Das grosse Spiel von Albin Alili

HANDBALL ⋅ Kriens-Luzern wächst über sich hinaus, ringt Meister Schaffhausen in einer begeisternden Partie mit 26:23 nieder. Mann des Abends: Albin Alili – ausgerechnet der ausgeliehene Kadette.
03. Dezember 2017, 07:29

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Alili gegen alle, könnte man, ein bisschen salopp formuliert, behaupten. Albin Alili (22) warf acht Tore, fädelte für seine Neben­leute Torchancen ein, verteidigte ­rigoros. Alili war der Mann des Abends. Natürlich war es nicht Alili allein, der Schaffhausen, den kriselnden Branchenleader, in die Knie zwang. Da war Paul Bar, der vielleicht konstanteste Liga-Keeper mit sagenhaften 42 Abwehrprozenten, da war Luca Engler, der in dieser Verfassung sämtliche Diskussionen über Zuzüge auf der rechten Rückraumposition ad absurdum stellt, da war Adrian Blättler, der Jungspund, der … davon später.

Und da war eine unerhört kompakte Equipe, vor der ihr Trainer, Heiko Grimm, den Hut zog: «Ich bin stolz. Wir haben heute gezeigt, was man mit Teamspirit erreichen kann. Wir sind wieder ganz nahe zusammengerückt. Das ist der Schlüssel zum Erfolg.» Es war aber auch ein grossartiges Publikum, das in der ersten Halbzeit grosszügig, später grossartig, am Schluss grossherzig unterstützte. «Es macht Spass, in Kriens Handball zu spielen.»

Die Geschichte um Albin Alili, den Schlaks, den Phlegmatiker mit dem instinktiven Wissen um den exakten Moment für den Torschuss, kennt eine Fortsetzung. Der 1,97-Meter-Mann ist ja von den Schaffhausern nur ausgeliehen. An Kriens, weil er hier endlich die ihm gebührenden Spielanteile erhält. Der bedankt sich in letzter Zeit dafür artig, setzt enorme Akzente. Auf der Tribüne staunte David Graubner, eine Legende des Schweizer Handballs und inzwischen zum sportlichen Chef der Kadetten aufgestiegen: «Was er heute zeigt, ist wirklich bemerkenswert. Aber das erstaunt mich nicht: Immer, wenn er gegen uns auftritt, zieht er alle Register.»

Darf Alili bleiben?

Alilis Leihvertrag beim HCK läuft Ende dieser Saison aus. Darf er bei Kriens bleiben? Graubner will diese Akte so bald wie möglich und wohl noch vor der Weihnachtspause mit Kriens-General Nick Christen erledigen: «Es ist alles möglich.» Alili selber hält sich ebenfalls zurück: «Ich entscheide nicht alleine, wie meine Zukunft aussieht.» Aber er könne sich vorstellen, eine weitere Saison in der Innerschweiz anzuhängen, definitiv zu einem Leistungsträger aufzusteigen. Doch das war in diesen Minuten nach diesem grossen Sieg gegen Schaffhausen sekundär: «Wir geniessen den Moment. Wir sind sehr diszipliniert aufgetreten.» Der Schlüssel liege im Defensivverhalten: «Wir haben keinen Zweikampf gescheut, auch wenn er schmerzte. Und: Es hat sich gelohnt.»

Es ist jetzt bei den Handballern die Zeit der Transfergespräche und Spekulationen, und in den Radar der Schaffhauser tänzelte gestern auch Adi Blättler. «Er ist ein starker, interessanter Linksflügel», sagt Graubner, der nicht im Hinblick auf die nächste Saison, aber für die mittelfristige Zukunft eine Nachfolgeregelung für Manuel Liniger zu treffen hat. Blättler und sein Tempohandball machten gestern einfach Spass. Auch deshalb standen die Fans am Schluss auf den Bänken. Weil sie spürten: Kriens ist wieder wer. Ist, nach dem gestrigen Auftritt zu interpretieren, durchaus ohne Übertreibung zu bemerken.

Kriens – Kadetten 26:23 (10:8)

700 Zuschauer. – SR Brunner/Salah. – Strafen: 6-mal 2 Minuten gegen Kriens-Luzern, 6-mal 2 Minuten inklusive Disqualifikation (Meister/55.) gegen Kadetten Schaffhausen.

Kriens-Luzern: Bar/Willimann (für 1 Penalty); Fellmann (1), Wipf (1), Blättler (6/2), Engler (6), Vögtli (2), Oertli, Alili (8), Brücker, Schramm (2).

Kadetten Schaffhausen: Stevanovic; Meister (1), Delhees (2), Pendic (4/2), Gerbl, Zehnder (2), Norouzi (4), Szyba (1), Koch (2), Ostruschko (2), Tominec (5/3).

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Hofstetter, Spengler, Nyffenegger, Radovanovic und Ramseier. Kadetten Schaffhausen ohne Cvijetic, Küttel, Maros, Brännberger, Csaszar, Markovic und Liniger (alle verletzt). Verschossene Penaltys: 0:3.


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