Seferovic weint nach Pfiffen

FUSSBALL ⋅ Die Schweiz lässt beim 0:0 gegen Nordirland viele Torchancen aus. Haris Seferovic wird bei seiner Auswechslung von den eigenen Fans ausgepfiffen – wie einst Alex Frei und Marco Streller.
Aktualisiert: 
13.11.2017, 09:00
13. November 2017, 07:18

Daniel Wyrsch, Basel

Am Schluss jubelten fast alle Schweizer Spieler, Trainer und Betreuer. Die Qualifikation für die WM 2018 in Russland ist mit dem 0:0 im Barrage-Rückspiel gegen Nordirland geschafft. Nur einer aus dem rot-weissen Lager musste in Basel getröstet werden. Haris Seferovic (25) weinte bittere Tränen trotz des WM-Tickets. Es waren keine Freudentränen.

Was war geschehen mit dem Mann, der in Sursee gross geworden ist? Nachdem er in der 85. Minute mit einem Schuss aus 14 Metern weit übers nordirische Tor wohl die grösste der zahlreichen Schweizer Chancen ausgelassen hatte, ertönten die ersten Pfiffe aus einem Teil des Schweizer Lagers im St.-Jakob-Park. Wenig später wechselte Nationalcoach Vladimir Petkovic den aus Basel stammenden Breel Embolo für Seferovic ein. Als der Profi von Benfica Lissabon den Platz verliess, wurden die Pfiffe gegen den eigenen Stürmer noch lauter. Eine bizarre Szene, die an Alex Frei erinnerte, der in Basel bei einer Auswechslung in einem EM-Qualifikationsspiel gegen Wales ebenfalls vom eigenen Anhang ausgepfiffen worden war. Oder an Marco Streller, den heutigen Basel-Sportchef, der einst in St. Gallen von den Schweizer Fans Buhrufe und Pfiffe geerntet hatte und aus lauter Frust deswegen sogar kurzzeitig aus dem Nationalteam zurückgetreten war.

Unterstützung von Coach und Captain für Seferovic

Auf jeden Fall waren sich die Protagonisten des heutigen Nationalteams der Ernsthaftigkeit und Brisanz der Situation bewusst. Captain Stephan Lichtsteiner ­betonte: «Die Pfiffe gegen Haris sind nicht okay. Ich würde mir wünschen, dass unser Stürmer, der in der gesamten Qualifikation so viel für uns getan hat, mehr ­Respekt bekommen würde.»

Nationaltrainer Petkovic machte den Vergleich mit den fantastischen grün-weissen Gästefans in dem mit 36 000 Zuschauern ausverkauften Stadion: «Das nordirische Publikum hat seine Mannschaft besser unterstützt.» Und: «Mich hat es enttäuscht, dass die Leute meinten, es werde gegen die kämpferischen Nordiren leicht.»

Für Petkovic stimmten zwei Dinge: Erstens errang sein Team nach 10 Siegen, einem Unentschieden und lediglich einer Niederlage (0:2 in Portugal) das Ticket für Russland. Und zweitens: «Jeder meiner Spieler hat in diesem schweren letzten Match auf diesem tiefen Platz alles gegeben.»

Über Seferovics Leid wollte Petkovic nicht mehr reden. «Bleiben wir bei den positiven Dingen.» Der Nationalcoach hatte seinen Stürmer während der Pfiffe aber deutlich sichtbar unterstützt. Als Seferovic vom Platz lief und provokativ ins weite Rund applaudierte, klatschte Petkovic ebenfalls demonstrativ und nahm den Schützling an der Seitenlinie in Empfang. Daraufhin deutete Seferovic, der Luzerner mit Wurzeln in Bosnien, mit den Fingern einen Pfiff an und zeigte auf die Ränge, um den Zuschauern sein Unverständnis mitzuteilen.

Gestern wollte sich Haris Seferovic zum Vorgefallenen nicht äussern. Xherdan Shaqiri, der im Abschluss vor dem Tor ebenfalls nicht zu überzeugen wusste und wie Seferovic ausgewechselt wurde, fasste das trotz der ungenügenden Effizienz Erreichte in wenigen Worten zusammen: «Wir sind alle stolz, dass wir nächsten Sommer an die WM dürfen!»

Freundin meldet sich auf Instagram

Unterstützung erhält Seferovic auch von seiner Freundin Amina. Auf Instagram schreibt sie: «Mein Kämpferherz – verdient qualifiziert.» Im selben Beitrag schiesst sich auch noch gegen seine Kritiker: «Und dann erst mal allen Undankbaren und Ahnungslosen das dreckige Maul stopfen!!!!»


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