Zug-94-Torhüter Nils Bruhnsen: Sie nennen ihn Hektor

FUSSBALL ⋅ Der Torhüter Nils Bruhnsen (20) ist der starke Rückhalt von Zug 94 in der 1. Liga. Sein Vorbild ist doppelt so alt wie er. Nach dem letzten Spiel des Jahres wartet ein besonderes Abenteuer auf ihn.
10. November 2017, 04:38

Martin Mühlebach

sport@zugerzeitung.ch

Nils Bruhnsen startete seine Torhüterkarriere beim FC Hünenberg, ehe er via den FC Baar ins Team Zugerland berufen wurde. Von der U17 bis zur U21 trug er anschliessend das Dress des FC Luzern. Danach wechselte er in die Promotion League zum SC Kriens. Obschon er sowohl beim FC Luzern als auch beim SC Kriens als Ersatztorhüter hinten anstehen musste, erinnert er sich gerne an diese Zeit zurück. Unter den Trainern Gerardo Seoane und Marinko Jurendic machte Bruhnsen grosse Fortschritte.

Um Spielpraxis zu erlangen und seine Fähigkeiten unter Beweis stellen zu können, heuerte er im vergangenen Sommer beim Erstligisten Zug 94 an, wo er die unbestrittene Nummer 1 ist. Sichtlich zufrieden sagt er: «Ich wurde auf Anhieb gut aufgenommen. Innerhalb des Teams herrscht eine tolle Kameradschaft. Die Chemie zwischen den erfahrenen Routiniers und den vielen jungen Spielern stimmt.» Der Saisonstart sei nach vielversprechenden Resultaten in den Vorbereitungsspielen zwar nicht wunschgemäss geglückt, aber zu keinem Zeitpunkt sei Unruhe aufgekommen. Und als Zug 94 mitten in der Vorrunde fünf Siege in Serie eingefahren habe, hätte der von der Mannschaft viel fordernde Trainer Roli Widmer keine Genügsamkeit aufkommen lassen.

Mitfiebern mit dem Ex-Trainer

Im Tief nicht in Hektik zu verfallen, und im Hoch nicht abzuheben, sei der Schlüssel, um langfristig erfolgreich arbeiten zu können, sagt Nils Bruhnsen. Bei diesen Worten denkt er an seinen ehemaligen Trainer Marinko Jurendic, der seit der laufenden Saison beim Challenge-League-Klub Aarau an der Seitenlinie steht. «Ich hoffe», sagt Bruhnsen, «dass die Vereinsleitung des FC Aarau trotz der zurzeit nicht wunschgemässen Tabellenlage die Ruhe bewahrt und an ihm festhält. An ihm, der viel mit seinen Spielern spricht und den Teamspirit fördernde Events veranstaltet, liegt es sicher nicht, dass Aarau die hohen Erwartungen bislang noch nicht zu erfüllen vermochte.»

Es überrascht nicht, dass Nils Bruhnsen den italienischen Nationaltorhüter Gianluigi «Gigi» Buffon als sein grosses Vorbild bezeichnet. «Mir imponiert, wie er im Alter von fast 40 Jahren auf höchstem Niveau zu spielen vermag.» Wer nun glaubt, Bruhnsen sei ein Fan von Juventus Turin, wo Buffon seit vielen Jahren zwischen den Pfosten steht, der irrt. Der 20-jährige Zuger Keeper verrät: «Früher galten meine Sympathien der AC Bellinzona. Ich fand die Tessiner cool, weil sie 2005 in pinkfarbenen Trikots zum Cupfinal antraten.» Heute gelten sein Interesse und seine Aufmerksamkeit dem Klub, bei dem er spiele.

Über sich selbst sagt Bruhnsen: «Mir haftet das typische Torhüterklischee an. Ich bin im positiven Sinn verrückt und immer für einen lockeren Spruch zu haben. Ich bin manchmal ein wenig hektisch und überspannt. Meine Teamkollegen haben mir deshalb den Namen Hektor verpasst.» Bruhnsen, der für jeden Spass zu haben ist, nimmt es gelassen hin. Er liebt die Geselligkeit und den Ausgang mit seinen sechs Kollegen vom «Fyrabebierli», die er an der Sportschule Cham kennen gelernt hat, die er während seiner KV-Lehre bei der reformierten Kirche des Kantons Zug besuchte. Bruhnsen sagt: «Ich bin meinen Ausbildnern sehr dankbar, dass sie mir ermöglicht haben, die KV-Lehre zu machen und gleichzeitig Fussball spielen zu können.» Lobend erwähnt er auch seinen Bruder Jan (23), mit dem er ein gutes Einvernehmen pflege, obschon dieser sein grösster Kritiker sei.

Einen ganz besonderen Dank richtet Nils seinem Vater Kai Bruhnsen (50) aus, indem er sagt: «Er unterstützt und fördert mich. Wenn ich mal mein Fitnesstraining sausen lassen möchte, schleppt er mich unbarmherzig mit.» Um ihn moralisch zu unterstützen und beizustehen, sei sein Vater von der Sternenegg, wo er als SAC-Hüttenwart arbeitet, extra zum letzten Match nach Münsingen gefahren. Die moralische Unterstützung nützte – Nils vermochte sein Tor rein zu halten, womit er seinem Team zu einem beachtlichen Punktgewinn beim Tabellendritten verhalf. Nils Bruhnsen gibt zu: «Ein Sieg wäre mir zwar lieber gewesen, aber mit einem Unentschieden kann ich immer noch besser umgehen als mit einer Niederlage.» Da brauche es schon mal die Aufmunterung von seiner Mama Ruth (50), «die es immer wieder schafft, mich zum Lachen zu bringen».

Mit seinen Kollegen vom «Fyrabebierli» verbringt Bruhnsen gerne gemeinsame Ferien. «Wir waren schon in Spanien, auf Zypern und an der Goldküste Bulgariens. Und wir haben Prag, München und Barcelona besucht. Als nächster Städtetrip steht nun Madrid auf dem Programm.» Vorerst arbeitet der Torhüter bis Ende November aber noch für die reformierte Kirche des Kantons Zug, ehe er im Dezember mit seiner Familie zu einer grösseren Reise durch Asien starten wird. «Ich freue mich unglaublich auf die fremde Kultur, auf das asiatische Essen und dass ich der hiesigen Kälte entfliehen kann.»

Morgen zu Gast beim Leader

Zuvor steht das letzte Spiel des Jahres auf dem Programm. Morgen muss Zug 94 ab 17 Uhr zum ersten Rückrundenmatch beim Leader Solothurn antreten, der während der gesamten Vorrunde bis auf ein Unentschieden sämtliche Partien gewonnen hat. Nils Bruhnsen weiss, dass seine Mannschaft krasser Aussenseiter ist. Dennoch sagt er: «Wir können angesichts unserer nach hinten beruhigenden Tabellenlage unbelastet antreten und frei aufspielen. Ich hoffe, dass uns die Solothurner unterschätzen.»


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