Eklat um Behrami vor dem grossen Duell

FUSSBALL ⋅ In Belfast kommt es heute (20.45) zum Barrage-Hinspiel Nordirland – Schweiz. Am Tag davor stand ausgerechnet der verletzte Valon Behrami im Mittelpunkt: Sein Club Udinese Calcio forderte Behramis sofortige Rückkehr.
09. November 2017, 08:30

Raphael Gutzwiller, Belfast

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch

In den nächsten vier Tagen entscheidet sich, ob die Schweiz im Sommer 2018 an der Weltmeisterschaft in Russland mit dabei ist. Im direkten Duell mit Nord­irland geht es um das WM-Ticket.

Trainer Vladimir Petkovic will bei diesem wichtigen Duell alle Spieler dabeihaben. So hat er unter anderem Vizecaptain und Mittelfeldkämpfer Valon Behrami ins Aufgebot genommen. Dabei hat dieser eigentlich eine Muskelverletzung im Oberschenkel, die ihm Einsätze heute und wohl auch am Sonntag in Basel verunmöglichen dürften. Schon vor dem Abflug tönte Behrami an, dass sein Klub Udinese Calcio nicht wirklich glücklich über die Nati-Reise seines Spielers trotz Verletzung sei. Gestern doppelte der Serie-A-Klub auf seiner Website nach. In einer offiziellen Mitteilung wollte Udinese Behrami wegen eines formellen Fehlers zur Rückreise auffordern. Der 13. der Serie A behauptet, dass der Schweizerische Fussballverband das Aufgebot erst am 27. Oktober und damit fünf Tage zu spät erlassen habe. Deshalb drohte der Klub: «Falls der Spieler nicht freigegeben oder trotz der Umstände eingesetzt wird, behält sich Udinese Calcio das Recht vor, wegen Verletzung der Fifa-Reglemente sämtliche zivil- und sportrechtlichen Mittel auszuschöpfen.»

Die Fristen seit Jahren nicht eingehalten

Der Nationalmannschaftsdelegierte Claudio Sulser sagte an der gestrigen Pressekonferenz zum Fall: «Valon Behrami wird hier in Belfast bei der Schweizer Nationalmannschaft bleiben.» Bereits seit Jahren kommuniziert der SFV sein provisorisches Aufgebot zweieinhalb Wochen vor dem Länderspiel. Eigentlich müsste dies aber schon 18 Tage vor dem Zusammenzug der Nationalmannschaft stattfinden. Sprich: Die Fristen werden fast nie eingehalten. «Zu einem Problem wurde das bisher aber noch nie», sagt Sulser.

Udinese, das in der Vergangenheit etwa mit Gökhan Inler oder Silvan Widmer bereits Spieler der Schweizer Nati hatte, kommt nun aber mit dieser Kritik. «Für mich ist das absolut unverständlich, nachdem es jahrzehntelang den Verein nicht interessiert hat», sagt Sulser. Deshalb sei auch die Frage zur Rechtslage nicht so einfach zu klären. «Natürlich steht das mit den Fristen ­irgendwo, eingehalten wurde das aber noch nie.» Ausserdem stehe die Aufforderung zur Heimreise im Widerspruch zu einem Passus, der oberstes Gebot geniesse: «Die Vereine müssen ihre Spieler freigeben, wenn es sich um Länderspiele im internationalen Kalender handelt. Da dies mit den Barrage-Spielen der Fall ist, glaube ich nicht, dass Behrami zu seinem Verein zurückmuss.»

Warum aber hat der SFV diese Fristen nicht eingehalten? «Der Nationaltrainer möchte jeweils erst die internationalen Liga-Spiele abwarten, bevor er das provisorische Aufgebot bekanntgibt. In Zukunft müssen wir aber mehr Spieler auf die Liste nehmen, um doch noch entscheiden zu können.»

«Bei einem Kämpfer wie Behrami kann es schneller gehen»

Dass der verletzte Behrami im Aufgebot steht, verteidigt Sulser. «Der Spieler selber merkt am besten, ob er einsatzbereit ist oder nicht. Und auch wenn es hiess, er werde bis zu 25 Tage ausfallen, kann das bei einem Kämpfer, wie es Valon Behrami ist, anders sein.»

Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass Valon Behrami heute einsatzbereit ist. Was aber würde der Schweizer Mannschaft drohen, wenn man Behrami spielen liesse? «Das müsste die Fifa ­entscheiden», sagt Sulser. «Dass es in ­diesem Fall zu einer Disqualifikation kommt, glaube ich nicht.»

So oder so: Die Aufregung um einen Spieler, der mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht eingesetzt wird, kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Einen Einfluss auf das Team habe das aber nicht, sagt Nationaltrainer Vladimir Petkovic. «Ich habe unmittelbar vor der Pressekonferenz davon erfahren. Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf das Spiel gegen Nordirland.»


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