Hause im Sechzehntelfinal des Schweizer Cups den FC Schötz aus der 1. Liga heraus.
15. September 2017, 08:00

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Es war am 11. November 2012, als der FC Hergiswil seinen grössten Cup-Auftritt der Vereinsgeschichte hatte. Zum 1/16-Final kamen an diesem Sonntagnachmittag die Sion-Stars Gennaro Gattuso, Kyle Lafferty, Andris Vanins und so weiter auf die Hergiswiler Grossmatt. Und es kamen 2182 Zuschauer, so viele wie noch nie. Der italienische Weltmeister Gattuso musste nach dem 3:0-Sieg den Hinterausgang nehmen, so gross war der Andrang, derweil Lafferty, auch heute noch nordirischer Nationalspieler, sich nach dem Spiel gesellig unters Publikum mischte. Eine Frage blieb bis heute offen: War das in seinem Becher ein Rivella oder doch etwa ein Bier?

Das alles erlebte vor rund fünf Jahren auch Yves Erni, damals kaum 18 Jahre alt, mit. Allerdings als Zuschauer. Erni war als A-Junior erst auf dem Sprung in die 1. Mannschaft. Heute steht Erni als Captain des FC Hergiswil wieder im 1/16-Final des Schweizer Cups. Zwar ist es diesmal kein grosser Cup-Event wie damals gegen Sion, aber immerhin ein Innerschweizer Derby: gegen den Erstligisten FC Schötz. Erni widerspricht sogar: «Trotzdem ist es ein grosses Spiel für uns. Mit einem Sieg können wir unter die letzten 16 kommen, mit etwas Glück einen Gegner wie Basel, Luzern oder die Young Boys zugelost erhalten. Darum geht es im Spiel gegen Schötz.»

«Wir werden sehr viel rennen müssen»

Die beiden heutigen Kontrahenten, Hergiswil und Schötz, standen sich schon vor drei Jahren im Cup gegenüber. Damals siegte der eine Liga höher klassierte FC Schötz 3:1. «Doch wir haben gut mitgehalten, bis zur 70. Minute kein Tor kassiert», erinnert sich Erni. «Und genau darum wird es auch an diesem Freitagabend gehen», erzählt Erni weiter, «wir müssen hinten dicht halten und vorne unsere wahrscheinlich wenigen Chancen eiskalt ausnützen.» Erni geht davon aus, dass sein FC Hergiswil auch diesmal lange auf Augenhöhe wird mithalten können. «Wir hatten im Sommer eine sehr gute Saisonvorbereitung. Die Physis, die läuferische Stärke, das sind unsere Pluspunkte. Und das kommt uns im Spiel gegen Schötz entgegen. Denn wir werden sehr viel rennen müssen.»

Erni weiss aus eigener Erfahrung, dass der Oberklassige nervöser wird, wenn die Partie gegen den Unterklassigen lange Zeit unentschieden steht. «Wir spielten in der vorherigen Cup-Runde gegen den Drittligisten Hausen am Albis. Es lief harzig, wir gerieten sogar in Rückstand. Es kostete uns einiges an Anstrengung.» Schliesslich siegte Hergiswil doch noch 5:1. Für Erni ist aufgrund der Konstellation, aufgrund des Klassenunterschiedes klar: «Der Druck, der liegt eindeutig beim FC Schötz.»

Der Sohn der Hergiswil- Legende Marcel Erni

Erni spielt von der U12 bis zur U16 beim FC Luzern, kehrte danach zu seinem Stammverein Hergiswil zurück. Sein Vater Marcel darf als ehemaliger 2.-Liga-Torschützenkönig durchaus als FCH-Legende bezeichnet werden. Mehr als die halbe Hergiswil-Mannschaft besuchte vor zwei Wochen das 1.-Liga-Spiel Buochs – Schötz (2:2), wo man den heutigen Cupgegner beobachten konnte. «Schötz bezeichne ich als eine sehr gute 1.-Liga-Mannschaft», sagt Erni. «Schötz ist körperlich präsent, aber auch spielerisch stark. Ausserdem haben die Hinterländer sehr schnelle Offensivspieler.»

Zuversichtlich für die heute zu realisierende Überraschung stimmt Erni, dass er mit seinem Team gut in die 2.-Liga-inter-Saison gestartet ist. Aus fünf Spielen resultierte nur eine Niederlage, dafür zwei Siege und zwei Unentschieden. Grossen Motivationszuspruch vom Trainer brauche es sowieso nicht, erklärt Erni. «Jeder von uns weiss selber gut genug, was wir erreichen können. Zudem können wir auch auf die Unterstützung unserer Anhängerschaft zählen.»

Nun, ganz so viele Zuschauer wie 2012 gegen den FC Sion werden heute Abend nicht auf die Grossmatt kommen, aber eines ist gewiss: Sollte den Hergiswilern der Cup-Coup gegen Schötz gelingen, dann bleibt es nicht beim Rivella, das bestätigt auch Yves Erni, «dann gibt’s ganz sicher ein, zwei Bierli.»


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