Andy Schmid: «Ich bin demütig und dankbar»

HANDBALL ⋅ Der Luzerner Andy Schmid (33) holt mit den Rhein-Neckar Löwen den zweiten Meistertitel in Serie. Der Spielmacher spricht über die spontane Meisterfeier, mentale Fortschritte und ein grosses Ziel.
07. Juni 2017, 09:34

Interview: Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

Andy Schmid, dank des 28:19-Siegs gegen Kiel am letzten Mittwoch sicherten sich die Rhein-Neckar Löwen bereits zwei Spieltage vor dem Ende der Bundesligasaison den Meistertitel. Danach ging es spontan nach Mallorca. Wie war’s?

Man kann sich in etwa vorstellen, was da passiert ist (schmunzelt). Wir waren von Donnerstag bis Sonntag auf Einladung des Vereins in Mallorca und haben dort unseren Status als Profisportler auf die Probe gestellt. Ein Jahr lang haben wir auf dieses Ziel hingearbeitet, die Erleichterung war gross und die Zeit zum Feiern gekommen. Unmittelbar nach dem Spiel gegen Kiel hatten wir den Erfolg noch gar nicht richtig realisiert, da waren wir einfach nur platt.

Nach dem Spiel hat man Sie in der Halle nicht feiern sehen. Wo waren Sie?

Stimmt, ich bin nicht der Typ, der an vorderster Front vor der Kamera tanzt. Ich geniesse es mehr für mich, sauge den Moment auf. Ich war bei meiner Frau auf der Tribüne, danach ging ich kurz in die Kabine.

Welcher Stellenwert hat die zweite Meisterschaft, nur ein Jahr nach der Titelpremiere des Vereins?

Das erste Mal war speziell, weil der Verein und die Spieler gebrandmarkt waren aufgrund der zweiten Plätze in der Vergangenheit. Es dann endlich zu schaffen, war eine brutale Befreiung. Sportlich werte ich den Gewinn der aktuellen Meisterschaft aber fast noch höher ein. In den entscheidenden Spielen waren wir enorm stark. In Flensburg, das die ganze Saison über vorne lag und das sich den Titel so sehr wünschte, gelang uns das Husarenstück (23:21-Sieg, Anm. d. Red.). Drei Tage später zitterten wir den Titel nicht nach Hause, sondern dominierten Kiel auf eine Weise, wie es während zehn Jahren die Bundesliga dominiert hatte.

Ihre Leistungen in diesen beiden Spielen waren brillant, TV-Kommentator Stefan Kretzschmar bezeichnete Sie sogar als Handballgott. Wie gehen Sie mit solchen Superlativen um?

Logisch macht es mich stolz. Allerdings ist es auch ein wenig unangenehm, Handballgott ist wohl etwas zu viel des Guten. Klar braucht es Spieler wie mich, die den Unterschied ausmachen. Insgesamt müssen aber viele Rädchen ineinandergreifen, um einen solchen Erfolg zu feiern.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Meisterteam?

Am meisten stolz bin ich darauf, dass ich in den entscheidenden Spielen gegen die Topteams bereit war. Mental habe ich nochmals einen Schritt vorwärtsgemacht. Nach dem ersten Meistertitel habe ich alles etwas lockerer nehmen können.

Inwiefern haben Ihrem Team die verletzungsbedingten Absenzen von Flensburgs Holger Glandorf und Kiels Domagoj Duvnjak in die Karten gespielt?

Klar ändern solch wichtige Ausfälle eine Situation. Real Madrid ohne Cristiano Ronaldo ist ja auch nicht mehr die gleiche Mannschaft. Deshalb ist ein Meistertitel das Verdienst des gesamten Vereins, dazu gehört auch die medizinische Abteilung oder ein Trainer, der mit seiner Trainingssteuerung die Belastung dosiert.

Warum sind Sie eigentlich nie verletzt? An harten Schlägen der gegnerischen Abwehrriesen dürfte es ja nicht mangeln.

Ich habe tatsächlich in meinen sieben Bundesligajahren noch kein einziges Spiel verpasst. Ich habe gute Gene und einen geschmeidigen Körper. Ausserdem kommt mir zugute, dass ich nicht oft in der Abwehr eingesetzt werde.

Apropos Cristiano Ronaldo: Nach dem Gewinn der Champions League richtete er den Blick schon auf die nächste Saison und sprach von der Titelverteidigung. Tun Sie dasselbe?

Nein, da bin ich demütig und dankbar, dass ich so etwas überhaupt erleben darf. An der Bundesligaspitze ist es so eng, und nun verlieren wir mit Kim Eckdahl eine weitere Stütze. Ich habe keine Lust, zu weit vorauszudenken. In ein paar Jahren ist meine Aktivkarriere zu Ende, und ich möchte sie einfach auskosten.

In Mannheim stehen Sie für drei weitere Jahre unter Vertrag. Welche Ziele haben Sie noch?

Ich möchte nach Köln ans Final-Four-Turnier der Champions League.

 

Kommentatoren sind begeistert

Zitate zu Schmid Andy Schmid führte die Rhein-Neckar Löwen als überragender Regisseur zur zweiten Meisterschaft in Folge. Die fantastischen Darbietungen des 33-jährigen Luzerners in den entscheidenden Spitzenspielen in Flensburg und zu Hause gegen Kiel mit insgesamt elf Toren und zahlreichen Assists lösten bei den beiden Kommentatoren des deutschen TV-Senders Sport 1, Markus Götz und Stefan Kretzschmar, einen veritablen Begeisterungsschwall aus, wie folgende Aufzeichnung zeigt:

«Schmid ist der beste Offensivspieler der Bundesliga.»

«In Flensburg hat er Pässe gespielt, die habe ich gar nicht verstanden.»

«Goalie Appelgren und Schmid, das ist eine tödliche Kombination.»

«Ich wusste gar nicht, dass der so schnell ist.»

«Es ist Andy-Schmid-Zeit in der SAP-Arena.»

«Für solche Momente haben die Amerikaner den Begriff ‹he is on fire› erfunden.»

«Schmid hat einfach nur noch Lust zu zaubern.»

«Hatte er die Augen zu? Diesen Pass spielt er blind.»

«Das ist ja gar nicht mehr zu beschreiben, was Andy Schmid hier abzieht. Da gibt es nicht mehr den leisesten Selbstzweifel.»

«Andy Schmid, du bist ein Handballgott!»


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