Goran Perkovac: «Es gibt nur eins – den Pokal»

HANDBALL ⋅ Goran Perkovac (55) wird ab 1. Juni 2018 neuer Cheftrainer beim HC Kriens-Luzern. Der kroatische Olympiasieger verrät sein Konzept, seine Ideen und Visionen. Sie tönen spannend.
24. November 2017, 08:43

Interview: Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Goran Perkovac, im nächsten Sommer werden Sie beim HC Kriens das Trainer-Zepter in die Hand nehmen. Was werden Sie anders, neu machen?

Ich will betonen: Heiko Grimm hat fünf Jahre lang bei Kriens hervorragende Arbeit geleistet, immer mit Leichtigkeit die Finalrunde oder mehr erreicht. Aber seine Mannschaft hat etwas verpasst: einen Titel. Das will ich ändern. Wer Sportler und ehrlich ist, der will nur eins: den Pokal.

Pardon, tönt sehr ambi­tioniert, um nicht zu sagen eingebildet.

Ich bin in der Schweiz für vier Mannschaften als Spieler, Spielertrainer oder Trainer im Einsatz gewesen. Ich habe mit Borba Luzern, mit Suhr, Pfadi Winterthur und Schaffhausen den Meistertitel geholt. Ich bin auch heute noch hungrig auf Erfolg und will dem HC Kriens-Luzern dieses Schönste aller Erlebnisse, das ein Mannschaftssportler geniessen kann, schenken.

Konzept, Ideen, Visionen: Erzählen Sie, legen Sie los ...

... ich will die Handballfreunde in der Innerschweiz zu einer grossen Familie schweissen. Ich will wichtige Leute aus dieser Szene, die zum Erfolg in dieser Gesamtprojektion beitragen können, ins Boot holen. Und ich will sportlich, wie erwähnt, einen Schritt weiterkommen.

Konkreter.

Ich habe beim HC Kriens-Luzern einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Die erste Saison wird als Phase des Umbruchs deklariert. Im zweiten Jahr greifen wir an. Spätestens in der dritten ­Saison wollen wir unsere Arbeit krönen.

Umbruch: Das beinhaltet immer auch den Bei­geschmack einer Kaderstraffung. Haben Sie das Schwert schon geschärft?

Fünf Spieler werden gehen müssen. Diese Blutzellenkur braucht es jetzt einfach.

Wen trifft’s?

Leute, die nicht in mein Konzept passen.

Welches lautet ...

... im Handball gewinnst du keine Spiele mehr im Infight sechs gegen sechs. Der Handball ist heute vom Tempo diktiert. Meine Handschrift wird schnell zu erkennen sein: Ich will eine sattelfeste, kompakte Abwehr, ich will den rasanten Gegenstoss, die leichten Tore. Ob aus der ersten, zweiten oder dritten Welle.

Fünf Altbewährte müssen Kriens verlassen. Wer hat die Ehre, zum Verein zu stossen?

Wir werden je einen qualitativ hochwertigen Mann für die Königsposition im linken Rück­raum sowie am Kreis rekrutieren müssen. Diese Jobs werden wir an ausländische Spieler ver­geben, welche in unserer neuen Mannschaft sowohl offensiv wie defensiv Ankermänner sein werden.

Haben die jungen Spieler bei Ihnen überhaupt Perspektiven?

Sie bilden das Gerüst meiner Philosophie. Schauen Sie: Adi Blättler, 22 Jahre jung, ist meiner Ansicht nach im Moment der beste Linksflügel in der Schweiz. Claudio Vögtli, 22 Jahre jung, geht auf der anderen Aussenposition in seinen Fussstapfen. Wer in der Innerschweiz Handball schauen geht, will sich an solchen jungen Handballern erfreuen.

Oder an Andy Schmid, den Bundesliga-Überflieger bei den Rhein-Neckar-Löwen, einer mit Luzerner Wurzeln.

In der Saison 2019/20 greifen wir an, machen den Anlauf zum Meisterpokal. Dann will ich ihn im Team. Er wäre in unserer ­Region der perfekte Botschafter für den Handball.

Das liebe Geld ...

... kann man mit viel Fleiss generieren. Ich werde mich nicht scheuen, bei Herrn Alpstaeg vorzusprechen, um ihm den Handball schmackhaft zu machen. Ich werde mich daran erinnern, dass Bankier Rémy Reichmuth einst Borbaner war. Kriens stellt in dieser Saison rund eine Million Franken für das Fanionteam zur Verfügung. Wir brauchen 1,5 Millionen Franken, um im Titelkampf konkurrenzfähig zu sein. Ich bin sicher, dass uns diese pekuniäre Aufstockung gelingt.

Wie haben Sie CEO Nick Christen davon überzeugen können, dass Sie der richtige Mann für Kriens sind?

Wir waren als Spieler zusammen in der Meisterschaft von Borba ein perfektes Duo. Daran hat er sich erinnert. Ich will nicht überheblich wirken, aber: Ich traue mir zu, diesen Verein einen Schritt weiterzubringen.

Sie sind 55 Jahre alt. Wird Kriens Ihre letzte Trainer­station sein:

Ich habe einen Traum. Es wäre wunderbar, wenn ich wie bei Borba sieben Jahre lang mit Kriens Erfolg haben dürfte. Dann wäre langsam Zeit, abzutreten. Aber, noch einmal: sicher nicht ohne einen Pokal für den HC Kriens.


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