Zauberwort heisst Gelassenheit

HANDBALL ⋅ Der HC Kriens-Luzern bricht auf, Geschichte zu schreiben. Meister zu werden. Heute geht’s zu Pfadi Winterthur (17 Uhr). HCK-Trainer Heiko Grimm glaubt daran, die grosse Überraschung zu schaffen.
15. April 2017, 10:02

Interview: Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Heiko Grimm, es gibt im Zusammenhang mit diesem Playoff-Halbfinal eine kleine schöne Geschichte, in welcher Ihre Mama eine Rolle spielt. Erzählen Sie!

Meine Mutter Angelika ist eine eher kritische Person. Als Peter Schramm vor einigen Wochen in dieser Zeitung posaunte: «Ich will mit Kriens Meister werden!», hatte sie keine Freude daran. Erst recht nicht, als wir in der Folge zwei, drei Spiele eher peinlich hoch verloren. «Ihr nehmt den Mund zu voll!», hat sie gezürnt. Aber so sind halt Mütter.

In der Momentaufnahme steht – die Einwände Ihrer Mutter in höchsten Ehren – der HC Kriens-Luzern indes genau dort, wo er hinwollte: Rang drei in der Finalrunde, Playoff-Teilnehmer, enorm in Form. Alles richtig gemacht?

Wir hatten einen Plan. Den haben wir durchgezogen. So gesehen haben wir perfekt taktiert. Aber ich weiss: Es tönt irgendwie überheblich, wenn ich mich jetzt im Nachhinein so äussere. Überheblichkeit: Das hat keinen Platz in unserem Vokabular. Und es ist nicht der Trainer, der für diesen Aufschwung allein verantwortlich ist, im Gegenteil: Die Hauptarbeit haben meine Spieler geleistet. Ich bin stolz auf diese Truppe.

Der grosse Sieg vor ein paar Tagen gegen Schaffhausen schürt Hoffnungen, formt Träume. Und Peter Schramm bleibt dabei: «Wir werden Meister!» Goalie Paul Bar, einer der Haupttrümpfe im Titelrennen, doppelt nach: «Ja, wir haben das Zeug dazu.» Die Euphorie wird irgendwie unheimlich …

Machen Sie sich keine Sorgen. Wir wissen, woher wir kommen, wir haben nicht vergessen, dass wir noch vor wenigen Wochen am Boden schienen. Meisterträume? Doch, doch: Peter und Paul sollen sie ruhig weiterpflegen.

Stemmt auch Heiko Grimm im Traum den Pokal?

Ich bin ein realistischer Mensch. Realistisch sein bedeutet, seine eigenen Grenzen zu kennen. Realistisch sein heisst aber auch: sich etwas zuzutrauen. Diesen Mix wollen wir ausloten.

Verraten Sie uns, wie Kriens im Halbfinal Pfadi Winterthur bezwingen will.

Das tue ich natürlich nicht. Wir haben Geheimnisse, wir haben Taktik gebüffelt. Nach jedem ordentlichen Training behandeln wir ein ganz spezielles Thema separat. Das macht erstens den Spielern Spass, weil es willkommene Abwechslung zum Alltag ist. Und ist zweitens auch lehrreich. Was wir exakt unter die Lupe nehmen: Das soll Winterthur nicht wissen dürfen.

Ist die Absenz von Captain und HCK-Herzstück Tom Hofstetter (Kreuzbandoperation) nach wie vor ein omnipräsentes Thema?

Nein. Erstens will Tom das gar nicht. Er ist als Captain bei fast jedem Training dabei, spornt an, redet mit den Spielern. Sein moralischer Beistand ist sehr wichtig. Und zweitens: Wir haben genug damit zu tun, die richtige Fährte zu finden, um sein Fehlen kompensieren zu können.

Da hat sich mit Albin Alili in den letzten Wochen die Schaffhauser Leihgabe ganz schön frech in den Vordergrund gedrängt. Überrascht?

Ich wiederhole mich: Wir hatten einen Plan. Auch im Zusammenhang mit der Integration von Albin. Wir haben ihm Zeit gelassen. Wir haben schnell gespürt, was er an Potenzial birgt. Jetzt ist er so weit, dass er uns helfen kann. Ich freue mich für ihn, dass er so prächtig in Form gekommen ist. Aber vergessen wir nicht: Er ist 20 Jahre jung, er wird auch wieder weniger prächtige Spiele als gegen Schaffhausen und Bern zeigen. Wir werden das auffangen. Als verschworene Einheit. «Zusammenhalten», das ist eine meiner wichtigen Botschaften.

Sie waren fast drei Saisons lang als Mittelaufbauer eine dominante Spielerpersönlichkeit bei Pfadi. Haben Sie noch Kontakte nach Winterthur?

Kaum noch. Wenn man jeden geknüpften Kontakt weiterpflegt, hängt man den ganzen Tag am Handy. Das kann und will ich mir nicht leisten (lacht). Mit Marcel Hess oder Michael Svaijlen gibt es aber schon noch hie und da Small Talk. In diesen Tagen aber eher nicht …

Und mit Adrian Brüngger, dem Trainer?

Er ist wie ich im Training unnachgiebig. Er trainiert mit seinen Leuten viel, intensiv, hart, streng. Und wir haben eine weitere Gemeinsamkeit: Adrian und ich stehen für Kontinuität.

Sie warfen das Stichwort Zusammenhalt in den Raum. Das Schlüsselwort für starkes Playoff-Auftreten?

Ein wesentlicher Faktor. Unser Zauberwort aber lautet anders, heisst Gelassenheit. Ich spüre, wie unser Selbstvertrauen in den letzten zwei Wochen sprunghaft gestiegen ist: Das lässt uns gelassen, mit viel Spass und mit schönen Erfolgsaussichten in den Halbfinal steigen.

Eine letzte Frage: Glauben Sie wirklich an den Meistertitel?

Ich wäre kein vertrauenswürdiger Chef, wenn ich jetzt Nein sagen würde.

Hinweis

Für das erste Halbfinal-Heimspiel vom Ostermontag gegen Pfadi Winterthur (Maihof, 18 Uhr) wird ein grosser Ansturm der HCK-Fans erwartet. Reservieren Sie sich Ihr Ticket bereits im Vorfeld unter: www.hckriens-luzern.ch

Halbfinals (best of 5)

Heute, 17 Uhr, Eulachhalle: Pfadi Winterthur – Kriens-Luzern. – Weitere Spiele: Ostermontag, 18 Uhr, Maihofhalle, Kriens-Luzern – Pfadi Winterthur. – Freitag, 21. April, 19.30 Uhr: Pfadi Winterthur – Kriens-Luzern. – Evtl. 4. Spiel, Sonntag, 23. April. – Evtl. 5. Spiel, Mittwoch 26. April

Heute,19.30 Uhr: Kadetten Schaffhausen – Wacker Thun. – Weitere Spiele: Ostermontag, 17 Uhr: Wacker Thun – Kadetten Schaffhausen. – Donnerstag, 20 Uhr: Kadetten –Wacker Thun. – Evtl. 4. Spiel, Sonntag, 23. April. – Evtl. 5. Spiel, Mittwoch, 26. April.


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