Pfützenspiel machte sogar Spass

WM-QUALIFIKATION ⋅ Morgen trifft die Schweiz in Riga auf Lettland. Das 3:0 gegen Andorra bleibt für die Tabelle wichtig, mehr darf man im Regenspiel nicht sehen. Auch wenn sich einige Akteure auszeichnen konnten.
02. September 2017, 04:39

Christian Brägger, Riga

Der Schweizer Sieg im Gewitter hat Vladimir Petkovic natürlich keine Rückschlüsse gebracht. Aber drei Punkte, das allein zählt. Immerhin konnte in St. Gallen ein Abbruch umschifft werden, Nachholtermin wäre wohl gestern um 12 Uhr im Kybunpark gewesen. Selbst der Trainer sagte, über diese Partie solle man keine Analyse machen. «Weil es sich nicht mehr um Fussball handelte.» Und dennoch hinterliess das 3:0 nicht nur im Rasen Spuren vor dem morgigen Lettland-Spiel, das um 20.45 Uhr in Riga beginnt. Speziell bei diesen Protagonisten:

Stephan Lichtsteiner (91 Länderspiele/7 Tore): Man möchte meinen, der ewige Aussenverteidiger wird auf seine alten Tage hin noch ein richtiger Stürmer. In der laufenden Kampagne erzielte der 33-jährige Captain bereits das zweite Tor, er ist gleichauf mit Admir Mehmedi, aber noch vor Xherdan Shaqiri. Lichtsteiner sagt: «Ich war schon immer torgefährlich. Aber das ist egal, wichtig ist die WM-Teilnahme.» Ob es manchmal ermüdend sein könne, ständig gegen Abwehrbollwerke wie Andorra oder Lettland zu spielen, verneint er. «Wir haben uns zu einem grossen Land entwickelt. Der defensive Gegner weiss, wenn er auftut, wird es brenzlig für ihn. Zudem erlebe ich das mit Juventus oft.» Erlebt hat Lichtsteiner bei den Italienern in der Tat viel – jetzt ist er dort wieder Stammkraft.

Remo Freuler (4/–): Erstmals durfte der defensive Mittelfeldspieler im Nationalteam beginnen, und um es kurz zu machen: Er überzeugte, bei zwei Toren hatte er die Füsse im Spiel. In Italien bei Bergamo schon lang auf gutem Niveau, könnte Freuler mit Denis Zakaria zur Alternative werden, falls der unverwüstliche Valon Behrami einmal zurücktritt. Der 25-Jährige sagt: «Andorra war ein Charaktertest.»

Xherdan Shaqiri (63/20): Von einem Höhenflug möchte man nicht sprechen, dafür sind die Erwartungen an ihn immer noch hoch. Doch zeigte der Wirbler gefällige Aktionen und vor allem Spielfreude. Das sah man nicht immer, Shaqiri war manchmal ohne Lust oder verletzt. Das ging gar so weit, dass man seine Ernährung hinterfragte. In der Ostschweiz aber war die Lust des 25-Jährigen so gross, dass er sich nicht einmal auswechseln lassen wollte. Er sagt: «Ich habe diese Pfützen als Spass genommen. Manchmal musste ich lachen, wie der Ball rollte. Ich denke, es wird zum Endspiel gegen Portugal kommen.»

Haris Seferovic (42/10): Vom Saulus zum Paulus, so in etwa könnte man seine jüngste Verwandlung sehen. Lange lebte Seferovic von diesem 2:1-Siegtreffer gegen Ecuador an der WM, dann vom Ruf des Chancentods. Jetzt setzt man in ihn plötzlich die Hoffnung, doch der nächste Alex Frei im Nationalteam zu sein. Zwar reichen dafür zwei Tore nicht, weil Frei genauso oft traf wie Seferovic Länderspiele hat. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Manuel Akanji (2/0): Den 22-Jährigen hatte man irgendwie noch nicht so richtig auf der Rechnung. Doch geben der FC Winterthur (Freuler, Zuber, Mehmedi) und der FC Basel als Stationen gute Referenzen her, besonders fürs Nationalteam. Gegen die Färöer und Andorra spielte Akanji in der Innenverteidigung zweimal durch, und er sagt: «Mir ist es lieber, wenn wir nicht so unter Druck stehen.» Auch in Riga wird es so sein.


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