Retourkutsche für Kriens

HANDBALL ⋅ Kriens verschläft im zweiten Playoff-Halbfinalspiel die erste Halbzeit völlig und unterliegt Pfadi Winterthur 20:23 (8:16). Doch Trainer Heiko Grimm glaubt nach wie vor an sein Team und die Finalqualifikation.
18. April 2017, 05:00

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Es waren umgekehrte Vorzeichen. In Winterthur hatte Kriens frei von der Leber aufgespielt, ­einen sagenhaften 30:21-Sieg eingefahren. Diesmal zögerte der HCK. Wirkte gehemmt, verhedderte sich in jenen Automatismen, die am Samstag beim Auftakttriumph Rädchen für Rädchen ineinandergegriffen hatten. Warum?

Winterthur provozierte den Umschwung mit einer unerhörten Kampfbereitschaft. «Wir haben uns kritisch hinterfragt», gestand Kreisläufer-Urgestein Marcel Hess, «und sind ohne längere Diskussion zur Erkenntnis gekommen: Das war nicht jenes Pfadi, wie man es kennt.» Gestern zeigte Winterthur wieder breite Schultern: «Wir waren von der ersten Sekunde an parat, wir waren bereit, in die Duelle zu steigen, auch dort zu stehen, wo es im Zweikampf wehtun kann.»

Überragender Pfadi-Goalie

Parat – das war Kriens nicht. Nach einer Viertelstunde lag die Mannschaft von Heiko Grimm schon 4:8 hinten. Vieles, was am Samstag grossherzig angepackt worden war, gedieh diesmal halbbatzig. «Wir haben die erste Halbzeit schlicht und einfach verschlafen», befand Heiko Grimm. Winterthur brach die Krienser Gegenstoss-Lanze konsequent, konzentrierte sich auf die Neutralisation der Krienser Topwerfer Spengler und Schramm und hatte in Matias Schulz einen überragenden Goalie.

Erschwerend kam für ein früh irritiertes, am Kreis und auf den Flügelpositionen mässig besetztes Kriens dazu, dass Aleksandar Radovanovic, der Topskorer, angeschlagen ins Spiel stieg und nie auf Touren kam. Dass ausgerechnet er, humpelnd, beim Stande von 18:21 jenen Penalty verwarf, der doch noch einmal die Wende hätte herbeiführen können – das war irgendwie bezeichnend. Auch für eine gewisse Unsicherheit, die sich nach dem frühen Rückstand im Krienser Staff eingeschlichen hatte.

«Wir werden richtig reagieren»

So trug Pfadi, vor allem im Rückraum breiter abgestützt und mit wesentlich grösserem Tempo auftretend, das Re-Break ruhig, sorgsam, stilsicher über die Distanz. Auch wenn am Schluss noch einmal Hektik und leises Hoffen für Kriens aufkam: ernsthaft hatten die Gäste nie zu bangen. Was ihn zuversichtlich stimme, betonte Heiko Grimm, sei, dass «wir uns nie hängen liessen». Das spreche für seine Truppe, die intakte Moral, für das Wissen, auch Unmögliches doch noch schaffen zu können. «Wir reisen am Freitag nach Winterthur und werden unserem Gegner die Hölle wieder heiss machen», verspricht der Chef und scherzt: «Wenn jedes Mal das Auswärtsteam gewinnt, dann haben wir ja am Schluss die Nase vorne …»

Ganz so einfach wird das Unterfangen, ein titelambitioniertes Winterthur noch einmal aus der Spur zu stossen, indes nicht. Bei Kriens war auch gestern offensichtlich, dass in heiklen Situationen die ruhige, besonnene Chefperson auf dem Spielfeld fehlt. «Wir haben Dampf gemacht», repliziert Hess, «und damit ist Kriens nie so richtig zurechtgekommen.» Aber es stehe jetzt remis, und es sei unschwer zu erkennen, wie nahe sich die beiden Teams sind. «Es ist alles offen», sagt Hess. Und meint dies mehr als nur hoffärtig gegenüber dem HCK. Am Freitag geht’s in die dritte Runde. Um es mit Heiko Grimms Worten zu sagen: mit «Auswärtsvorteil» für den HC Kriens-Luzern.

Kriens-Luzern – Winterthur 20:23 (8:16)

1200 Zuschauer. – SR Buache/Meyer.

Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 5-mal 2 Minuten inklusive Disqualifikation (Kuduz/44.) gegen Pfadi Winterthur.

Kriens-Luzern: Bar/Portmann (24. bis 30.); Fellmann, Wipf (1), Blättler (3), Spengler (4), Alili (1), Delchiappo, Baviera (1), Brücker, Stankovic (4/1), Radovanovic (1/1), Schramm (5).

Pfadi Winterthur: Schulz; Maros (5), Joël Tynowski, Hess (4), Langerhuus (2), Sidorowicz (2), Lier (6/4), Vernier, Kuduz (1), Jud, Scheuner (2), Freivogel, Svajlen (1).

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Hostettler, Ramseier, Nyffenegger und Mühlebach. Pfadi Winterthur ohne Cédrie Tynowski und Gavranovic (alle verletzt). Verschossene Penaltys: 3:1.

NLA, Playoff-Halbfinals

Best of 5. 2. Runde: Wacker Thun (4. der Qualifikation) – Kadetten Schaffhausen (1.) 29:30 (25:25, 21:21, 8:11) n. 2. V.; Stand 0:2. Kriens-Luzern (3.) – Pfadi Winterthur (2.) 20:23 (8:16); Stand 1:1.

3. Runde. Freitag, 19.30 Uhr: Pfadi Winterthur – Kriens-Luzern. – 20.45 Uhr: Kadetten Schaffhausen – Wacker Thun.


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