Erleichterung bei Zug 94 nach «dreckigem Sieg»

FUSSBALL ⋅ Zug 94 fährt in der 6. Runde gegen Langenthal den ersten Saisonsieg ein. Um weiter erfolgreich sein zu können, müssen dringend mentale Defizite behoben werden.
10. September 2017, 18:44

Martin Mühlebach

sport@zugerzeitung.ch

Die Fans des Erstligisten Zug 94 jubelten, als Schiedsrichter Boro Skalonja das Spiel gegen Langenthal beim Stande von 1:0 zu Gunsten der Platzherren abpfiff. Die Freude war verständlich, denn sie hatten sechs Runden auf den ersten Sieg warten müssen.

Weit weniger euphorisch als die Fans analysierte Trainer Roli Widmer die bisher erbrachten Leistungen seines Teams. Sichtlich erleichtert sprach er von einem «dreckigen Sieg». Zu Recht, denn der Siegtorschütze Kemil Festic hatte in der 33. Minute Glück, dass ein mehrfach abgeprallter Ball im Strafraum der Gäste letztlich in seinen Füssen landete. Zug 94 hätte zu diesem Zeitpunkt schon klar in ­Führung liegen müssen. Kevin ­Vögeli und Ruben Burkard hatten allein in den ersten 30 Spielminuten über ein halbes Dutzend gute Torchancen, die sie nicht zu nutzen vermochten.

«Das Einfache ist nicht mehr einfach»

Beat Knoblauch, der Präsident von Zug 94, befand: «Nach dem schlechten Saisonstart und der daraus resultierenden kritischen Tabellenlage fehlt unserer Mannschaft jegliches Selbstvertrauen. Langenthal wurde in der ersten halben Stunde praktisch an die Wand gespielt. Nach dem Führungstreffer und dem Foulpenalty, den die Gäste in der 45. Minute verschossen, regierte in unseren Reihen wieder die pure Angst.» Beat Knoblauch hofft, dass der knappe Sieg zur Stärkung des Selbstvertrauens verhilft. Für Roli Widmer steht fest: «Wir können mehr, als wir bisher gezeigt haben. Mehr Konstanz an den Tag zu legen und die vielen einfachen Fehler abzustellen, ist eine reine Kopfsache – eine Typenfrage.» Sportchef Dusan Ilic meint: «Wir sind nach nur einem Punkt nach fünf Runden in eine Negativspirale geraten. Das Einfache ist nicht mehr einfach.» Er wisse, so Ilic, dass man von Zug 94 mehr erwarte, als bisher gezeigt wurde. Er ­wisse aber auch, wozu das Team fähig wäre, wenn es felsenfest an sich glauben würde. Dem Zuger Sportchef ist aber nicht entgangen, dass er noch nach einer Verstärkung Ausschau halten muss. «Wir brauchen noch einen guten Spielmacher.» Ihn zu finden dürfte nicht einfach sein, denn Ilic betont: «Entscheidend wird sein, was unsere Finanzlage erlaubt.»

Ermunternde Aussage

Während das Fanionteam den Erwartungen hinterher hinkt, eilt der von Besnik Reci trainierte Drittligaaufsteiger Zug 94 von Sieg zu Sieg und liegt gemeinsam mit Rotkreuz an der Tabellenspitze. Diese Tatsache ermuntert einen Funktionär der Juniorenabteilung von Zug 94 zur Aussage: «Ein Abstieg unserer 1. Mannschaft wäre kein Hals- und Beinbruch. Es wäre die Chance, mit unseren vielversprechenden Nachwuchsspielern einen kompletten Neuaufbau in Angriff nehmen zu können.» Vielleicht würde dann das hochtrabende Apollo-Projekt, das in den Augen vieler Fussballfreunde nicht realisierbar ist, endlich ad acta gelegt.

Zug 94 – Langenthal 1:0 (1:0)

Hertiallmend. – 200 Zuschauer. – SR Skalonja. – Tor: 33. Festic 1:0. – Zug 94: Bruhnsen; Weiss, Latifi, Ntsicka, Riedweg; Martino; Palatucci, Mehidic (79. Peter), Burkard; Festic (90. Sylejmani); Vögeli (72. Jankovic). – Langenthal: Marinkovic; Pfister, Zimmermann, Kurmann, Isch (84. Morinaj); Scheidegger (46. Selmani), Heuscher, Binaku, Andrini, Wolfinger (75. Kisa); Gemperle. – Bemerkungen: 43. Pfostenschuss Wolfinger. 45. Gemperle verschiesst Foulpenalty.


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