Christian Constantin – der ewige Störenfried

KOPF DES TAGES ⋅ Sion-Präsident Christian Constantin düpiert das Bewerbungskomitee für die Olympischen Winterspiele in der Schweiz.
30. November 2017, 08:53

Christian Constantin Konfliktscheue vorzuwerfen, wäre etwa so absurd, wie Roger Schawinski Schweigsamkeit zu unterstellen. Der 60-jährige Walliser scheint es in schöner Regelmässigkeit geradezu darauf anzulegen, für Negativschlagzeilen zu sorgen. Kürzlich kassierte der Präsident des FC Sion für die handgreifliche Attacke auf den TV-Experten Rolf Fringer eine 14-mona­tige Sperre. Er verpasste dem Ex-Nati-Trainer eine Ohrfeige und versetzte ihm einen Tritt in den Hintern. Die Begründung: die aus Constantins Sicht ungerechtfertigte Kritik an seiner Amtsführung. Es war nicht das erste Mal, dass Constantin tätlich wurde. In Kriens trat er einst einem Linienrichter zwischen die Beine.

Ganz so gravierend sind die neusten Nachrichten um die wohl schillerndste Figur des Schweizer Fussballs der letzten 25 Jahre nicht. Die «Aargauer Zeitung» berichtet, dass sich «CC», wie der Architekt aus Martigny gemeinhin genannt wird, die Rechte für den Slogan «Sion 2026, les Jeux au cœur de la Suisse» (zu Deutsch: Sion 2026, die Spiele im Herzen der Schweiz) gesichert hat. Und das nur eine Woche vor seinem Rücktritt als Vizepräsident des Bewerbungskomitees für die Olympischen Winterspiele in der Schweiz, der im Nachgang zur Fringer-Affäre erfolgte. Auch die Rechte an den Internetdomains «sion2026.ch» und «sion2030.ch» hat sich der umtriebige Fussballfunktionär bereits gesichert. Glaubt CC etwa nicht mehr an eine erfolgreiche Bewerbung für 2026?

Wie dem auch sei; das Restkomitee ist überrascht. Hans Stöckli, Berner SP-Ständerat und ebenfalls Vizepräsident des Olympiakomitees, sagt, Constantin habe kein Recht, den Slogan für sich zu beanspruchen. Er habe den Spruch nicht mal erfunden. Und überhaupt: Stöckli glaubt, die unschöne Angelegenheit gemeinsam mit Constantin bei einer Flasche Wein aus der Welt schaffen zu können. Ein neuer Slogan wäre wahrscheinlich sowieso schnell gefunden. Doch mit den Internetdomains könnte Constantin gutes Geld verdienen – sollten die Spiele tatsächlich in die Schweiz vergeben werden. Davon wäre indirekt auch der Bund betroffen, der das Projekt «Sion 2026» mit einer Milliarde Franken unterstützen will.

Constantin selber hat sich noch nicht zum Thema geäussert. Dafür hat er für Spekulationen darüber gesorgt, wie lange er noch Präsident des FC Sion sein wird. Von 1992 bis 1997 und wieder seit 2003 ist CC Präsident des sportlichen Aushängeschilds des Kantons Wallis. Dem Westschweizer Fernsehen sagte Constantin kürzlich: «Ich kann leider nicht ewig bleiben. Gehen wir mal bis Weihnachten und danach werden wir sehen, was es unter dem Baum gibt.» Auf die pure Ladung Constantin wird der Schweizer Fussball wohl auch im Falle eines Rücktritts nicht verzichten müssen. Sohn Bar­thélémy, aktuell noch Sportchef des FC Sion, ist bereits in den Startlöchern für die Nachfolge – und mit ähnlich ungezügeltem Temperament gesegnet. Bevor Papa Christian Fringer tätlich angriff, soll der 22-Jährige den TV-Experten mit dem Tod bedroht haben. Dafür wurde er für zehn Spiele gesperrt. Ein Ehrenabzeichen für einen echten Constantin.

Dominik Weingartner


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