HCK erkämpft sich ein 36:36 im Europacup

HANDBALL ⋅ Gegen das dänische Spitzenteam von TVIS Holstebro kämpft sich der HCK im EHF-Cup-Rückspiel dank einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Spielhälfte zurück und erzwang in der Schlusssekunde den verdienten 36:36-Ausgleich.

18. Oktober 2014, 22:41

Am Schluss war es Luca Spengler, der nach 59.53 Spielzeit gegen TVIS Holstebro mit einem wuchtigen 1-1-Einsatz den frenetisch bejubelten Siegtreffer erzielte. Der HCK hatte sich im Rückspiel gegen TVIS Holstebro ein 36:36 geholt. Am Verdikt, dass der HC Kriens-Luzern das Europacup-Abenteuer 2014/15 beendet, ändert das Unentschieden zwar nichts. Aber es war für den HC Kriens-Luzern ein in jeder Hinsicht lehrreicher Abend.

Gegen das dänische Spitzenteam von TVIS Holstebro erkämpft sich der HCK im EHF-Cup-Rückspiel ein Unentschieden. (Bilder: HC Kriens-Luzern)

Beachtlich war dieses Ergebnis vorallem auch deshalb, weil in der Anfangsphase des Spiels der Gast aus Dänemark fast nach Belieben das Geschehen dominierte. Der HCK hatte defensiv arge Probleme, gegen die spielerisch starken, flinken Dänen ein Rezept zu finden. Fast so als ob im Europacup Defensivarbeit nicht erlaubt sei, agierten die Zentralschweizer zurückhaltend und überliessen dem Gast das Spieldiktat. So gelangen den Dänen verschiedentlich sehr leichte Tore, indem sie einfach durch die Abwehrreihen der Gastgeber «tanzten». Keeper Andreas Portmann, der mit starken Paraden dagegen hielt, konnte einem phasenweise schon fast leid tun. Umso mehr, als die Mannschaft im Angriff wie schon beim Hinspiel an der offensiven Dänen-Abwehr zu verzweifeln schien. Da war zu wenig Bewegung im Spiel, zu wenig Kreativität und nicht zuletzt auch zu wenig Überzeugungskraft, um zu vernünftigen Torchancen zu kommen. Erstaunt hat es nicht, denn das Team schien ganz offensichtlich verunsichert und auf der Suche nach Halt.

Coach Heiko Grimm fand offenbar beim Pausenstand von 14:19 die richtigen Worte. Zwei Botschaften hatte er an seine Spieler: «Haltet defensiv mehr dagegen – und nutzt in der Offensive die Räume in der offenen Abwehr unseres Gegners!»

Die Spieler verstanden die Botschaft ganz offensichtlich. Auch wenn sie vermehrt in 1-1-Aktionen den Torerfolg suchten (was in der offensiv gestellten Dänendeckung das beste Erfolgsrezept war) – der HCK drehte das Spiel mit einer Teamleistung. Denn wer auf dem Platz stand, gab Vollgas und suchte die entscheidende Aktion. Wer auf der Bank sass, pushte die Teamkollegen von der Bank aus. Es gelang, die Differenz zum Gegner zu verkürzen. Bei 32:32 gelang erstmals wieder nach 54 Minuten der Ausgleich. Jetzt tobte Holstebros Coach Klaus Bruun Jörgensen an der Seitenlinie, nahm sein Timeout und las seinem Team in deutlichen Worten die Leviten. Die Gäste gingen zwar in der Folge wieder in Front, doch der HCK liess nicht locker und feierte mit Luca Spenglers Ausgleich 4 Sekunden vor Schluss den Ausgleich.

Klar: Holstebro spulte das Pensum mehr oder weniger emotionslos herunter, dachte mehr an die Sorgen in der heimischen Meisterschaft und beherrschte die Szenerie lange Zeit. Als der HCK aber aufdrehte, konnten die Dänen irgendwann den Hebel nicht mehr umlegen. Dass sie das Unentschieden gegen den HC Kriens-Luzern als «Niederlage» empfanden, darf durchaus als Kompliment an die Gastgeber gewertet werden.
Lehrreich war beim HCK das Spiel auch deshalb, weil viel junge Spieler lange Einsatzzeiten bekamen – und das auch nutzten. Blättler (3 Tore), Lima (1), Mühlebach (1) und Weingartner machten ihre Sache gut. Sie rechtfertigten die langen Spielzeiten – und packten die Chance, wertvolle Wettkampferfahrung in einem Erstkampf sammeln zu können. Luca Spengler taute auf, steckte einen erneut verpatzten Start weg und zeigte am Schluss eine über alles gesehen sehr beachtliche Leistung mit dem letzten Tor. Nik Tominec schmorte nach durchzogener erster Halbzeit zuerst auf der Bank, musste Claudio Vögtlis Europacup-Einsatz mitansehen – um in der Schlussphase mit einem starken Auftritt voller Ideen, Spielwitz und Dynamik massgeblich zum Unentschieden beizutragen. Die Partie war aber auch lehrreich für Tom Hofstetter, der sich steigerte und mit einer cleveren Leistung und 6 Toren das Heft stets in der Hand hielt auf dem Weg zum Punktgewinn.

Das Europacup-Abenteuer 2014/15 ist für den HCK damit zu Ende. TVIS Holstebro war zweifellos die bessere der beiden Mannschaften. Der HCK aber machte beste Werbung in eigener Sache. Das Team zeigte, dass mit ihm durchaus zu rechnen ist. Die Bestätigung dafür steht bereits am kommenden Mittwoch an, wenn die Mannschaft gegen Kadetten Schaffhausen um wichtige Meisterschaftspunkte kämpfen wird. Auch dann wird die Mannschaft als krasser Aussenseiter am Start sein. Der Europacup-Abend hat aber gezeigt, dass auch dann Überraschungen möglich sind.


HC Kriens-Luzern - TVIS Holstebro 36:36 (14:19)

Maihofhalle 450 Zuschauer. SR Andorka/Hucker (HUN)

Spielverlauf: 0:1, 2:1, 2:5, 3:6, 4:8, 5:10, 7:12, 9:14, 12:16, 14:19; 14:20, 15:22, 18:25, 22:25, 23:27, 26:28, 28:30, 32:32, 32:34, 34:36, 36:36. 

HC Kriens-Luzern: Portmann/Schelbert; Fellmann (3), Mühlebach (1), Weingartner, Blättler (3), Spengler (6), Vögtli, Stojanovic (1), Baviera (2), Lima (1), Baumgartner (1), Tominec (8), Hofstetter (6).

TVIS Holstebro: Schmidt/Hanse,; Damgaard (3), Green Jensen (4), Hansen (3), Tau (4), Ladefoged (1), Damgaard (4), Oechsler, Larholm (4), Birkefeldt, Balling (4), Bramming (4), Wiesmach (6).

Bemerkungen: Strafen: Kriens  3, TVIS 2 x 2 Minuten. 


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: