Jäger müssen noch Hirschkühe schiessen

KANTON URI ⋅ 251 Hirsche wurden bei der diesjährigen Hochwildjagd erlegt. Das sind 21 mehr als im Vorjahr. Bruno Planzer, Präsident des Urner Jägervereins, zieht eine positive Bilanz. Trotzdem findet eine Nachjagd statt.

19. Oktober 2016, 13:27

600 Jägerinnen und Jäger begaben sich in diesem Jahr im Kanton Uri für die Hochwild- und Rehjagd auf die Pirsch. Die Teilnehmerzahl bewegt sich im Rahmen der Vorjahre, «stark in der Unterzahl sind nach wie vor die Frauen», sagt Bruno Planzer, Präsident des Urner Jägervereins. Es seien jeweils vier bis fünf Jägerinnen. «Wir hätten gerne mehr Frauen dabei», sagt Planzer mit einem Schmunzeln.

Wenig nachgefragt wird das 2012 eingeführte Gästepatent. Nur drei Jäger machten davon Gebrauch. «Lösen können das Patent nur auswärtige Jäger, bei denen zu Hause auch das Gegenrecht gilt; also nur dann, wenn Urner Jäger im betreffenden Ort auch als Gast jagen können», erklärt Planzer. Er ist überzeugt, dass in Uri mehr Gästepatente gelöst würden, gäbe es diese Klausel nicht.

Der Luchs verringert den Bestand bei den Rehen

Der Start zur Hochwildjagd war in diesem Jahr etwas harzig. «An den ersten drei Jagdtagen war es zu heiss», blickt Planzer zurück. «Das Gämswild war hoch oben, und auch die Hirsche zeigten sich nicht.» Entsprechend mager fiel die Beute zu Beginn aus. Doch das änderte sich in den nächsten Tagen. Alles in allem zieht Planzer daher eine positive Bilanz. Beim Hirschwild ist der Bestand zunehmend. Die Zahlen der Gämsen hingegen stagnieren oder sind abnehmend. Schuld am Rückgang seien einerseits der Wintertourismus und anderseits die grösser werdenden Luchspopulationen, so Planzer. Insbesondere zwischen Erstfeld und Göschenen mache der Luchs auch dem Rehwild zu schaffen. Der Bestand wurde stark verringert.

Besonders war in diesem Jahr, dass an den letzten drei Tagen Hirschkühe und -kälber gejagt werden durften. «Das war ein Novum», so Planzer. «Damit will man die Nachjagd verkürzen.» Das Ziel sei aber nicht ganz erreicht worden.

Die Hochwildjagd endete am 24. September. Dabei konnten Hirsche, Gämsen und Murmeltiere erlegt werden. Die Rehjagd ging gestern zu Ende. Da das Hirschwild der Wildhut vorgewiesen werden muss, liegen die Abschusszahlen bereits vor. Insgesamt wurden während der Hochwildjagd im Kanton Uri 251 Hirsche erlegt. Dies sind insgesamt 21 Tiere mehr als 2015.

Zwischen Seelisberg und Attinghausen wurden 43 Hirsche erlegt. Von Sisikon bis Schattdorf und im Schächental waren es 74 Hirsche. 98 Hirsche wurden von Erstfeld bis Göschenen erlegt. Im Urserntal schliesslich waren es 36 Hirsche.

Die Abschusskarten sind noch nicht ausgewertet

Hingegen können die konkreten Zahlen der geschossenen Gämsen und Rehe aktuell noch nicht beziffert werden. «Die Jäger müssen ihre entsprechenden Abschüsse nicht vorweisen, sondern tragen diese auf einer Abschusskarte ein», erklärt der Urner Jagdverwalter Josef Walker. Die Abschusskarten der Hochwildjagd wurden Ende September eingereicht und sind noch nicht ausgewertet. Bei der Rehjagd müssen diese Abschusskarten erst gegen Ende Oktober eingereicht werden.

Bei den Hirschen werden aufgrund der Entwicklungen der Bestände und Wildschäden pro Region Sollabschusszahlen definiert. «Es gilt dabei auch der Grundsatz, dass in etwa gleich viele weibliche wie männliche Hirsche erlegt werden sollen», so Walker. Werden diese Abschusszahlen während der Hochwildjagd nicht erreicht, wird im November eine Nachjagd durchgeführt auf das Kahlwild, das sind weibliche Tiere und Jungwild ohne Geweih. «Diese Nachjagd führt man durch, damit der Hirschbestand nachhaltig reguliert werden kann und die Tiere im Schutzwald und in der Landwirtschaft nicht zu viele Schäden machen», erklärt Walker. «Das betrifft insbesondere den Verbiss von Jungbäumen und Äsung sowie Trittschäden im Wiesland.» Zudem könne man damit auch grösseres Wintersterben der Hirschbestände im viel kleineren Winterlebensraum vermeiden. Die Nachjagd findet im November statt, weil die Hirsche dann im Wintereinstand sind. «Hier machen sie zwar auch Schäden, können aber einfacher und effizienter bejagt werden», so Walker.

Und in diesen Gebieten müssen in der Nachjagd noch über zwei Dutzend weibliche Hirsche geschossen werden:

Zwischen Seelisberg und Attinghausen (Region 1) wurden 11 weibliche Hirsche weniger erlegt, als das Abschussziel vorgab. In diesem Gebiet wird daher eine Nachjagd stattfinden, wobei auch das partielle eidgenössische Jagdbanngebiet Urirotstock für die Jagd geöffnet ist.

Von Sisikon bis Schattdorf und im Schächental (Region 2) wurden die Abschussziele beinahe erreicht. Hier ist die Nachjagd nur noch im Gemeindegebiet Sisikon vorgesehen, bis mindestens ein weiblicher Hirsch erlegt wird.

Von Erstfeld bis Göschenen (Region 3) sollen während der Nachjagd noch 14 weibliche Tiere erlegt werden, wobei auch hier das partielle eidgenössische Jagdbanngebiet Fellital geöffnet sein wird.

Im Urserntal (Region 4) sollen während der Nachjagd möglichst viele weibliche Hirsche geschossen werden. «Dies vor allem, weil der Schutzwald in Ursern eine äusserst wichtige Rolle spielt», erklärt Walker.

Die Nachjagd auf weibliche Hirsche beginnt – sofern das Wetter mitmacht – am 5. November und wird jeweils am Mittwoch und Samstag fortgesetzt, bis das Ziel erreicht ist.

Markus Zwyssigmarkus.zwyssig@urnerzeitung.ch


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