Auf Finalkurs

HANDBALL ⋅ Kriens-Luzern siegt im ersten Playoff-Halbfinalspiel gegen Winterthur auf höchst überzeugende Art und Weise 30:21 (12:10). Vom Final träumen? Ja, das darf der HCK jetzt.
16. April 2017, 10:25

Roland Bucher, Winterthur

sport@luzernerzeitung.ch

Es war ein Spiel, ein Sieg, der Hoffnungen weckt. Auf die Qualifikation für den Final. Auf mehr sogar. Kriens trat gestern im Stile einer Mannschaft auf, die alle Qualitäten besitzt, den Pokal in Besitz zu bringen. Kriens hat einen Trainerfuchs: Heiko Grimm irritierte mit seinem von aussen gesehen taktischen Wirrwarr, das indes an Effizienz kaum zu überbieten war, Winterthur bis in die Grundfesten. Kriens hat einen Meistergoalie: Paul Bar ebnete in entscheidenden Momenten einmal mehr mit mirakulösen Paraden den Weg zum grossen Sieg (37 Prozent Abwehrquote).

Kriens hat das absolut perfekte Timing: Jetzt, da geerntet wird, präsentiert sich die Mannschaft sowohl im Kollektiv wie auch individuell im perfekten Form­pegel. Kriens hat unerhörte Effizienz: Mit Blättler (5 Tore), Fellmann, Baviera, Brücker und Bar (!) erzielten gleich fünf Akteure ihre Tore ohne einen einzigen Fehlwurf. Und: Kriens hat unerhörte Ausstrahlung. Die Mannschaft strotzt in diesen Tagen vor Selbstvertrauen, setzt die Ideen ihres Chefs schon fast traumwandlerisch durch, weiss: Ja, wir haben das Rüstzeug, in dieser Saison etwas ganz Grosses zu schaffen.

Einer der überragenden Akteure in einer Partie, die von Kriens grossmehrheitlich vor allem auch in physischer Hinsicht dominiert wurde, was eine ganz besonders erfreuliche Erkenntnis ist, war Luca Spengler. Er litt in den letzten Wochen immer wieder an Problemen in den Adduktoren, schonte sich, nahm rechtzeitig für diese Playoff-Halbfinal-Serie Anlauf. Verzeichnete mit sieben Toren aus acht Versuchen ebenfalls eine ausserordentlich hohe Quote: «Ja, wir haben das gut gemacht. Wir wissen, dass wir stark sind, und wir haben diese Kraft von Beginn an demonstriert.»

Bar sticht den gegnerischen Goalie aus

Kriens ging früh in Führung. Baute sie immer wieder auf ein 3-Tore-Polster aus. Winterthur holte zwar nochmals zum 13:13 auf (36.), dann sorgte Spengler, der 2-Meter-Mann mit dem urgewaltigen Wurf, mit 4 Treffern in der Schlussphase für die Entscheidung. «Wir werden das kurz feiern, dann regenerieren. Am Montag geht’s mit dem Heimspiel weiter. Etwas erreicht haben wir erst, wenn uns die Bestätigung des Breaks gelingt.»

Der Schmied dieses kleinen Handballwunders, das Kriens in die Pole-Position für den Finaleinzug bringt, blieb gelassen. «Es hat alles zusammengepasst», freute sich Trainer Heiko Grimm, der betont haben wollte: «Wir haben dieses Kunststück geschafft, weil wir in den letzten Wochen alle eng zusammengerückt sind. Wir sind mit sehr viel Selbstvertrauen und entsprechend gelassen in diese Partie gestiegen. Jeder hat seinen Job so perfekt erfüllt, wie ich es erwartet habe.» Kleines Beispiel gefällig? Kriens hat mit Paul Bar einen Topgoalie, der Winterthurs Altmeister Arunas Vaskevicius in jeder Beziehung ausstach. Aber Kriens hatte auch eine Nummer 2 auf dieser Position. Andi Portmann stand genau zweimal für wenige Sekunden im Gehäuse, um zwei gegnerische Strafwürfe zu entschärfen – tat er mit Glanz und Gloria.

Beim HCK fügen sich die Puzzleteilchen immer besser ineinander. Man beginnt Peter Schramm zu vertrauen. Der sagte schon zu Beginn dieses Handballjahres: «Ja, wir schaffen das.» Nächster Schritt auf diesem schönen Weg: morgen Abend um 18 Uhr in der Maihofhalle in Luzern. Kriens freut sich, seine Meisterform zu präsentieren.

Halbfinals (Best of 5)

1. Runde: Kadetten-Schaffhausen (1.) – Wacker Thun (4.) 30:20. Pfadi Winterthur (2.) – Kriens-Luzern (3.) 21:30.

 

Winterthur – Kriens-Luzern 21:30 (10:12)

1100 Zuschauer. – SR Sager/Styger.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Pfadi Winterthur, 5-mal 2 Minuten inklusive Disqualifikation (Schramm) gegen Kriens-Luzern.

Pfadi Winterthur: Vaskevicius (31. bis 46. Schulz); Filip Maros (1), Hess (2), Langerhuus (1/1), Sidorowicz (5), Lier (3), Vernier, Kaduz (2), Jud (4), Scheuner (2), Freivogel, Svajlen (1).

Kriens-Luzern: Bar (1) (Portmann für 2 Penaltys); Fellmann (2), Wipf (2), Blättler (5), Spengler (7), Alili (3), Delchiappo, Baviera (1), Brücker (1), Radovanovic (1), Schramm (7).


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