Portugal kann kommen

FUSSBALL ⋅ Die Schweiz bleibt mit einem grandiosen 5:2 auch gegen Ungarn makellos. Damit reist das Team von Vladimir Petkovic mit dem perfekten Gefühl ans Endspiel in Portugal.
Aktualisiert: 
08.10.2017, 07:00
07. Oktober 2017, 22:36

Christian Brägger, Basel


Neun Spiele mit 27 Punkten in der laufenden WM-Qualifikation. Torverhältnis 23:5. Dazu diese famose erste Halbzeit im St.-Jakob-Park vor knapp 32 000 Zuschauern gegen die Ungarn. Mit Toren von Granit Xhaka, Fabian Frei und Steven Zuber, die keinen Spielraum für Zweifel hergaben, wer Herr im Hause ist – die Schweiz. Und weil es in der zweiten Hälfte weiter den Anschein machte, das Heimteam wolle Verpasstes vergangener Spiele nachholen und weiter Tore schiessen, ging es in diesem Takt weiter. Nach 49 Minuten erhöhte Zuber auf 4:0, die Schweiz schaltete einen Gang zurück.

Eigentlich wäre es an der Zeit, Superlative zu benützen. Die Rekorde dieser Schweizer Mannschaft zu feiern, die sie immerzu erneuert. Des Weiteren würde man gerne fabulieren, was alles möglich wäre, wenn sie sich diese rasante Fahrt bewahrt. Zumal die Freude über ihre Auftritte, und noch mehr über ihre Erfolge, gross ist. Aber nichts da – es ist auch nach diesem 5:2 nichts erreicht. Überhaupt nichts. Portugal rutschte in Andorra nicht aus, doch war das auch nicht erwartet worden.

Alle redeten vom Endspiel – nun ist es so weit

Am Dienstag kommt es nun zur Finalissima, die man schon so lange im Kopf hat. Der Schweiz, makelloser Leader der Gruppe B, reicht in Lissabon ein Unentschieden, um im nächsten Sommer definitiver WM-Teilnehmer in Russland zu sein. In dieses Endspiel gegen Portugal geht sie nach dem 5:2 mit der grösstmöglichen Positivität, so, wie sich Trainer Vladimir Petkovic das gewünscht hatte. Und vielleicht auch erwartet. Sein Team wird sich nach diesem Auftritt gegen Ungarn nicht verstecken müssen. Besonders dann nicht, wenn es mit demselben Elan ans Werk geht. Gestern jedenfalls bekamen die Gäste in aller Heftigkeit zu spüren, was es heisst, wenn der Rivale auf der anderen Seite einen Lauf hat. Nur zu Beginn wussten die Ungarn zu gefallen. Und dennoch: Die beiden Gegentore, die die Schweizer mit Fortdauer der zweiten Halbzeit nach Unachtsamkeiten den Gästen zustanden, waren ein kleiner Dämpfer. Oder der Denkzettel zur rechten Zeit: Es geht nicht alles von alleine.

Mit grosser Spielfreude war Petkovics Mannschaft ans Werk gegangen, sie war hungrig, wie der Coach das chronisch fordert. Sie spielte mit Herz, sie belagerte die Ungarn, sie erspielte sich Chancen im Minutentakt. Was weniger daran lag, dass die Magyaren in der Welt als Nummer 59 kein Faktor mehr sind und ihr Glanz der EM in Frankreich längst verblasst ist, sondern vielmehr am konzentrierten Auftritt der Schweiz. Wie das so ist, wenn Sand im Getriebe steckt, gesellen sich dann auch noch Fehler dazu. Xhaka profitierte nach 18 Minuten beim 1:0 von einem solchen, nachdem der ungarische Goalie Péter Gulácsi einen Ball im eigenen Strafraum verstolpert hatte. Zwei Minuten später hatte Frei bei seinem Schlenzer Glück, dass dieser unhaltbar abgefälscht wurde. Dafür war das 3:0 Zubers in der 43. Minute in der Entstehung eine Augenweide. Beim 4:0 des Hoffenheim-Profis kurz nach der Pause war der Abschluss zwar platziert, doch hätte ein Gulácsi in Topform diesen wohl gehalten.

Petkovic hatte zwar stets behauptet, die Affiche gegen Ronaldo und Co. vor der Partie gegen die Ungarn nicht im Kopf zu haben. Doch dem war nicht so – er pokerte, und wie er die Karte spielte, hatte in der Form wohl niemand erwartet: Der Trainer liess die mit Gelb vorbelasteten Stammspieler Blerim Dzemaili, Admir Mehmedi und Ricardo Rodriguez auf der Bank. An ihrer Stelle spielten Frei, Zuber und François Moubandje. Ein Wagnis, das am Ende keines war, weil die drei – insbesondere Zuber und Frei – ihre Aufgaben sehr gut lösten. Hinzu zeigte der für den verletzten Valon Behrami in die Startformation gerückte Remo Freuler, was er kann.

Doch gab es weitere gute Nachrichten von der Schweizer Front, Breel Embolo kehrte nach langer Absenz wieder zurück. Und Verteidiger Stephan Lichtsteiner ist mit dem dritten WM-Qualifikationstreffer (83.) aktuell torgefährlichster Schweizer.

Schweiz - Ungarn 5:2 (3:0)

St.-Jakob-Park, Basel. - 32'018 Zuschauer. - SR Tagliavento (ITA). - Tore: 18. Xhaka 1:0. 20. Frei (Zuber) 2:0. 43. Zuber (Shaqiri) 3:0. 49. Zuber (Seferovic) 4:0. 58. Guzmics 4:1. 83. Lichtsteiner (Shaqiri) 5:1. 88. Ugrai 5:2.

Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Moubandje; Freuler (85. Derdiyok), Xhaka; Shaqiri, Frei (73. Zakaria), Zuber; Seferovic (63. Embolo).

Ungarn: Gulacsi; Bese (32. Lang), Guzmics, Kadar, Korhut; Patkai, Elek (56. Markvart); Lovrencsics, Adam Nagy, Varga (69. Sallai); Ugrai.

Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Gelson Fernandes und Edimilson Fernandes (alle verletzt), Ungarn ohne Dzsudzsak und Fiola (beide gesperrt) sowie Gera und Szalai (beide verletzt). Verwarnungen: 35. Ugrai (Foul). 44. Elek (Foul).

Gruppe B. Die weiteren Resultate vom Samstag:

Färöer - Lettland 0:0. Andorra - Portugal 0:2 (0:0).

Rangliste: 1. Schweiz 9/27 (23:5). 2. Portugal 9/24 (30:4). 3. Ungarn 9/10 (13:14). 4. Färöer 9/9 (4:15). 5. Lettland 9/4 (3:18). 6. Andorra 9/4 (2:19).

  • KEYSTONE
  • Daniela Frutiger/freshfocus
  • Daniela Frutiger/freshfocus

Die Schweiz ist in der Qualifikation für die Fussball-WM 2018 weiter gut auf Kurs. In Basel bezwang die Nationalmannschaft im zweitletzten Gruppenspiel Ungarn mit 5:2.


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