Peter Zeidler: «FC Sion gehört hier zum Kulturgut»

FUSSBALL ⋅ Peter Zeidler (54) macht beim FC Sion einen guten Job. Doch vor dem Duell um Platz 3 am Samstag (17.45) in Luzern gibt es mediale Unruhe im Sittener Umfeld. Der Trainer bleibt gelassen, er schwärmt vom Wallis.

17. März 2017, 07:42

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch

Peter Zeidler, wie geht es Ihnen im Wallis?

Sehr gut. Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass wir gegen St. Gallen gewinnen statt verlieren. Die Niederlage gegen Basel wiegt hingegen weniger schwer – auch wenn es sehr schade war, weil wir nicht die schlechtere Mannschaft waren. Insgesamt gefällt es mir im Wallis und in der Schweiz bestens.

Der FC Sion ist ein ausser­gewöhnlicher Verein.

Die Arbeit mit der Mannschaft macht grossen Spass, aber dass hier die Emotionen ausgelebt werden, muss ich nicht erklären.

Ist es immer noch so, dass Sie sich regelmässig auf das Rennrad schwingen und auf einen Pass fahren?

Nicht gerade auf einen Pass, weil mir die Pässe doch etwas zu hoch sind. Ich wohne im Rhonetal zwischen Sion und Martigny. Diese Woche bin ich bereits zweimal aufs Rad gestiegen. Beim Runterfahren muss ich aufpassen. Und den Gegenwind muss man im Wallis überwinden, um eine weitere Metapher zu benutzen. Die Natur ist wunderschön, und die Leute sind gastfreundlich, offen und einfach. Toll ist, dass der FC Sion hier zum Kulturgut gehört.

Sie sind Deutscher und sprechen fliessend Französisch. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich arbeitete 20 Jahre lang als Lehrer, mehrere Jahre parallel zum Trainerjob. Ich hatte schon immer eine Begeisterung und Affinität für die französische Sprache, Mentalität und Kultur. Es ist grossartig, in diesem zweisprachigen Kanton mit Unter- und Oberwallisern zu leben.

Da war doch dieses Spiel am 11. Dezember in Sion. Auf der Tribünenseite war der Rasen zugefroren und rutschig, fast wie auf einem Eisfeld ...

Stimmt, das Terrain war grenzwertig gegen Luzern. Doch jetzt wird es besser bei uns im Tourbillon: Es gibt im Sommer einen neuen Rasen, und gleichzeitig be­kommen wir eine Rasenheizung.

Das ist sehr erfreulich. Vor dem erwähnten Spiel war die Ausgangslage für Sie ähnlich wie jetzt: Sie mussten nach fehlenden Resultaten unbedingt Luzern besiegen. Ihr Team spielte stark auf, hätte statt 3:1 sogar 7:1 gewinnen können. Stehen Sie mit Sion wieder ähnlich unter Druck?

Nein. Wir hatten damals toll gespielt. Nur verloren wir zuvor drei Spiele in Folge, jetzt sind es deren zwei. Zudem lagen wir damals vor der Partie drei Punkte hinter, nun sind wir zwei Zähler vor Luzern. Als ich Sion übernahm, waren wir Zehnter. Nun geht es um Platz 3. Wir sind vorbereitet.

Sion fehlen wichtige Spieler. Können Sie darüber reden?

Ich möchte keine Hektik aufkommen lassen, aber mit Carlitos und Bia müssen wir den Ausfall von zwei wichtigen Spielern verkraften. Natürlich hätte ich beide gerne zur Verfügung gehabt.

Haben Sie am Samstag im Hinterkopf, dass es am 5. April zu Hause im Cup-Halbfinal wieder gegen Luzern geht?

Nein, auch die Luzerner werden sich keine Gedanken darüber machen. Momentan ist egal, wer der Halbfinalgegner ist. Natürlich ist Luzern ein enorm schwieriger Gegner, aber das werden zwei völlig unterschiedliche Partien.

Spüren Sie die Tradition des 13-fachen Cupsiegers Sion?

Im Wallis bekomme ich immer wieder zu hören, «der Cup gehört uns!». Eine Niederlage gegen St. Gallen dagegen sei nicht so schlimm. Alle lieben den Cup.

Das gilt speziell für Präsident Christian Constantin. Doch wie fühlt es sich an, wenn der Chef einem während des Spiels im Nacken sitzt?

Das macht mir überhaupt nichts aus. In sechs, sieben Spielen ist das zum Ritual geworden. Wenn er so emotional ist, dass er nicht mehr sitzen kann, dann muss er die Gefühle körperlich ausleben. Damit kann ich umgehen. Er will – wie ich – am liebsten immer gewinnen. Wenn das nicht klappt, darf er auch enttäuscht sein.


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