Lausanne hat mit Basel drei Rechnungen offen

SUPER LEAGUE ⋅ Nach einer Baisse mit nur zwei Punkten aus 13 Spielen ist Aufsteiger Lausanne in der Super League wieder in die Gänge gekommen. Vom Abstiegsplatz haben sich die Waadtländer um fünf Punkte gelöst.
15. April 2017, 04:00

Mit dem FC Basel, der am Samstagabend um 20 Uhr auf der Pontaise gastiert, hat Lausanne drei Rechnungen offen, die alle von der laufenden Saison datieren.

Nach dem Wiederaufstieg erlebt Lausanne den ersten meteorologischen und astronomischen Frühling in der Super League. Auf die Leistungen bezogen, ist es jedoch schon der zweite. Der erste Frühling dauerte von Anfang August bis Anfang Oktober und trug den Waadtländern 17 Punkte aus 10 Spielen ein. Dann folgte die nicht enden wollende Baisse, die erst Mitte März endete. Der zweite Frühling brachte seither acht Punkte aus vier Spielen hervor. Die zwei Auswärtsspiele wurden gewonnen, aus den Heimspielen schaute je ein 0:0 heraus, das erste davon mit YB als favorisiertem Gegner.

Noch zu Beginn der Rückrunde sah für den Traditionsklub alles düster aus. Goalgetter Francesco Margiotta, eine Leihgabe von Juventus Turin, verletzte sich im Trainingslager in Spanien an den Kreuzbändern. Damit war klar, dass die beste Kraft in der Offensive - Margiotta hatte bis dorthin acht Tore in der Meisterschaft erzielt - für die zweite Hälfte der Saison ausfallen würde.

Tatsächlich begann die Rückrunde mit nur einem Punkt aus fünf Spielen miserabel. Aber Trainer Fabio Celestini war in der Zeit nicht untätig. Er stabilisierte die Defensive. Vor dem Match gegen die Young Boys hatte er seine Leute so weit, dass er die Umstellung von der Dreier- auf die Viererabwehr vollziehen konnte. Dreimal in Folge spielte Lausanne hierauf zu null. In den 23 vorangegangenen Spielen hatten die Waadtländer nur zweimal (1:0 gegen St. Gallen, 5:0 gegen Vaduz) kein Gegentor hingenommen.

In der Offensive glückte es Celestini, das Pensum von Francesco Margiotta zu einem guten Teil auf Nassim Ben Khalifa zu übertragen, den Ur-Waadtländer mit tunesischen Eltern. Im Schweizer U17-Weltmeisterteam von 2009 kam ihm eine tragende Rolle zu, wie er sie in den nachfolgenden Jahren bei den "Grossen" nirgends mehr innehatte - weder bei GC noch bei YB und schon gar nicht bei Wolfsburg oder Nürnberg. Aber im schwierigen Frühling auf der Pontaise blüht er auf und zeigt sich. Zum jüngsten 4:2-Sieg in Thun trug er drei Tore bei. Es werden nicht die letzten gewesen sein, zumal er hauptsächlich vom jetzt zumeist im Angriff eingesetzten Verteidiger Benjamin Kololli wirkungsvoll unterstützt wird. Ben Khalifa/Kololli können die bislang dürftigen Darbietungen des Nordkoreaners Pak Kwang-Ryong übertünchen.

Drei kuriose Spiele

Im Kampf gegen den Abstieg aus der obersten Liga fehlt es naturgemäss keiner Mannschaft an Motivation. Für das Heimspiel vom Samstagabend gegen den FC Basel wird man die Lausanner erst recht nicht anstacheln müssen. Dass der Nobody vom Genfersee gegen den alten und neuen Meister alle drei bisherigen Super-League-Spiele verlor, ist auf dem Papier normal und logisch. Betrachtet man aber die Spiele im Detail, tun sich einem Abgründe der sportlichen Ungerechtigkeit auf. Wer sagt, Lausanne hätte keines der drei Spiele verlieren dürfen, hat gute Argumente. Am 21. September in Lausanne stand es nach 90 Minuten 1:1; Basel siegte 2:1. Am 5. November in Basel führte Lausanne nach 90 Minuten 1:0; Basel siegte 2:1. Und am 19. Februar in Basel führte Lausanne nach 71 Minuten 3:1; Basel siegte 4:3. Vor dem vierten und letzten Saisonspiel zwischen den beiden ungleichen Mannschaften darf man gespannt sein - vor allem auf die Schlussphase. Ben Khalifa wird nicht eingreifen müssen, weil er im Match gegen Basel eine Sperre absitzen muss.

Celestini gefeiert, vergessen, gefeiert

An der Trainerbörse wurde der Name Celestini während Lausannes erster guter Phase zu Saisonbeginn eifrig gehandelt. Nicht wenige erkannten in ihm den künftigen Trainer des FC Basel, vielleicht sogar den direkten Nachfolger von Urs Fischer, mit dem man in Basel schon damals nicht restlos zufrieden war. Man konnte fast den Eindruck haben, der gebürtige Lausanner sei längst zu Vertragsverhandlungen nach Basel gereist. Als Lausannes Baisse immer länger und gravierender wurde, war Celestini in jeder Beziehung wieder in Lausanne. Jetzt hat Lausanne den zweiten Frühling begonnen und ist der FCB tatsächlich auf Trainersuche. Auf dem neuerlichen Weg zum Traumjob nach Basel dürfte Celestini, der 35 Mal für die Nationalmannschaft gespielt hatte, etwa in der Mitte, am Grauholz, angelangt sein.

Die Spiele vom Ostersamstag im Einzelnen

Vaduz - Sion (bisherige Direktbegegnungen in dieser Saison: 1:3, 2:5, 2:4). - Ostersamstag, 17.45 Uhr. - SR Erlachner. - Absenzen: Muntwiler, Brunner (beide gesperrt), Jehle, Costanzo, Ciccone, Pfründer, Strohmaier und Kaufmann (alle verletzt); Ziegler, Carlitos, Mveng, Bia und Lurati (alle verletzt). Fraglich: -; Constant und Mitrjuschkin (Training am Freitag abgebrochen). - Statistik: Vaduz hat sich in den letzten Wochen sukzessive aus der Gruppe der Abstiegskandidaten gelöst - allerdings in die ungewollte Richtung. Drei Niederlagen in Serie - die letzten zwei davon unter der Verantwortung des neuen Trainers Roland Vrabec - haben den Liechtensteinern einen Rückstand von fünf Punkten verursacht. Von den Sittenern, die gegen Luzern ein Fernduell um den 3. Platz austragen, können sie kaum ein Entgegenkommen erwarten. Die drei Duelle dieser Saison brachten ein einseitiges Torspektakel mit neun Punkten und 12:5 Toren für Sion. Trotz der Qualifikation für den Cupfinal muss Sion wieder etwas zeigen. Mehr jedenfalls als bei der pomadigen Leistung bei der jüngsten 2:4-Niederlage in Lugano.

Lausanne - Basel (2:1, 2:1, 4:3). - Ostersamstag, 20.00 Uhr. - SR Schnyder. - Absenzen: Ben Khalifa (gesperrt), Araz, Frascatore, Gétaz, Margiotta, Taiwo und Tomas (alle verletzt); Bua, Balanta (beide verletzt), Serey Die (Zahnoperation), Suchy und Kutesa (beide krank). - Statistik: Die Lausanner hätten gegen Basel in dieser Saison schon, drei, vier oder fünf Punkte holen können. Dass sie in Wirklichkeit null Punkte geholt haben, müssen sie Pech und Unvermögen zuschreiben. Drei bis sechs Punkte haben sie in den letzten Spielminuten aus der Hand. Vielleicht stellt sich die Sensation im vierten Anlauf ein. Nach der langen Talfahrt von Mitte Oktober bis Anfang März mit elf Niederlagen und zwei Unentschieden haben die Waadtländer an ihren guten Saisonbeginn angeknüpft. Zwei Siege (beide auswärts) und zwei Remis waren eine stattliche Ausbeute aus den letzten vier Partien. Basel seinerseits holte aus den letzten fünf Spielen drei Siege und zwei Unentschieden heraus. Angesichts der chronischen Überlegenheit der Basler möchte man beinahe von einer Minikrise sprechen.

Die Rangliste der Super League vor der 28. Runde: 1. Basel 27/70 (69:21). 2. Young Boys 27/53 (60:38). 3. Sion 27/42 (50:44). 4. Luzern 27/40 (50:46). 5. Lugano 27/34 (38:50). 6. St. Gallen 27/31 (31:42). 7. Lausanne-Sport 27/27 (44:49). 8. Thun 27/27 (41:53). 9. Grasshoppers 27/27 (33:45). 10. Vaduz 27/22 (33:61). (sda)


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