Paul Bar, der Gambler-Goalie

HANDBALL ⋅ Kriens möchte in der Finalrunde mindestens noch auf Rang 3 hüpfen. Mit einem Sieg heute (20 Uhr, Krauerhalle) gegen Thun wäre ein grosser Schritt getan. Dazu braucht es aber einen Torhüter in Topform.
15. März 2017, 06:43

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Seine Abwehrquote am Samstag beim 31:26-Sieg gegen Bern war enorm hoch, fast 52 Prozent, so hoch, dass sie für den HC Kriens-Luzern definitiv die Playoff-Qualifikation in Stein meisselte. Das Defensivgehabe eines Handballgoalies ist die eine, die wesentliche Seite, die andere indes gewinnt immer mehr an Bedeutung: antizipieren, rasant die Gegenstösse einleiten, ja – sogar Tore werfen.

Paul Bar (27), der polnisch-deutsche Doppelbürger beim HC Kriens-Luzern, verkörpert den Prototyp eines modernen Torstehers. «Paul ist ein Torwart», lobt Heiko Grimm, sein Trainer, «der mitdenkt, die Spielsituationen cool analysiert.» Wissen muss man, dass der von GC Amicitia zu Beginn dieser Saison zu Kriens gestossene 1,88-Meter-Mann (95 Kilogramm) bis im Alter von 18 Jahren als Feldspieler im linken Rückraum eine Handballkarriere anstrebte. «Man sieht, dass Paul wurftechnisch sehr gut ausgebildet ist», erläutert Grimm, «er hat den womöglich schärfsten Schuss der ganzen Mannschaft ...»

Vor allem aber: Bar hat sehr schnell die Lehren aus veränderten Handballregeln mit neuen taktischen Möglichkeiten (siebter Feldspieler für den Torwart) gezogen und nützt jede Gelegenheit, das verwaiste gegnerische Gehäuse aus weiter Distanz unter Beschuss zu nehmen. «Er ist ein richtiger Gambler», verweist Grimm auf einen sportlichen Charakterzug seines Keepers, der nichts anderes als die Aufgabe habe, «auch mit flink inszenierten, zentimetergenauen Gegenstosszuspielen auf Spezialisten wie Blättler oder Brücker Tempo zu machen». Diese Taktik behage ihm, betont Paul Bar: «Das war auch ein Grund, weshalb ich den Wechsel nach Kriens vorgenommen habe.» Die andere Antriebsfeder: «Die Perspektiven hier in Kriens sind enorm gross. Ich bin sicher, dass wir zusammen etwas Grosses erreichen können.»

«Wir haben eine Rechnung offen»

Auch dank Paul Bar, dem Gambler-Goalie. Der ist indes, wenn er seine Sporttasche im aargauischen Dietwil in die Ecke stellt, nichts anderes als ein fürsorglicher Familienvater. Seit einigen Wochen ist er der stolze Vater einer kleinen Rebecca, und beschlossene Sache ist, dass die junge Familie Ende April in eine Wohnung in Horw einzieht – um noch näher an der handballerischen Wirkungsstätte zu sein: «Der HC Kriens-Luzern ist meine Zukunft», betont der im Informatikbereich einen 90-Prozent-Job ausübende HCK-Schlussmann, «hier gefällt es mir, hier fühlt sich meine Familie wohl.»

Die Zukunft aber, die beginnt heute. Kriens macht keinen Hehl aus der Absicht, in der Finalrundentabelle noch einen Hupf auf Rang 3 zu machen – um wenn immer möglich im Playoff-Halbfinal Serienmeister Schaffhausen auszuweichen. «Dass wir topmotiviert und sehr hungrig in dieses Spiel steigen», sagt Paul Bar, das habe durchaus auch noch einen anderen Grund: «Wir haben beim Finalrundenauftakt in Thun ziemlich kläglich verloren. Da haben wir noch eine Rechnung offen, diese Scharte wollen wir auswetzen.»

 


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