26:26 gegen Otmar - der Wahnsinn in nackten Zahlen...

Das war der Wahnsinn, was sich der HC Kriens-Luzern und der TSV St. Otmar St. Gallen am Samstag geboten haben. Ein Spiel mit Höhen und Tiefen. Ein Spiel, in dem Härte, Kampfgeist, Torhüterparaden und Spektakel geboten wurde. Und ein Spiel, in dem beide Teams schon totgeglaubt waren, aufstanden und zurückkamen.

28. September 2014, 12:02

Ein Spiel, in dem beide Teams den Kopf aus der Schlinge zogen. Logische Konsequenz: Ein 26:26 Endergebnis, mit dem beide Teams leben können. Bei dem sich beide Teams als moralische Sieger fühlen können. Und trotzdem damit hadern, eben doch nicht gewonnen zu haben. Handball live eben...

Der «Wahnsinn» kannte an diesem Abend viele Gesichter. Eines davon waren die letzten 10 Minuten vor der Pause. Der HC Kriens-Luzern hatte mit den wachen, agilen und schnellen St. Gallern deutlich mehr Mühe als ihnen recht war. Doch sie schienen Tritt zu fassen, waren ins Spiel zurückgekommen und hatten auf 10:10 ausgeglichen. War das die Wende zum Guten? Warum auch - der Wahnsinn hätte keinen Platz gehabt. Otmar zog auf 14:10 davon. Und als Kriens am Anspielkreis stand, luchsten die Ostschweizer den Ball gleich nochmals ab, zogen auf 15:10 und 10 Sekunden vor dem Pausenpfiff sogar auf 16:10 davon. 

Unglücklich, fehlerhaft, naiv

Der HCK taumelte, schien wehrlos in den Seilen zu hangen. Unglücklich, fehlerhaft, in einigen Szenen gar naiv schlitterte das Team einer Niederlage entgegen und trottete mit Fragezeichen in den Augen in die Garderobe.
Gleich nach dem Seitenwechsel kam der HCK zwar mit viel gutem Willen, aber eben doch (noch) nicht wirklich verbessert zurück. Ein verstolperter Ball nach 8 Sekunden liess nichts Gutes erahnen, die Ostschweizer lagen wenig später mit 18:11 vorne. Das war's dann - aber nur, wenn der Wahnsinn nicht wäre.

Denn ohne Knackpunkt oder ohne ersichtlichen Grund ging ein Ruck durch das Team des HCK. Die eben noch angeknockte Equipe kam plötzlich druckvoller daher, deckte clever und nutze die «Steals» zu schnellen Gegenstössen. Jetzt war es plötzlich der Gast, der zitterte, weil er den Ertrag einer wirklich starken ersten Hälfte davonschwimmen sah.

Und tatsächlich: Waren dem HCK am Ende der ersten Halbzeit während 8 Minuten kein Tor geglückt, drehte der HCK jetzt das Spiel seinerseits mit einem brillanten Lauf. Angepeitscht vom Publikum wurde aus dem 11:18 in 10 Minuten ein 19:18. Die Halle brannte endgültig. Wahnsinn eben.

Beide Teams taumelten, aber keines fiel

St. Otmar fing sich in der Folge, fand wieder etwas Tritt und hielt dagegen. Vor diesem Hintergrund war das 26:26 am Schluss letztlich gerecht und in Ordnung. Und logisch. Beide Teams waren einmal angezählt und taumelten, aber keines fiel. Und beide Teams befreiten sich aus einer heiklen Situation, zogen den Kopf wieder aus der Schlinge. Beide Teams waren am Schluss mit dem einen Punkt zufrieden - und haderten doch mit dem Schicksal, dass sie den Sack nicht endgültig zugemacht haben.

Möglichkeiten dazu hatten beide Teams in der Schlussphase. Aber es stand eben immer auch ein Torhüter zwischen den Pfosten, die - hüben wie drüben - sehr gute Leistungen zeigten. So gesehen war «richtig», dass Peter Schramm - er war der auffälligste Krienser an diesem Abend - seinen letzten Wurf knapp im Seitennetz sah. Es hätte bedeutet: Den Wahnsinn mit (zu) viel Glück aus der Halle zu verdrängen ...

Der HCK hatte anfangs Mühe mit der Offensivleistung. 10 Tore gegen St. Otmar in 30 Minuten - das ist klar zu wenig Ertrag für den Aufwand. Klar war Otmars Goalie Martin Galia, bundesligaerprobter tschechischer Nationalgoalie, stark. Aber es waren auch die Krienser, die in vielen Szenen zögerlich den Abschluss suchten. Dass es am Schluss doch noch zu einem Punkt reichte, zeigt aber, dass das Team Charakter hat und fähig ist, sich auch in einer schlechten Phase an den Grundwerten des eigenen Könnens zu orientieren.

Und das ist doch auch eine positive Erkenntnis. Erst recht in einer Liga, in der Wahnsinn durchaus Programm ist. Denn mit Lakers Stäfa bezwang der nächste Gegner des HCK (am Mittwoch in Stäfa) Wacker Thun. Wahnsinn...

HC Kriens-Luzern - St. Otmar St. Gallen 26:26 (10:16)

Krauerhalle Kriens, 400 Zuschauer.

Spielverlauf: 0:1, 2:1, 2:2, 3:2, 3:6, 4:7, 6:7, 6:8, 8:8, 8:9. 10:10 (23.!), 10:16; 10:17, 11:18 (33.), 19;18 (42.), 22:22, 24:24, 25:26, 26:26.

HC Kriens-Luzern: Schelbert/Portmann; Fellmann (2), Mühlebach (2), Blättler (3), Spengler, Stojanovic (3/2), Baviera (1), Lima, Stankovic (3/2), Baumgartner (3), Tominec (1), Schramm (7), Hofstetter.

St. Otmar: Galia/Kindler; Pendic, Brücker, Fröhlich (3), Ryser, Wild (1), Babak (6/3), Hörler (3), Szymanski (4), Milosevic (2), Wetzel (1), Banic (2), Engels (4).

Bemerkungen: Kriens 1, Otmar 4x2 Minuten. 52. Portmann hält Penalty von Babak (22:22). 40. Stojanovic scheitert mit Penalty an Galia (16:18).
 


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