Er kämpft bis an die Schmerzgrenze

HANDBALL ⋅ Seit Saisonbeginn leidet Neuzugang David Nyffenegger an einer Knieentzündung. Das hält ihn nicht davon ab, Kriens-Luzern auf dem Feld zu helfen.

24. September 2016, 05:03

Der Krienser Sieg vor einer Woche gegen Bern Muri (27:19) war nicht unbedingt ein Spiel, an das sich die Handballfans noch lange erinnern werden. Kriens-Luzern lieferte eine taktisch überzeugende, geschlossene Mannschaftsleistung ab – nicht mehr, nicht weniger. Dennoch hat sich in diesem Spiel Bemerkenswertes zugetragen: Als bester Spieler wurde David Nyffenegger ausgezeichnet. Das ist insofern speziell, weil Nyffenegger seit Saisonbeginn an einer Entzündung im rechten Knie leidet und gegen die Berner nur in der Deckung eingesetzt wurde, um sein Knie nicht überzustrapazieren. «Das sagt eigentlich alles über seine Qualitäten», lobt sein Trainer Heiko Grimm.

Die aufopferungsvolle Hingabe als Teamplayer ist wohl einer der Gründe, warum die Zentralschweizer den 30-jährigen Rückraumspieler im Sommer mit einem Zweijahresvertrag zurück nach Luzern geholt haben. Nyffenegger ist ein athletischer, talentierter Handballer mit geschultem Auge und gutem Umschaltspiel. Aber eben auch ein Kämpferherz, das sich stets in den Dienst der Mannschaft stellt. «Ich versuche, mein Bestes für das Team zu geben. Auch wenn es manchmal wehtut», sagt der 1,92 m grosse Sportler, der in Huttwil aufgewachsen ist und als Architekt in Luzern arbeitet.

Erst jetzt kommen die schwierigen Spiele

Die Knieschmerzen plagen Nyffenegger seit Wochen. Um das Gelenk zu schonen, verzichtete er zuletzt auf die Trainings und stand nur für die Spiele zur Verfügung. Sein Einsatz war auch darum wichtig, weil die beiden linken Rückraumspieler Peter Schramm und Luca Spengler mit Muskelverletzungen ausfielen. Mit einer vom Arzt angeordneten Eigenblut-Therapie versucht Nyffenegger, die Entzündung in den Griff zu kriegen. Dabei wird ihm Blut entnommen und dieses ins Kniegelenk gespritzt. Doch am Mittwoch gegen Pfadi Winterthur (25:29) waren die Schmerzen so gross, dass er bereits in der Anfangsphase das Feld verlassen musste. «Ich hoffe, dass die Therapie anschlägt und dass ich bald wieder beschwerdefrei bin», sagt er.

David Nyffenegger bestreitet bereits seine 10. Saison in der NLA. Er spielte für Kriens, Suhr und Bern Muri, wo er Teamcaptain war. Im Sommer kehrte er von Bern in die Zentralschweiz zurück. Einerseits ist Luzern sein beruflicher und privater Lebensmittelpunkt. Anderseits haben es ihm die Perspektiven des Vereins angetan. «Kriens-Luzern hat hohe Ambitionen, Ziel sind die Top 4 und damit die Playoffs», sagt Nyffenegger. «Das Team will etwas erreichen, und das ist es, was letztlich zählt.» Die Klubverantwortlichen ihrerseits hoffen, dass Nyffenegger mit seiner langjährigen Erfahrung einen Beitrag zur Entwicklung der Mannschaft leisten kann. «Dank meiner Routine bringe ich eine gewisse Gelassenheit mit», so Nyffenegger. Trainer Grimm sagte schon vor dem Saisonstart: «David wird uns in der Deckung weiter stabilisieren und bringt in der Angriffsentwicklung zusätzliche Möglichkeiten.»

Zuerst muss Nyffenegger aber wieder voll fit werden. Der Saisonbeginn gegen das Topteam Kadetten Schaffhausen sei zwar geglückt, «aber erst jetzt kommen die schweren Spiele». Damit meint er die Gegner, die auf dem Papier schwächer einzustufen sind als die Krienser. «Jetzt dürfen wir nicht, jetzt müssen wir gewinnen. Das erhöht den Druck.»

Einer dieser Gegner ist morgen (16 Uhr, Krauerhalle) Fortitudo Gossau, das alle bisherigen fünf Spiele verloren hat. Doch Nyffen­egger lässt sich nicht vom letzten Tabellenrang der St. Galler täuschen. «Die Liga ist sehr ausgeglichen, es gibt keine leichten Gegner mehr.» Ob Nyffenegger gegen Gossau dabei sein wird, will er erst am Spieltag entscheiden. Sollte das Knie mitmachen, wird er beherzt kämpfen – ganz im Dienst der Mannschaft.

Sven Areggersven.aregger@luzernerzeitung.ch


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