«Mister Europacup» steht ein Fels im Weg

HANDBALL ⋅ Im nationalen Championat ist Kriens endlich im Vormarsch. Jetzt will sich das Team im Europacup gegen Holstebro beweisen. Grosse Hoffnungen ruhen auf dem Kleinsten: Adi Blättler.
07. Oktober 2017, 10:03

Dass der HC Kriens-Luzern heute Abend (18.00, Maihof) Europacup-Party und nicht Pause feiert, das hat er nicht zuletzt seinem jüngsten Mann aus der Stammsechs zu verdanken. Adi Blättler, der letzten Mittwoch beim wichtigen Heimsieg gegen Otmar seinen 23. Geburtstag mit sieben Toren würdigte, warf in der ersten Runde des EHV-Cups gleich zwölf Tore fürs Weiterkommen gegen Saporoshje. «Das war wichtig für die Mannschaft», sagt Blättler artig, und schiebt keck nach: «Aber auch für mich. Zu spüren, dass ich auch auf internationalem Niveau keine Null mehr bin, das hat gut getan.»

Adi Blättler ist in dieser Saison die HCK-Trouvaille. Leichtgewicht (74 Kilogramm) und, Par­don, in der körperlichen Ausstattung Handballzwerg (1,72 Meter). Doch wenn das HCK-Urgewächs den Gegenstoss anschmettert, gibt’s kein Halten mehr: «Ja, klar, das ist meine Stärke. Es kann ja kaum mein Job sein, aus dem Rückraum die Tore zu werfen.» Blättler – Vertrag bei Kriens bis Sommer 2019 «und dann sehen wir weiter» – ist auch internationalen Handballspähern ins Auge gestochen, die ersten Probelektionen mit dem Nationalteam hat er bereits hinter sich. Eine grosse Karriere wie jene von Manuel Liniger, der mit ähnlichen körperlichen Voraussetzungen in der Bundesliga spielte und fast 200 Länderspiele erarbeitete, scheint nicht ganz unlogisch. «Das sind Träume­reien», winkt er ab, «ich konzentriere mich auf heute.»

«Dieser Goalie ist schlicht Weltklasse»

Heute ist Europacup-Handballfest im Maihof, Blättler wird eine Schlüsselrolle einnehmen. «Er ist ein Mann, der Feuer entfachen kann», sagt Trainer Heiko Grimm. «Wir wissen nicht viel von den Dänen», erklärt Adi Blättler, eines indes weiss er: «Bei denen steht der vielleicht beste Torhüter Europas im Einsatz.» Das ist Torbjörn Bergerud (24), der kommenden Sommer in die Bundesliga zu Flensburg wechseln wird. «Ich habe ihn mehrmals an der WM spielen sehen, er steht wie ein Fels im Tor», staunt der HCK-Wirbelwind, «aber mein Vorteil ist: Ich kenne ihn – er aber kennt mich nicht.» Man darf auf Blättler-Kniffs, -Tricks, und -Finten gespannt sein.

Ja, dann gibt’s noch diese Geschichte mit den Penaltys zu erzählen. Dass ausgerechnet das Nesthäkchen sie beim gegnerischen Torsteher einzubringen hat, ist ja eher aussergewöhnlich. «Ich bin halt ein Typ, der gerne Verantwortung übernimmt», sagt Blättler, «und als der Trainer mich gefragt hat, habe ich spontan Ja gesagt.» Zweimal hat er am Mittwoch an seinem Geburtstag verschossen. Das Selbstvertrauen ist geblieben: «Bekommen wir gegen Holstebro einen Penalty zugesprochen, dann stehe ich hin, werfe und werde treffen.»

 

Roland Bucher

sport@luzernerzeitung.ch


Leserkommentare

Anzeige: