Niederlage in Portugal: Die Schweiz muss in die Barrage

FUSSBALL ⋅ Weil die Portugiesen gegen die Schweiz 2:0 gewinnen, nehmen sie den direkten Weg an die WM in Russland. Dafür muss Vladimir Petkovics Team den beschwerlichen Gang in die Barrage antreten.
10. Oktober 2017, 23:45

Christain Brägger, Lissabon

61566 Zuschauer im ausverkauften Estádio da Luz, in diesem schmucken Fussballtempel, davon über 5000 Schweizer. Hinzu die aufgeladene Stimmung, Popstar Madonna ebenfalls unter den Gästen, passender hätte der Rahmen für dieses Endspiel nicht sein können. Fehlten nur noch die Zutaten für einen rundum gelungenen Abend – doch die Schweizer hatten sie nicht dabei. 0:2 verloren sie gegen Portugal, das mit dem verdienten Sieg im letzten WM-Qualifikationsspiel die Schweiz dank dem deutlich besseren Torverhältnis noch vom ersten Platz verdrängte. Natürlich kannte die Freude der Portugiesen nach dem Schlusspfiff keine Grenzen mehr, stolz sangen sie ihre Lieder.

Bis zu dieser schicksalshaften Partie war nahezu alles so gekommen, wie sich der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic das ausgedacht hatte. Doch zu vieles misslang gestern in der Finalissima, sie warf einen Schatten über den bisherigen Parcours, der mit neun Siegen so formidabel war und im Prinzip noch immer ist. Als Trost, auch wenn dies keiner sein kann, wartet nun die Barrage. Dort trifft die Schweiz als gesetztes Team auf Irland, Schweden, Nordirland oder Griechenland. Zugelost wird der Gegner in Zürich am nächsten Dienstag, gespielt wird am 9. und 14. November. Eines aber ist gewiss: In diesen Playoff-Partien um die WM-Teilnahme kann viel passieren, auch wenn sich oftmals die bessere Qualität durchsetzt. Die Frage wird sein: Wie gut erholt sich die Schweiz von diesem bitteren Rückschlag in Lissabon?

Rückstand nach Djourous Eigentor

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit hatte sich Pektovics Team den Vorteil der neun gewonnenen WM-Qualifikationsspiele nehmen lassen, eingeschlossen das 2:0 aus dem Hinspiel gegen denselben Rivalen zum Auftakt der Kampagne. Die Schweiz lag zurück, dies äussert unglücklich, weil es bis dahin erst die zweite Chance der Portugiesen gewesen war und vor allem – das Tor «erzielte» Johan Djourou. Die Mannschaft von Fernando Santos profitierte dabei von der allgemeinen Unordnung in der Schweizer Hintermannschaft, als es galt, eine präzise Hereingabe vor dem heranstürmenden João Mário zu entschärfen. Yann Sommer kam heraus, Fabian Schär stand ebenfalls da, und eben, Djourou. Ihm kullerte der Ball unglücklich an den Fuss und von da ins Tor. 0:1, die Schweiz im Hintertreffen, die Aufgabe mit dieser Hypothek noch schwieriger, als sie es in diesem Hexenkessel ohnehin schon war. Sie war jetzt unter Zugzwang, nicht mehr die Portugiesen. Und sie konnte nicht reagieren.

Dabei hatte die Schweiz bis dahin eigentlich gut mitgehalten. Nur zu Beginn des Spiels und nach knapp dreissig Minuten, als Sommer glänzend Bernardo Silvas Abschluss parierte, wusste sie nicht vollends zu überzeugen. In der restlichen Zeit der ersten Hälfte aber war sie präsent, sie war ein Gegner auf Augenhöhe und zeigte keinen Respekt. So wie man das von ihr kannte. Es waren gute Signale, welche die Schweizer sendeten, weil auch Cristiano Ronaldo nicht zu sehen war. Doch änderte sich die Anlage der Partie mit dem ersten Treffer, weil jetzt die Portugiesen so spielen konnten, wie sie es oft gerne tun. Abwarten, lauern und dann blitzschnell zuschlagen. Und prompt schlug es ein zweites Mal bei Sommer ein, als die Schweizer nicht mehr richtig ins Spiel fanden. In der 57. Minute traf André Silva, der einen Querpass von Bernardo Silva durch den Fünfmeterraum einschob.

Nicht ganz unerwartet war sich Petkovic treu geblieben und hatte seine Stammformation aufs Feld geschickt. Die Schweiz also mit Ricardo Rodriguez, Admir Mehmedi und Blerim Dzemaili. Der Nationaltrainer sah sich aber früh gezwungen, Massnahmen zu ergreifen, schon zur Pause hatte er Denis Zakaria für den rotgefährdeten Remo Freuler aufs Feld beordert, nach dem zweiten Gegentreffer versuchte er es noch mit Breel Embolo (für Dzemaili) und Steven Zuber (für Mehmedi). Das Spielgeschehen wussten auch die Neuen nicht zu prägen, alles wirkte seltsam stumpf. Eine reelle Chance zum Anschlusstreffer besass einzig Haris Seferovic in der 67. Minute, aber das war’s. Vielmehr sündigten auf der anderen Seite die Portugiesen, allen voran Ronaldo, der es am Schluss der Partie alleine vor Sommer etwas gar zu lässig nahm. Er konnte es sich leisten.
 

Gruppe B

Portugal – Schweiz  2:0 (1:0)
Estadio da Luz, Lissabon. – 61 566 Zuschauer. – SR Cakir (TUR). 
Tore: 41. Djourou (Eigentor) 1:0. 57. André Silva (Bernardo Silva) 2:0.
Portugal: Rui Patricio; Cédric, Pepe, José Fonte, Eliseu (68. Antunes); William Carvalho; Bernardo Silva, João Mario (91. Danilo), Moutinho; André Silva (75. André Gomes), Cristiano Ronaldo.
Schweiz: Sommer; Lichtsteiner, Schär, Djourou, Rodriguez; Freuler (46. Zakaria), Xhaka; Shaqiri, Dzemaili (66. Zuber), Mehmedi (66. Embolo); Seferovic.
Bemerkungen: Schweiz ohne Behrami, Gelson Fernandes und Edimilson Fernandes (alle verletzt). Verwarnungen: 27. Freuler (Handspiel). 41. Eliseu (Foul). 70. Zakaria (Foul).


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