HCK hat in St. Gallen gezittert und gejubelt

HANDBALL ⋅ Der HC Kriens-Luzern stösst dank einem 25:23-Auswärtssieg bei St. Otmar St. Gallen die Finalrunden-Tür weit auf. Aber: Heiko Grimms Team zitterte bis in die letzten Sekunden.
10. November 2017, 08:38

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch

Es war, weil in diesem Fight am Strich so viel auf dem Spiel stand, keine Handballsession mit Glamour. Im Gegenteil: Es war kratzbürstig, es war ein Nervenspiel. Mit Vorteil für den HC Kriens: Der liess sich von den aggressiven St. Gallern nie abschütteln, bündelte die letzte Kraft für den Endspurt. Den leitete nach 54 Minuten Aleksandar Radovanovic ein. Ausgerechnet dem Serben, der viele Wochen lang mit einer schweren Hirnerschütterung statt Bälle geworfen Däumchen gedreht hatte, gelang der Führungstreffer zum 21:20. Kritisch für Kriens wurde es nur noch einmal, genau 33 Sekunden vor Schluss, als Spengler beim Spielstand von 23:23 vertändelte. Doch die Ostschweizer vermochten kein Kapital zu ziehen, beantworteten Spenglers Missgeschick mit einem Gegenfehler. Albin Alili schliesslich erlöste Kriens mit dem 25:23, liess die Mannschaft jubeln.

Wie ist dieser Sieg, der im Hinblick auf den heiklen Rest der Qualifikation so vieles leichter macht, einzuordnen? Der HCK ist, weil mit Hofstetter nach wie vor die designierte Leaderfigur letzte Rekonvaleszenz absitzt, noch längst nicht an seinem Leistungsvermögen angelangt, geschweige denn dazu fähig, spielerisches Feuerwerk zu inszenieren. Aber unschwer zu erkennen ist: Das Team hat erkannt, dass der Weg in die Finalrunde über die kämpferischen Attribute führt. Es scheute gestern keinen Zweikampf, keine blauen Flecken: «Das war der Schlüssel zum Sieg», lobte Trainer Heiko Grimm. Seine Mannschaft und er hätten in den letzten Wochen viel Fett abgekriegt, «aber wir haben nach dem Sieg gegen Amicitia heute zum zweiten Mal eine starke Antwort parat gehabt.» Grimm sprach von einer «grossen Zufriedenheit», die ihn erfülle, weil trotz vieler Unkenrufe nach wie vor alle am gleichen Strang ziehen, und wer es ganz genau wissen wolle: «Wir werden weiter angreifen. Die Finalrunde ist ein primäres Ziel – aber nicht das Höchste.»

Ja, Kriens hat wieder Mut bekommen, Schlüsselspieler wie Luca Spengler (9 Tore bei 13 Versuchen) kommen wieder in die Gänge, einer wie Adrian Blättler (5/7), der Neo-Internationale, ruft sein Rendement mittlerweile in höchster Konsequenz ab. Das gibt nun doch eine gewisse Sicherheit, dass Kriens bald dort stehen wird, wo es hingehört. Knapp hinter oder sogar im Elitequartett.

So blieb am Schluss nur noch das Kompliment von Nick Christen, dem CEO des HC Kriens-Luzern, der sich «die Nerven aufgerieben» hatte und erlöst an die Mannschaft die Botschaft richtete: «Ich gratuliere. Mehr gibt’s gar nicht zu sagen.»

St. Otmar – Kriens-Luzern 23:25 (12:11)

1000 Zuschauer. – SR Capoccia/Jucker.

Strafen: 5-mal 2 Minuten gegen St. Otmar St. Gallen, 6-mal 2 Minuten gegen Endingen.

St. Otmar St. Gallen: Kindler; Hedin (4), Gwerder (2), Geisser, Gasser (1), Rauch (1), Jurilj (2), Fricker, Zdrahala (4), Wetzel, Kaiser (3/3), Milovic (3), Höning (3).

Kriens-Luzern: Bar (1. bis 23. und 58. bis 60.)/Willimann (23. bis 58.); Fellmann (1), Wipf, Blättler (5/1), Engler (2), Spengler (9), Vögtli, Alili (3), Radovanovic (1), Schramm (4).

Bemerkungen: Kriens-Luzern ohne Hofstetter und Ramseier (alle verletzt). – 45. Disqualifikation Wetzel (3-mal 2 Minuten).


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