Petkovic nimmt die Auslosung der WM-Gruppenphase entspannt

FUSSBALL ⋅ Die Schweizer Nationalmannschaft erfährt heute, auf welche Gegner sie in der WM-Gruppenphase in Russland trifft. Unabhängig von der Zusammensetzung der Gruppe sei das Weiterkommen das Ziel, hält Nationaltrainer Vladimir Petkovic fest.
01. Dezember 2017, 05:00
Brasilien, Dänemark und Nigeria oder doch eher Polen, Tunesien und Panama? Auch wenn die Schweizer Nationalmannschaft und ihr Captain Stephan Lichtsteiner sich vor den grossen Namen nicht fürchten, so gibt es doch schwierigere und einfachere Wege, sich für die Achtelfinals an den Weltmeisterschaften im kommenden Jahr zu qualifizieren. Unter den Gesetzten dürften Gastgeber Russland und Polen weniger anspruchsvolle Gegner sein als etwa Brasilien oder Deutschland.

Vladimir Petkovic wird die heutige Auslosung (15.55, SRF 2) im Kreml entspannt mitverfolgen: «Wir können ja nicht beeinflussen, gegen wenn wir spielen.» Deshalb wolle er auch nicht spekulieren. Bei den letzten Weltmeisterschaften konnte sich die Schweiz über das Los nicht beklagen. 2014 waren Frankreich, Ecuador und Honduras die Gegner, 2010 Spanien, Chile und Honduras und 2006 Frankreich, Südkorea und Togo.

Nur ein Gegner kann aus Europa kommen

Petkovic stellt klar: «Es gibt an einer WM-Endrunde mit Sicherheit keine leichten Gegner.» Einigen hochkarätigen Gegner geht die Schweiz aber schon aus dem Weg, etwa Spanien und England, die wie die Nati im Topf 2 eingeteilt sind (siehe Grafik). Auch Peru, Kolumbien, Mexiko, Uruguay und Kroatien kommen als Gegner nicht in Frage.

Aus dem Topf 1 sind Brasilien und Argentinien die wahrscheinlicheren Gegner als Russland, Deutschland, Portugal, Belgien, Polen und Frankreich. Denn die wichtigste Regel bei der Auslosung besagt: Pro Gruppe kann nur ein Team jeder Konföderation eingeteilt werden. Die Ausnahme ist Europa, das mit maximal zwei Teams in einer Gruppe vertreten sein kann. Konkret: Aus Topf 2 können Peru, Kolumbien und Uruguay nicht auf Brasilien und Argentinien treffen, weil alle dem südamerikanischen Kontinentalverband Conmebol angehören. Das erhöht die Chancen, dass die Schweiz auf eines dieser zwei Teams trifft.

Egal, gegen wenn die Schweiz in der Gruppenphase spiele, man wolle so auftreten, wie es für sie in der Qualifikation typisch gewesen sei, sagt Petkovic. Also mit viel Ballbesitz und dominant. Eine entscheidende Bedeutung kommt der Vorbereitung auf das Turnier zu und somit dem noch zu bestimmenden Trainingscamp vor Ort.

Der Schweizerische Fussballverband hat eine Unterkunft in Samara ins Auge gefasst. Die 1,2 Millionen Einwohner zählende Stadt am Ufer der Wolga trägt sechs WM-Spiele aus, liegt rund 850 Kilometer südöstlich von Moskau und bietet den Vorteil, dass die Mehrheit der Spielorte relativ leicht zu erreichen ist. Das ist umso wichtiger, als die elf Spielorte weit auseinanderliegen – obwohl sich die russischen Organisatoren auf den westlichen Teil des Landes beschränkt haben: Kaliningrad im Westen trennen vier Zeitzonen von Jekaterinburg im Osten. Zwischen dem nördlichsten Austragungsort St. Petersburg und So­tschi im Süden liegen 4000 Kilometer. Der WM-Hauptort wird Moskau sein. Die mit über zwölf Millionen Einwohnern zweitgrösste Stadt Europas stellt zwei Stadien, zum einen das neu gebaute Spartak-Stadion, zum anderen das altehrwürdige Olympiastadion Luschniki. (sda)


Schwieriges Los, grosse Chance

Wunschgruppe

Brasilien
Schweiz
Schweden
Panama

Warum: In dieser Gruppenzusammenstellung dürfte es reichlich Spektakel und – davon bin ich überzeugt – jubelnde Schweizer geben. Schweiz gegen Brasilien zum Auftakt: Das klingt gut! Klar, Brasilien hat eine der besten Nationalmannschaften der Welt. Aber für die Schweiz wäre das schwierige Los auch eine Chance. Das letzte Aufeinandertreffen 2013 hat die Schweiz sogar mit 1:0 gewonnen. Wieso sollte das nicht auch an einer WM gelingen?

Sweden vs. Switzerland? Hans wie Heiri für den Rest der Welt. Ich bin überzeugt: Unseren Eishockey-Angstgegner würden wir auf dem grünen Rasen bezwingen. Doch Achtung: Wer in der Qualifikation Italien und Holland ausschaltet, ist stark. Ein Duell mit WM-Neuling Panama gab es für die Schweiz noch gar nie. Das Spiel gegen den Underdog wäre interessant – und erfolgreich. Denn die Schweiz hat gelernt, gegen kleine Teams zu gewinnen.

Raphael Gutzwiller

raphael.gutzwiller@luzernerzeitung.ch


Spielstarke Gegner, schlagbarer Favorit

Wunschgruppe

Argentinien
Schweiz
Dänemark
Saudi-Arabien

Warum: Mit Argentinien hat die Schweiz einen grossen Namen in der Gruppe. Die Südamerikaner haben in der mühsam überstandenen Qualifikation aber auch gezeigt, dass sie zu schlagen sind. Zudem haben die Schweizer mit dem zweifachen Weltmeister nach der unglücklichen Niederlage im WM-Achtelfinal in Brasilien (0:1 in der 118. Minute) noch eine Rechnung offen.

Auch gegen das spielstarke Dänemark um Tottenham-Star Christian Eriksen wird es für das Team von Nationaltrainer Vladimir Petkovic nicht einfach werden – im Barrage-Rückspiel liessen die Dänen den Iren beim 5:1 keine Chance. Langweiligen Einbahnstrassen-Fussball wird es gewiss nicht zu sehen geben. Den gibt es wohl eher gegen Saudi-Arabien. Auch wenn das gemäss Fifa-Rangliste zweitschwächste Team der WM (vor Gastgeber Russland) nicht unterschätzt werden ­sollte – gegen diesen Gegner kann die Schweiz mit drei Punkten rechnen.

Cyril Aregger

cyril.aregger@luzernzeitung.ch


Ohne Europäer, aber mit viel Begeisterung

Wunschgruppe

Brasilien
Schweiz
Tunesien
Australien

Warum: Spielt die Schweiz in dieser WM-Gruppe – übrigens ohne ein anderes europäisches Team –, dann bin ich überzeugt, dass uns im nächsten Sommer sehr interessante Affichen bevorstehen. Allein die Partie Schweiz gegen den Rekordweltmeister Brasilien an der Endrunde würde für TV-Rekordquoten sorgen. Zwar ist das brasilianische «jogo bonito» von einst längst dem Zweckfussball gewichen, aber die Seleçao ist noch immer das legendärste aller Nationalteams.

Wie Brasilien gelten auch Tunesien und Australien als oft bereiste Ferienländer. Zudem wären sie auch sportlich attraktiv, da sie für Petkovics Mannschaft schlagbar sein müssten. Bei den Socceroos kommt hinzu, dass Luzern-Stürmer Tomi Juric zum Stammpersonal zählt. Ausserdem gehören Australien wie Brasilien zu den grossen Sportnationen. Für positive Gefühle und Begeisterung wäre also gesorgt. Und nicht zuletzt um die Emotionen geht es an einer WM.

Daniel Wyrsch

daniel.wyrsch@luzernerzeitung.ch


Für Ousmane; und meine Tochter

Wunschgruppe

Polen
Schweiz
Senegal
Südkorea

Warum: Nichts Neues im Nordosten: Von der Schweiz verlangen wir nächstes Jahr an der WM mindestens den zweiten Platz in der Gruppe und endlich das Überstehen der Achtelfinals. Nationalcoach Vladimir Petkovic würde ich es besonders gönnen. Ansonsten, ja, ich gebe es zu, bin ich momentan nur halbherzig bei der Sache, denn: Leider finde ich Italien nicht, wenn ich in die Töpfe schaue.

Von der heutigen Auslosung wünsche ich mir für die Schweiz: Polen, weil wir seit der letzten EM noch eine Rechnung offen haben (Niederlage nach Penaltyschiessen im Achtelfinal); Senegal, weil ich dann mit meinem Luzerner Senegal-Bekannten Ousmane bei einem Bier eine Toto-Wette abschliessen kann; und Südkorea, weil mir dann meine Tochter Aline, die aus mir nach wie vor unerfindlichen Gründen von diesem Land so fasziniert ist, jeweils erklären kann, welches jetzt der Vorname und welches der Familienname ist.

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch


Weg des geringsten Widerstands

Wunschgruppe

Russland
Schweiz
Tunesien
Panama

Warum: Zugegeben, es ist nicht ganz einfach, die möglichst schwächsten Gegner zu eruieren. In Topf 1 fällt die Wahl auf die Russen. Ich glaube nicht, dass sie dem Druck als Gastgeber standhalten werden. Aus Topf 3 schätze ich Tunesien am schwächsten ein, das am diesjährigen Afrika-Cup im Viertelfinal strandete. Diese Auswahl schaffte es in der Kontinentalmeisterschaft 2004 erst- und bislang letztmals, den Pokal zu holen.

Aus Topf 4 sind Saudi-Arabien und Panama wohl die am schwächsten einzustufenden Teams. Die Wahl fällt auf Panama: Erstmals für eine WM qualifiziert, dazu spielt nur ein Spieler in einer grossen Liga. Im Kader sind bloss fünf «Europäer» zu finden. Diese spielen bei Malaga (Roberto Chen, ESP, Primera Division), Elche (Jairo Jiménez, ESP, 2. Division), Lech Posen (Luis Henriques, POL), Honved Budapest (Anibal Godoy, HUN) und Lausanne Sport (Gabriel Torres, Super League).

René Barmettler

rene.barmettler@luzernerzeitung.ch


Fussball-WM: Küren Sie Ihre Wunschgegner für die Schweiz

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