Kriens-Luzern schlägt Titelverteidiger

HANDBALL ⋅ Kriens-Luzern bleibt im Kampf um einen Playoff-Platz dran. In der vierten Runde der NLA-Finalrunde gewinnen die Zentralschweizer gegen Titelverteidiger Kadetten Schaffhausen 27:24.

01. März 2015, 19:14

Was braucht es, um den Ligakrösus des Schweizer Handballs in der aktuellen Verfassung zu bezwingen? Frechheit! Die Frechheit nämlich, den Dominator der letzten Jahre als «zwar deutlich breiter aufgestellt, trotzdem aber bezwingbar» in der Halle zu empfangen. Genau das war am Sonntag das Rezept, das der HCK anwandte - und damit Erfolg hatte.

Kriens-Luzern bleibt im Kampf um einen Playoff-Platz dran. In der vierten Runde der NLA-Finalrunde gewinnen die Zentralschweizer gegen Titelverteidiger Kadetten Schaffhausen 27:24.

Der Gast aus Schaffhausen hatte zwar das deutlich breitere Kader und konnte sich den Luxus leisten, den nominellen Mittelmann Dimitri Küttel (der Ersatz für den verletzten Kukucka) auf einem Sitz mitten im Publikum warten zu lassen. Oder glaubte das zumindest - denn eben dieser Küttel wurde nach 55 Minuten vom Zuschauer zum letzten Strohhalm, an dem sich Kadetten-Coach Markus Baur festhielt. Er liess Küttel flugs auf die Bank wechseln, schickte ihn ins Spiel - doch da war es bereits zu spät. Der HC Kriens-Luzern - in der letzten Playoff-Serie noch locker 3-0 bezwungen - hatte da bereits vorgelegt. Uneinholbar.

Dabei hatte es alles andere als gut ausgesehen für den HC Kriens-Luzern. Eine siebenminütige Torflaute in der ersten Hälfte und einige doch recht originelle Entscheide der beiden Unparteiischen hatten in der ersten zwei Mal dafür gesorgt, dass der Gast vorlegen konnte. Deutlich sogar. Immer wieder kämpfte sich der HCK zwar heran. Doch als die Schaffhauser nach der Pause aus dem 13:12 innert zweier Minuten nach Leichtsinnsfehlern der Gastgeber ein 16:12 gemacht hatten, glaubten viele der 850 Zuschauer den HCK erneut auf der Verliererstrasse.

Dann aber packte der HCK seine stärkste Waffe aus: Eine Deckung wie aus Granit! Gut dirigiert von Dani Fellmann, der eine bärenstarke Partie zeigte. Die Deckung war brillant unterstützt von Andreas Portmann, der mit letztlich 20 Saves eine Megapartie ablieferte und zurecht den J.P. Chenet Best Player-Award abräumte. Diese starke Deckung, geprägt von Teamwork und geschickt dosiertem Einsatz (nur 2 Strafen trotz einer wahren Abwehrschlacht!), war es, an der Kadettens 2-Millionentruppe zerschellte.

Dabei wäre es unfair, die Verletzten bei Schaffhausen als Vorwand oder mildernde Umstände anzuführen. Kukucka und Starczan als nominell bekannteste (Langzeit-)Verletzte konnten zwar nicht mittun - doch das Kader der Schaffhauser müsste an sich auch so noch stark genug sein, um in der Meisterschaft überlegen an der Spitze zu stehen. Denn an Breite, Erfahrung und Qualität (auf dem Papier) reicht den Schaffhausern im Moment in der Schweiz kein Team das Wasser.

Der HC Kriens-Luzern zeigte an diesem späten Sonntag aber, wie spannend, fesselnd und atemberaubend ein Handball-Spiel sein kann. Egal, wie hoch favorisiert der Gegner ist. Diesmal wurde der enorme kämpferische Einsatz des gesamten Teams belohnt. Der HCK kam nach einer kalten Dusche gleich nach der Pause (aus dem 12:13 wurde in 2 Minuten ein 12:16) wieder ins Spiel, kämpfte sich zurück und erntete am Schluss eine 4minütige «Standing Ovation».

Der HCK schöpfte aus der funktionierenden Deckung Kraft, zeigte einen starken Teamauftritt und bot dem siegessicheren Gegner Paroli. An der Spitze des Erfolgstrupps war neben Keeper Andi Portmann insbesondere Dani Fellmann, der als Kreisläufer stark spielte und in der Deckung der klare «Boss» war. Stark war aber auch der Rest des Teams. Ein Team, das solidarisch zeigte: «Schaut her, was wir können!» Es machte Freude, diesem Team zuzuschauen.

Und da vermochte nicht mal Schaffhausens taktischer Wunderkisten-Griff was zu ändern, als sie Küttel vom Zuschauer zum Strohhalm machten. Gegen diesen Kampfgeist, diesen Willen und diese Überzeugung war kein Küttel - pardon Kraut gewachsen

HC Kriens-Luzern - Kadetten Schaffhausen 27:24 (12:13)

Krauerhalle Kriens, 850 Zuschauer. SR Bernet/Wick

Spielverlauf: 1:0, 3:1, 4:2, 4:6, 6:6, 6:7, 7:8, 7:10, 9:11, 10:13, 12:13; 12:16 (32.), 16:16 (41.), 17:16, 17:19, 19:19 (50.), 20:20 (52.), 24:20 (56.), 24:21, 25:22, 26:23, 27:24.

Strafen: HCK 2, Schaffhausen 3x2 Minuten.

HC Kriens-Luzern: Portmann/Schelbert; Fellmann (6), Mühlebach, Blättler (4), Spengler (2), Vögtli, Stojanovic (1), Baviera, Stankovic (2/1), Baumgartner (4), Tominec (3), Schramm (1), Hofstetter (4).

Kadetten Schaffhausen: Portner/Maier (ab 55.); Cvijetic (1), Liniger (5), Küttel, Richwien (4), Graubner (1), Pendic (1), Mamic (1), Geisser (1), Stojanovic (4), Mansson (1), Csaczar (5), Jurca, Muggli.

Bemerkungen: Kadetten ohne Kukucka, Schelbert und Starzcan. Penalties: 15. Stojanovic scheitert mit Penalty an Portner (6:7), 40. Liniger scheitert mit Penalty an Portmann (15:16), 58. Tominec scheitert mit Penaltie an Maier (24:21).

J.P. Chenet Best Player award: Andreas Portmann (HCK) und Nikola Portner (Kadetten) 

Rangliste: 1. Pfadi Winterthur 36. 2. Wacker Thun 29. 3. Kadetten Schaffhausen 28. 4. St. Otmar St. Gallen 25. 5. Kriens-Luzern 21. 6. GC Amicitia Zürich 20.

Benedikt Anderes / HC Kriens-Luzern, si


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