Auch das Wetter kann die Schweiz nicht stoppen

WM-QUALIFIKATION ⋅ Die Schweiz hört nicht auf zu siegen. Im siebten Auftritt der Gruppe B gewinnt sie im Dauerregen von St. Gallen gegen Andorra 3:0. Haris Seferovic trifft zweimal.
01. September 2017, 04:40

Christian Brägger, St. Gallen

Der Abend in der Ostschweiz hätte so viele Geschichten schreiben können. Die des Dauerregens, der zu einem Spielabbruch wegen Unbespielbarkeit des Terrains geführt hat oder die des sensationellen Ausrutschers der Schweiz gegen den Fussballzwerg Andorra. Doch beides traf nicht ein. Das «Wasserspiel» wurde zu Ende geführt, und die Schweiz ging konzentriert ans Werk, und sie wusste mit Haris Seferovic beim letztlich ungefährdeten 3:0 einen Knipser in den eigenen Reihen. Damit bleibt in der Gruppe B nach sieben WM-Qualifikationsspielen bis zum Sonntag wie erwartet alles beim Alten: 21 Punkte totalisiert die Schweiz, Portugal bleibt dahinter mit drei Zählern Rückstand, dafür dem besseren Torverhältnis.

Das bescheidene Andorra, das bis zu seinem Sensationssieg vor fast drei Monaten gegen Ungarn 13 Jahre lang nicht ge­winnen konnte, machte es der Mannschaft von Trainer Vladimir Petkovic aber keineswegs einfach. Es dauerte bis zur 43. Minute, ehe Seferovic gegen die Weltnummer 129 im Fifa-Ranking den Bann brechen konnte; der formstarke Stürmer versenkte mit dem Kopf eine massvolle Flanke Xherdan Shaqiris zum 1:0 und machte damit dort weiter, wo er bei seinem neuen Arbeitgeber Benfica Lissabon aufgehört hat: mit dem Toreschiessen. Später in der zweiten Halbzeit ging ebenfalls das 2:0 in der 62. Minute auf sein Konto, es war sein zehnter Treffer im ­Nationaldress. Spätestens in der 67. Minute durften die 13 600 Zuschauer im Kybunpark nach Stephan Lichtsteiners Tor zum 3:0 durchatmen: Pflicht erfüllt.

Spiel am Rande des Abbruchs

Das Wasser. Im Grunde war es das Wasser und nicht der Gegner, das der Schweiz an diesem Abend am meisten Sorgen bereitete, weil es nach all dem Dauerregen auf dem neu ausgelegten Hybridrasen liegen blieb. Und Pfützen bildete, die ein gepflegtes Fussballspiel verunmöglichten. Was wiederum dem Aussenseiter in die Karten spielte, der mehr vom Kampf lebt, weil er technisch ungleich limitierter ist. Lichtsteiner, der Captain, begann bald einmal beim Schiedsrichter zu lamentieren und einen Abbruch zu fordern, weil er sein Team so sehr im Nachteil sah; nach dem Führungstreffer sah man ihn das nie mehr machen.

So rückte an diesem Abend nicht der Fussball in den Vordergrund, sondern ein anderes Bild: unzählige Helfer, die versuchen, mit ihren Walzen die Resultate des Niederschlags aus dem Spielfeld zu schieben. Dabei verging Zeit, der norwegische Schiedsrichter Tore Hansen liess in der ersten Halbzeit sieben Minuten nachspielen, die Pause verlängerte er um weitere fünf Minuten, doch wenigstens stand in der zweiten Halbzeit das Spiel nicht mehr vor dem Abbruch. Die Folge war, dass sich ein ereignisarmes, von Zufällen geprägtes Spiel entwickelte, in dem die Schweiz in der zweiten Halbzeit zulegte.

Petkovic hatte Modifikationen vorgenommen für die Startformation, die so nicht wirklich hatten erwartet werden können. So gab Remo Freuler sein Debüt in einem Pflichtspiel ebenso wie Steven Zuber – auch Manuel Akanji durfte von Beginn an neben Fabian Schär spielen und nicht Johan Djourou, den man vielleicht erwartet hätte. Man dachte: Das ist mutig, kann man aber so machen. Wenn nur dieser Regen nicht wäre.

Seferovic: «Im Moment habe ich einfach einen Lauf»

Der Surseer Stürmer Haris Seferovic präsentierte sich gestern in überragender Form und traf gleich doppelt. Nach dem Spiel wusste er zwar nicht genau, warum es ihm so läuft. Aber er wusste, dass es so war. Er sagte: «Im Moment läuft es einfach gut bei mir. Das Selbstvertrauen ist da, und dann gehen auch bei wenigen Chancen die Bälle ins Tor. Ich weiss im Moment, dass ich einen guten Lauf habe, und dann gehen solche Bälle einfach rein.»

Zum Spiel selbst sagte der Benfica-Stürmer Seferovic: «Es war ein sehr schweres Spiel bei diesem schlimmen Wetter und den Rasenbedingungen. Der Ball blieb oft stehen, und der Gegner stand tief.»

Darüber zeigte sich auch Captain Stephan Lichtsteiner nicht glücklich. Er fand gar klare Worte: «Das eine oder andere Tor wäre sicher gut gewesen. Es ist schade, dass man nur auf den Spielplan schaut. Man hätte das Spiel abbrechen müssen.» (rg)

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Mit 3:0 setzt sich die Schweizer Nati gegen Andorra durch – und gegen einen durchnässten Rasen.


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