Stephan Lichtsteiner: «Die Qualifikation wäre ein Traum»

FUSSBALL ⋅ Stephan Lichtsteiner hat schon an vier grossen Turnieren gespielt. Heute im Barrage-Rückspiel gegen Nordirland (18 Uhr) will der Adligenswiler die Schweiz als Captain an die Weltmeisterschaft führen. Sein Erfolgshunger ist auch mit 33 Jahren noch nicht gestillt.
12. November 2017, 09:38

Raphael Gutzwiller, Basel

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

Sechs Mal italienischer Meister, je vier Titel im italienischen Cup und Super-Cup, dazu kommen vier grosse Endrunden mit der Schweizer Nationalmannschaft: Stephan Lichtsteiners Vita ist beeindruckend. Doch hört man den 33-Jährigen vor dem wichtigen Barrage-Rückspiel gegen Nordirland reden, glaubt man, einen deutlich jüngeren Spieler vor sich zu haben. Gefragt, was ihm das WM-Ticket bedeuten würde, sagt Lichtsteiner nicht etwa, dass er von einer starken Schweizer Mannschaft die Qualifikation erwartet. Nein, Lichtsteiner träumt davon: «Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft wäre ein Traum, auf dessen Erfüllung wir seit zwei Jahren gemeinsam hinarbeiten. Wir möchten uns gegen Nordirland qualifizieren und im nächsten Sommer in Russland Geschichte schreiben.»

Mit dem 1:0-Auswärtssieg in Belfast hat die Schweiz in der Barrage eine gute Ausgangslage geschaffen. Bereits ein Unentschieden würde der Schweiz zum Ticket nach Russland reichen. Lichtsteiner warnt aber: «Wir haben noch nichts erreicht und müssen an die guten Leistungen in der Qualifikation anknüpfen, um uns für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Denn die Nordiren können besser Fussball spielen als am Donnerstag, sie haben eine grosse Qualität. Sonst wird man in einer Gruppe mit Tschechien und Norwegen nicht Gruppenzweiter und erreicht die Barrage.»

Xhaka: «Lichtsteiner ist wie ein 20-Jähriger»

Der Aussenverteidiger Stephan Lichtsteiner ist kein Xherdan Shaqiri. Er ist keiner, der mit seiner fussballerischen Klasse ein Spiel entscheiden kann. Aber seine Erfahrung, seine Leidenschaft und seine unbändige Winnermentalität machen ihn zu einem der wichtigsten Eckpfeiler dieser überzeugenden Schweizer Nationalmannschaft, deren Captain er seit zwei Jahren ist.

Gefragt nach Lichtsteiners Status im Team, sagt Granit Xhaka am Tag vor dem Showdown mit Nordirland: «Ich habe sehr grossen Respekt vor Stephan und vor dem, was er in seiner Karriere erreicht hat. Er ist absolute Weltklasse, spielt schon seit Jahren sehr erfolgreich bei Juventus Turin. Trotz der vielen Titel, die er gewonnen hat, ist er immer noch hungrig wie ein 20-Jähriger.»

Doch auch Lichtsteiner wird älter. An der Weltmeisterschaftsendrunde im nächsten Sommer wird er bereits 34 Jahre alt sein. Ein Seniorenalter für einen Fussballer, zumal er als Aussenverteidiger auch von seiner Geschwindigkeit lebt. Ob er auch nach der Weltmeisterschaft noch immer das rot-weisse Trikot der Nationalmannschaft trägt, ist ungewiss, Lichtsteiner selber wollte sich bisher nie dazu äussern. Ihm wäre zuzutrauen, dass er noch einmal zwei Jahre anhängt. Falls nicht, könnte Lichtsteiners 95. Länderspiel im Falle einer Niederlage gegen Nordirland aber auch sein allerletztes gewesen sein.

Fokus einzig auf diesem wichtigen Spiel

Daran denkt Lichtsteiner im Moment aber überhaupt nicht. Seine Gedanken sind an einem anderen Ort. Als er an der Pressekonferenz gefragt wird, was die grosse Stärke der Schweizer Mannschaft sei, braucht er einen kurzen Moment, um dies zu definieren. «Auf eine solche Frage habe ich mich nicht vorbereitet, ich bin momentan einzig auf den Match fokussiert», sagt Lichtsteiner, bevor er dann doch eine Antwort gibt: «Wir haben eine hervorragende Mannschaft, die tollen Fussball spielt und grosse Lust hat, die Spiele zu gewinnen. Doch nochmals: Im Moment ist das Nordirland-Spiel das Wichtigste, es zählt nichts anderes.»

Die Aussagen passen zum Bild von Stephan Lichtsteiner in der Öffentlichkeit. Es ist das Bild eines «Chrampfers», der immer alles dem Erfolg und dem Erreichen seiner Ziele unterordnet. Alles andere ist Nebensache. So hat es der Adligenswiler zu Juventus Turin und zum Nati-Captain geschafft. Und so will er heute die Schweiz an die Weltmeisterschaft 2018 in Russland führen. Garantiert hätte Stephan Lichtsteiner dann noch viel grössere Träume.


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