Eine andere Handball-Dimension

HANDBALL ⋅ Ein Handballfest war es kaum: Kriens-Luzern war im Achtelfinal-Hinspiel des EHF-Cups gegen Holstebro zu krass unterlegen, verlor 16:27. Aber es war eine schöne Plattform für die Abschiedsparty von Boris Stankovic.
08. Oktober 2017, 04:38

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Als Boris Stankovic (37) nach 20 Minuten erstmals das Spielfeld betrat, brauste spontan-stürmischer Applaus auf. Ihn, den Dauerbrenner mit zehn Saisons im Sold des HC Kriens-Luzern, wird man nie vergessen. «Es war ein schöner Augenblick, wie mich die Fans beim Comeback begrüsst haben», bedankte sich der Serbe artig. Es wird eine Kurz­visite bleiben: «Priorität haben meine Familie und der Beruf.» Wenn der HCK am Mittwoch das wichtige Meisterschafts-Auswärtsspiel gegen Endingen bestreitet – «dann hüte ich zu Hause meinen Sohn Luca. Sorry.»

Natürlich konnte auch Stankovic, der mit 42 Treffern erfolgreichste HCK-Europacupskorer, nichts daran ändern, dass Kriens gestern – nein, nicht gerade Kanonenfutter – aber doch ein ­krasser Underdog war. «Das ist eine andere Handballwelt», sagte der Handball-Pensionär. «Machen wir uns nichts vor: An so was kommen wir einfach nie ran.» Immerhin durfte Stankovic zur Ehrenrettung seiner Truppe nachschieben, dass «wir kurz nach der Pause mit 17 Treffern hinten lagen, aber in der Schlussphase Moral und Stolz gezeigt und noch ein bisschen aufgeholt haben. Das war versöhnlich, oder?»

Athletik, Tempo und Spielwitz bei den Dänen

Ja, es war ein bisschen Balsam für die HCK-Seele, auch für die Fans des Vereins. Die beschworen trotz des sehr früh sehr klaren Verdikts in der Maihofhalle eine prächtige Stimmung herauf, spornten an, honorierten jede vernünftige ­Aktion, zeigten sich am Schluss durchaus glücklich und bekundeten dies mit kräftigem Applaus. Der HCK darf sich durchaus fragen, ob er seine wichtigen Spiele nicht noch regelmässiger in der Luzerner Maihofhalle austragen soll, wo sich Krienser und Luzerner Publikum gut durchmischt und sich gestern bei der Gala der Dänen auch viel Handball-Sachverstand zu erkennen gab.

Holstebro: Das war eine Handball-Demonstration, das war ein Spiel mit anderen Dimensionen. Gewitzt, tempostark, athletisch: «Es war ein Anschauungsunterricht», meinte HCK-Trainer Heiko Grimm anerkennend und fügte an: «Vielleicht haben meine Leute heute erkannt, wie weit wir noch vom hohen Handballstandard entfernt sind.» Und dabei sei Holstebro ja nicht mehr und nicht weniger als «internationaler Durchschnitt». Grimm drehte seinen Jungs indes keinen Strick und wollte betont haben: «Sie ­haben das getan, was ich gefordert habe – kämpfen, alles geben.» Das war viel zu wenig.

Bar und Alili mit guten Auftritten

Als Bergerud, der norwegische Nationalgoalie und einer der weltweit Besten seines Faches, seine Pflicht getan hatte, lag Holstebro schon mit zehn Toren voran. Dass Kriens-Luzern nicht völlig demontiert wurde, hatte es vor allem zwei Akteuren zu verdanken: Goalie Paul Bar parierte einmal mehr äusserst zuverlässig und kam, einmal warm geschossen, durchaus nahe an Bergeruds Künste heran. Und ­Albin Alili (22), der 1,98-Meter-Mann im HCK-Aufbau, zeigte, weshalb er als eines der grössten Talente in der Schweiz gehandelt wird. «Wir hatten keine Chance gegen diese Dänen», anerkannte er, «aber ganz schlecht gewehrt haben wir uns nicht.» Alili warf sechs Tore, zufrieden war er mit seinen individuellen Taten indes nicht: «Ich muss im Abschluss meine Fehlerquote noch verringern.»

So blieb es dabei, sich daran zu erfreuen, wie Holstebro einen Einblick in den hochstehenden Handball gewährte. Und es blieb Grimms Erkenntnis: «Wir sind mit dieser langen Absenzenliste zu schwach auf der Brust.» Aber am Mittwoch dürfe dies keine Ausrede sein. Dann geht’s gegen Endingen um wichtige Punkte im Kampf um die Finalrunde, dann wird Kriens wieder dort angekommen sein, wo es seinem Talent entspricht.

Europacup

EHF-Cup, 2. Runde, Hinspiele: Kriens-Luzern – Holstebro (DEN) 16:27. Pfadi Winterthur – Vojvodina Novi Sad 35:22 (16:12). Westwien – Wacker Thun 22:27.

Kriens-Luzern – Holstebro 16:27 (6:16)

400 Zuschauer. – SR Budzak/Zahradnik (SVK). – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Kriens, 4-mal 2 Minuten gegen Holstebro.

Kriens-Luzern: Willimann/Bar (ab 31.); Fellmann, Wipf, Blättler (1/1), Engler (1), Vögtli (1), Oertli, Alili (6/1), Stankovic (2/1), Baviera (3), Brücker (2), Delchiappo.

Holstebro: Bergerud/Gade (ab 41.); Balling (2), Birkefeldt (2), Bramming (2), Hansen, Hauskov (4), Karlsson (2), Kildelund (3), Nielsen, Östlund (2), Pedersen (1), Porup (4), Sidelmann, Svavarsson (5).

Bemerkungen: Kriens ohne Nyffenegger, Radovanovic, Hofstetter, Ramseier, Schramm (alle verletzt) und Spengler (gesperrt). – Verschossene Penaltys: 1:1.

www.

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