Ein letztes Mal frech sein

HANDBALL ⋅ Für den LK Zug beginnt morgen die Finalserie gegen Brühl St. Gallen. Flügelspielerin Stefanie Javet ist zuversichtlich, ihre Karriere mit dem vierten Meistertitel beenden zu können – und das im Alter von gerade einmal 22 Jahren.
20. Mai 2017, 10:05

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Wenn eine Leistungssportlerin, die drei Meistertitel sowie zwei Cupsiege im Palmarès stehen hat, ihr Karriereende bekannt gibt, ist das in der Regel nichts Ungewöhnliches. Im Fall der Zuger Flügelspielerin Stefanie Javet hingegen schon: Sie ist vor wenigen Tagen erst 22 Jahre alt geworden und körperlich topfit. Dennoch bestreitet Javet ab morgen mit dem LK Zug gegen den LC Brühl ihren vierten und letzten Playoff-Final. Danach wird sie sich auf ihr Physikstudium konzentrieren, gegenwärtig ist sie im vierten Semester an der Universität Zürich. «Ich will nicht ris­kieren durchzufallen», legt die Adliswilerin ihre Beweggründe offen und ergänzt: «Ich bin mit Studium und Sport an meine Grenzen gestossen.»

Diese Aussage trifft auf den LK Zug nicht zu. Vor der Saison infolge Substanz- und Routineverlust nicht als Titelfavorit gehandelt, hat er sich kontinuierlich gesteigert und die letzten beiden Matches gegen die Spono Eagles und Brühl für sich entschieden. «Wir hatten schon immer ein junges Team – diesmal ist es extrem jung», sagt Javet stolz. Sie führt den Finaleinzug auf die «Frechheit» zurück, die aus dieser Kaderzusammensetzung resultiert: «Wenn man jung ist, denkt man weniger nach als ältere Spielerinnen, sondern spielt einfach frisch von der Leber weg», führt sie aus.

Revanche für den Cup-Halbfinal?

Die Unbekümmertheit dürfte auch der Zuger Schlüssel zu einem allfälligen Coup in der Best-of-3-Serie gegen die favorisierten Brühlerinnen sein. Die Bilanz aus Qualifikation und Finalrunde spricht knapp für den Rekordmeister aus St. Gallen (29 Titel): Er gewann von fünf Vergleichen deren drei. Darüber hinaus fügten die Ostschweizerinnen dem LKZ im Cup-Halb­final eine bittere Niederlage zu – der Siegestreffer zum 25:24 fiel 3 Sekunden vor Ablauf der 60 Minuten. Für Stefanie Javet zählt in ihrer Beurteilung der Ausgangslage der letzte Eindruck. Am vergangenen Samstag nämlich gewannen die Zugerinnen auswärts mit 33:31. «Es war für uns wichtig, zu sehen, dass Brühl schlagbar ist. Für uns ist dieser Sieg mental ein Plus, für die Ostschweizerinnen möglicherweise ein Minus.»

So viele Tore wie noch nie

Die achtmalige Nationalspielerin ist bereit, ihren Beitrag zum fünften Meistertitel des LKZ zu leisten. Für sie wäre es der vierte nach den Jahren 2013, 2014 und 2015. Javet kam in der besten Zeit der Vereinsgeschichte nach Zug. Das Team war kaum zu bezwingen, in entscheidenden Spielen gar nicht: Es gewann zwei Finalserien gegen Nottwil und eine gegen Brühl ohne Niederlage und siegte in den beiden Cupfinals von 2014 und 2015.

Bezüglich Treffsicherheit ist für Javet die laufende Saison die erfolgreichste: Die bislang 66 Tore sind ihr Bestwert in der SPL. Zu Beginn ihrer Zuger Zeit trat sie am linken Flügel seltener als Torschützin in Erscheinung, auch weil die starke Verteidigerin als Juniorin in diversen Zürcher Spielgemeinschaften im Rückraum gespielt hatte.

Bei ihrem SPL-Debüt im November 2011 für den LKZ erzielte die 16-Jährige jedoch mit ihrem ersten Schuss einen Treffer. Nur fünfeinhalb Jahre später sagt sie nun: «Es wäre cool, mit einem Meistertitel abzutreten.» Das sind wahrlich seltsame Worte aus dem Mund einer gesunden, topfitten 22-Jährigen.

Playoff-Final

Best-of-3-Serie. 1. Runde. Sonntag: Brühl St. Gallen – LK Zug (15.00, Kreuzbleiche). – 2. Runde. Dienstag: LK Zug – Brühl St. Gallen (19.30, Sporthalle). – 3. Runde (eventuell). Sonntag, 28. Mai: Brühl St. Gallen – LK Zug (15.00, Kreuzbleiche).


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