Das Glück lacht für Winterthur

HANDBALL ⋅ Kriens verlor den dritten Playoff-Halbfinalfight gegen Pfadi Winterthur nur ganz knapp 25:26 (13:14). Aber aufgeben? «Sicher nicht», schwört HCK-Marathonman Daniel Fellmann.
21. April 2017, 22:41

Roland Bucher, Winterthur
sport@luzernerzeitung.ch

Es war ein Kampf auf Biegen und Brechen, und es siegte in diesem Abnützungskampf nicht der Bessere, sondern der Glücklichere – dies indes war nur ein sehr schwacher Trost für die Krienser, die sich so heroisch gegen diese Niederlage gestemmt hatten. «Wir haben alles gegeben», rekapitulierte Daniel Fellmann, der HCK-Doyen, «aber es hat nicht ganz gereicht.» Diesmal nicht: «Es ist noch gar nichts verloren», macht der Abwehrchef der Krienser der Anhängerschaft Mut, «wir werden am Sonntag die richtige Antwort parat haben.» Am Sonntag: Dann empfängt Kriens die Pfader zum vierten Spiel – und muss gewinnen. Sonst ist die Serie für Kriens vorbei, der Traum vom Pokal ausgeträumt.  

Kriens hatte sich zu Beginn einen geruhsamen Frühlingsschlaf gegönnt. Lag nach sechs Minuten 0:5, später sogar 4:10 zurück. Schien zu verzweifeln. Verzweifeln? Dieses Wort ist im HCK-Vokabular schon längst gestrichen. Taktisch wagemutig mit verschiedensten Variationen im Offensivsystem schlich sich das Team von Trainer Heiko Grimm wieder heran. Plötzlich wars wieder pari, plötzlich machte sich das Team wieder höchste Hoffnungen, den so wichtigen Auswärtssieg einzufahren. «Wir waren am Anfang nicht parat», haderte Fellmann, der bei Kriens ein 60-Minuten-Pensum mit höchster Konzentration und kleinster Fehlerquote absolvierte. «Das war ärgerlich. Aber wir haben im Anschluss an diesen Fehlstart gezeigt, dass wir nicht nur gleich gut – sondern sogar besser sind als Winterthur. Und wir werden diesen Beweis am Sonntag antreten.»

Penaltyschwäche führt zur schmerzlichen Niederlage

Nun, Winterthur weist sich auch über Klasse, Routine, Kampfkraft und Mannmuskeln aus. Der neben Schaffhausen höchstgehandelte Titelanwärter handwerkelte sich schliesslich zu einem Sieg, der erzittert war. Zu einem Sieg, der nicht unverdient war, weil Pfadi in der turbulenten Schlussphase enorme Nervenstärke zeigt – zu einem Sieg, der aber auch Kriens gebührt hätte. «Es war einfach das Glück, das am Schluss entschied», befand Fellmann. Der nicht zuletzt darauf hinwies, dass in diesen ersten drei Partien jedes Mal der Goalie die entscheidende Rolle spielte: Am Sonntag also in der Krauerhalle (17 Uhr) sollen es Bar und Portmann, die indes gestern alles andere als nicht gut parierten, richten. Protagonist werden auch dannzumal Radovanovic, der mit Ausnahme schwacher Penalty-Nerven stark auftrumpfte, sowie Blättler sein: Der Linksflügel-Irrwisch überzeugte einmal mehr mit einer perfekten Chancenauswertung. Diese Tore – und diese Überzeugungskraft des Youngsters – wird der HCK in Spiel Nummer 4 dringend benötigen.

Ein bisschen regenerieren, den Kopf durchlüften sollen seine Spieler, erklärte Grimm, und: Es sei keine Frage, dass Kriens am Sonntag parat sein werde, noch ein fünftes Spiel zu erzwingen. Parat auch in den ersten zehn Minuten, parat, Penalty-Möglichkeiten konsequent zu verwerten. Auch gestern sündigte das Team wieder mit zwei Fehlschüssen aus der komfortabelsten aller Abschlusspositionen. Und büsste dafür bitter. Das soll nicht noch einmal passieren. Damit der ganz grosse Traum, der Marsch in den Final, doch noch neue Hoffnung bekommt.

NLA, Playoff-Halbfinals

Best of 5. 3. Runde: Pfadi Winterthur – Kriens-Luzern 26:25; Stand 2:1. Kadetten Schaffhausen – Wacker Thun x:x; x:x.
4. Runde. Sonntag, 17.00 Uhr: Kriens-Luzern – Pfadi Winterthur (Krauerhalle).

Winterthur – Kriens-Luzern 26:25 (14:13)
1450 Zuschauer. – SR Bernet/Wick.
Strafen: 6-mal 2 Minuten plus rote Karte (Langerhuus/36.) gegen Pfadi Winterthur, 8-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern.
Pfadi Winterthur: Schulz/Vaskevicius (für 2 Penaltys); Maros (7), Hess (2), Langerhuus (2/2), Sidorowicz (3), Lier (4/1), Vernier (1), Kuduz (3), Jud, Scheuner (3), Freivogel, Svajlen (1).
Kriens-Luzern: Bar/Portmann (18. bis 45.); Fellmann (2), Wipf, Blättler (4), Spengler (3), Alili, Baviera, Stankovic (5), Radovanovic (9/4), Schramm (2/1).
Bemerkungen: Pfadi Winterthur ohne Cédrie Tynowski, Gavranovic und Pecoraro. Kriens-Luzern ohne Hofstetter, Ramseier, Nyffenegger und Mühlebach (alle verletzt). Verschossene Penaltys: 1:2.


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