Constantin muss draussen bleiben

FUSSBALL ⋅ Die Disziplinarkommission hat entschieden: Christian Constantin darf wegen seiner Attacke gegen TV-Experte Rolf Fringer 14 Monate lang kein Fussballspiel mehr vor Ort verfolgen. Der Sion-Präsident will das Urteil nicht akzeptieren.
12. Oktober 2017, 21:04

Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernerzeitung.ch

21. September: Nach dem Super-League-Spiel Lugano – Sion stürmt Sittens Präsident Christian Constantin auf TV-Experte Rolf Fringer zu, verpasst ihm Ohrfeigen und tritt gegen den am Boden liegenden ehemaligen Nationaltrainer und FCL-Sportchef nach. Fernsehkameras haben Teile dieser Attacke festgehalten.

Nun hat die dreiköpfige Disziplinarkommission der Swiss Football League (SFL) das Strafmass im Fall Constantin festgelegt: «CC» muss 100 000 Franken Busse bezahlen und erhält eine Platzsperre von 14 Monaten aufgebrummt. Diese tritt ab sofort in Kraft und beinhaltet die Wett­bewerbe der Super League, der Challenge League, des Schweizer Cups und die Spiele der A-Nationalmannschaft der Männer. Constantin hat bei diesen Spielen keinen Zutritt zum Spielfeld, zur technischen Zone, zur Mixed-Zone oder zur Mannschaftskabine. Auch auf der Tribüne oder in einem anderen Stadionsektor darf er am Spieltag nicht Platz nehmen, wie die Disziplinarkommission (DK) gestern mitteilte. Ansonsten kann Constantin jedoch die Geschicke des FC Sion weiterhin lenken und den Klub auch an Sitzungen der SFL vertreten.

«Die Werte des Fussballs diskreditiert»

Die Kommission taxiert Constantins Vorgehen als «klaren und schwerwiegenden Verstoss gegen die Verhaltensregeln des Schweizerischen Fussballverbandes». In der Urteilsbegründung hebt die DK hervor, dass ein Klubpräsident in erhöhtem Masse verpflichtet sei, sich vorbildlich für Fairplay und Respekt einzusetzen. «Christian Constantin hat in diesem Fall diese Pflicht grob verletzt und damit die Werte des Fussballs diskreditiert.» In ihrem Urteil berücksichtigte die Kommission zudem, dass in der Vergangenheit bereits ähnliche Disziplinarverfahren gegen Christian Constantin durchgeführt werden mussten.

«So einen Fall hatten wir noch nie zu beurteilen», sagt der Präsident der Disziplinarkommission, Daniele Moro. Und zur Höhe der Strafe: «Für das Strafmass gibt es keine mathematische Regel. Das Strafmass haben wir nach Beurteilung des Sachverhalts und längeren internen Diskussionen gefällt.» Die Aufgabe der DK sei es, eine Sanktion zu finden, die verhältnismässig sei. «Und wir sind der Meinung, dass sie das ist.»

Constantin zeigt keine Einsicht

Das Urteil der DK ist noch nicht rechtskräftig. Der Entscheid kann innert fünf Tagen beim Rekursgericht der SFL angefochten werden. Die Richter haben einem allfälligen Rekurs gegen die Platzsperre die aufschiebende Wirkung entzogen. Das Rekursgericht entscheidet im Normalfall innert zehn Tagen nach Ablauf der Frist für die Stellungnahmen. Es kann bei seiner Neubeurteilung das Strafmass auch verschärfen. Nächste Instanz wäre der Internationale Sportsgerichtshof CAS in Lausanne.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber Lematin.ch zeigte sich Constantin verärgert über das Urteil: «Es zeigt die Inkompetenz dieser Kommission. Ich wurde weder aufgeboten noch angehört. Sie wollen einen Krieg, sie werden einen Krieg bekommen.» Die Stadionsperre werde er am Sonntag im Heimspiel gegen St. Gallen nicht beachten: «Ich bin Mieter des Tourbillon. Wenn man mir sagt, dass ich nicht zu Hause schlafen darf, würde ich es trotzdem tun. Und für die fehlende aufschiebende Wirkung im Falle eines Rekurses? Dafür gibt es Gerichte.» Auch die Busse will er offenbar nicht begleichen: Man werde sehen, wer wen bezahlen müsse.

Klubs müssen bei Sanktionen mithelfen

Verantwortlich für die Einhaltung der Sanktionen gegen Constantin sind auch die Mitglieder der Swiss Football League, also die Klubs. Sie müssen laut Daniele Moro beim Vollzug der Stadionsperre mithelfen. «Hält sich ein Klub nicht daran, können gegen ihn Disziplinarmassnahmen ergriffen werden», erklärt Moro. Die möglichen Strafen seien in der Rechtspflegeordnung des SFV (Art. 23) aufgelistet. Mit welchen Sanktionen fehlbare Klubs bestraft werden, müsste dann wieder die Disziplinarkommission entscheiden. Christian Constantin selber drohen bei einer Missachtung der Platzsperre weitere Verfahren der Disziplinarkommission. «Wir gehen aber davon aus, dass das Verbot eingehalten wird», betont Daniele Moro.

Die Disziplinarkommission hat am 22. September im gleichen Fall auch ein Verfahren gegen Constantins Sohn Barthélémy, Sportdirektor des FC Sion, eröffnet. Dieses Verfahren läuft derzeit noch. Wie die Kommission mitteilt, werden bis zu einem Entscheid keine weiteren Auskünfte erteilt.

Ob Rolf Fringer gegen Constantin wegen Körperverletzung klagen wird, ist noch offen. Er sei deswegen nach wie vor in Diskussion mit seinen Anwälten, erklärt Fringer auf Anfrage. Eine Klage wegen einfacher Körperverletzung ist ein Antragsdelikt, die Strafverfolgungsbehörden werden also nicht von sich aus tätig.


Leserkommentare

Anzeige: