Emmens Freude an der Offensive

HANDBALL ⋅ Emmen schlägt Dagmersellen mit 36:32 und festigt seinen Platz in der 1.-Liga-Spitze. Trotz der Niederlage im Derby sind auch die Luzerner Hinterländer im Aufschwung.
14. November 2017, 08:11

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Schon vor dem ersten Spiel war mit Blick auf die Qualität im Kader klar, dass sich Emmen in dieser Saison vom Abstiegskandidaten zum Spitzenteam wandeln kann. Nach neun 1.-Liga-Runden zeigt sich: Die Mannschaft erfüllt die Erwartungen, liegt mit drei Punkten Rückstand auf Muotathal auf dem zweiten Platz der Tabelle. Am letzten Samstag realisierten die Emmer mit dem 36:32 gegen Dagmersellen den vierten Vollerfolg in Serie. Formsache war der Derbysieg aber keineswegs, «es war hart», resümierte Spielmacher David Zürcher.

Zwar legten die Gastgeber in der Rossmooshalle einen Blitzstart hin, führten nach einer Viertelstunde mit 11:4. Doch dann machte sich in der Defensive der Schlendrian breit und der Gegner fand zurück ins Spiel. Bis zur Pause betrieben die Dagmerseller Resultatkosmetik (19:14), nach dem Seitenwechsel machten sie es wieder spannend. In der 55. Minute kamen sie auf ein Tor heran (31:30), ehe Emmen sich dank seiner individuellen Klasse im Angriff doch noch durchsetzte. «Für mich ist das auf Rückraum Mitte ein Traum. Links und rechts habe ich tolle Handballspieler, es gibt so viele Möglichkeiten, du kannst machen, was du willst, es ist zielführend», schwärmte Zürcher. Er sagte aber auch: «Defensiv war das nichts. Wir müssen an unserer Einstellung arbeiten, wir sollten nicht nur das Toreschiessen gerne machen. Wir sind in dieser Liga ein Topteam. Mit mehr defensivem Willen können wir ganz oben mitspielen.»

Dagmersellen und die Mentalitätsfrage

In Schwung gekommen sind zuletzt auch die Dagmerseller. Der Start in die Saison war schlecht, Trainer Othmar Buholzer bezeichnete die Präsenz in den Übungseinheiten als katastrophal, die ersten drei Spiele gingen verloren. Dann aber erzwangen die Luzerner Hinterländer die Wende, siegten fünfmal in Serie. «Wir haben über Mentalität gesprochen, über eine positive und lösungsorientierte Haltung», erklärte Coach Sandro Bieri. Im Gegensatz zu Emmen fand Dagmersellen in den letzten Wochen mit der Defensive zu Stabilität. Mit einem aufsässigen 5:1-System macht man den Kontrahenten das Leben schwer, Ramon Häller ist ein starker Goalie, die daraus resultierenden Gegenstösse sind ein probates Mittel, um zum Torerfolg zu kommen.

Eine Hartnäckigkeit, die sich die Mannschaft bewahren muss, denn personell ereilte sie zuletzt einiges an Ungemach: Der rechte Aufbauer Pascal Born fiel am Samstag mit einer Schulterverletzung aus, die Goalies Häller (Nasenbeinbruch) und Locatelli (er trat auf einen rostigen Nagel), waren schon gegen Emmen nicht verfügbar. Bieri jedenfalls ist überzeugt: «Dagmersellen gehört in die Top 4!»

Emmen und die Aufstiegsfrage

Rang vier wird Mitte Dezember, wenn die Hauptrunde zu Ende geht, die Minimalanforderung für das Erreichen der Finalrunde sein. Überspringt Dagmersellen diese Hürde, ist der Ligaerhalt und damit das zentrale Ziel in dieser Saison schon vor Weihnachten erreicht.

Die Emmer streben derweil nach etwas mehr. Wer in der Finalrunde im Frühjahr mit wiederum acht Teams (ergänzt durch vier Westschweizer) in den Top 2 landet, kann in Hin- und Rückspiel um die Promotion in die NLB kämpfen. «Diese Aufstiegsspiele sind gut vorstellbar», sagt David Zürcher, «von einem Aufstieg möchte ich aber noch nicht sprechen. Wir sollten uns mit Blick auf die Vergangenheit etwas Zeit lassen.» Schliesslich galten die Emmer bis zur letzten Saison noch als Liftklub, der zwischen der 2. und 1. Liga pendelt.

Männer, 1. Liga

Männer, 1. Liga. Gruppe 3: Olten – SG Pilatus 29:20 (15:8). Pratteln – Leimental 33:18 (18:10). Emmen – Dagmersellen 36:32 (19:14). Herzogenbuchsee – Muotathal 24:25 (13:11).

Rangliste: 1. Muotathal 9/16. 2. Emmen 9/13. 3. Olten 9/11. 4. Pratteln 9/10. 5. Dagmersellen 9/10. 6. SG Pilatus 9/6. 7. Leimental 9/4. 8. Herzogenbuchsee 9/2.


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