Viele Kandidaten für den EM-Titel

HANDBALL ⋅ Seit Schweden im Jahr 2002 gelang es keinem Team, den Titel an Handball-Europameisterschaften erfolgreich zu verteidigen. Das möchte Deutschland in Kroatien ändern. Das Turnier beginnt heute.
12. Januar 2018, 10:14

Deutschlands Titelgewinn vor zwei Jahren war eine Überraschung, umso mehr, als einige verletzte Stammkräfte nicht zur Verfügung standen. Die junge DHB-Auswahl begeisterte mit ihrer Unbekümmertheit und deklassierte Spanien im Final 24:17.

Von der damaligen Mannschaft gehören in Kroatien allerdings nur noch sieben Spieler zum Team, auch weil mit Finn Lemke, Fabian Wiede und Rune Dahme drei Europameister dem letzten Kaderschnitt von Bundestrainer Christian Prokop zum Opfer fielen. Stattdessen nominierte dieser Bastian Roscheck und Maximilian Janke, die in der vergangenen Woche ihre ersten Länderspiele bestritten. Beide sind bei Leipzig tätig - dem Ex-Verein von Prokop. Vor allem die Ausbootung von Abwehrchef Lemke sorgt in Deutschland für Verwunderung.

Damit nimmt Prokop ein gewisses Risiko auf sich, wobei er im Verlaufe des Turniers - in der Gruppenphase sind Montenegro, Slowenien und Mazedonien die Gegner - bis zu sechs Spieler wechseln kann. Der 39-Jährige trat nach dem enttäuschenden 9. Platz an der Weltmeisterschaft 2017 die Nachfolge des freiwillig abtretenden Dagur Sigurdsson an und steht vor seiner Premiere an internationalen Meisterschaften. Die Erwartungen beim nördlichen Nachbar sind hoch. "Es gibt so viele gute Spieler wie wahrscheinlich seit 30, 40 Jahren nicht mehr", sagte Ex-Bundestrainer Heiner Brand. Auch für den ehemaligen Weltklasse-Linksaussen Stefan Kretzschmar gehört die DHB-Auswahl zu den Topfavoriten.

Vierter EM-Titel für Frankreich?

Dazu ist wie immer in den letzten Jahren Frankreich zu zählen. Die "Equipe Tricolore" gewann seit 2006 zweimal Olympia-Gold, wurde viermal Welt- und dreimal Europameister. Zwar sind die Routiniers Thierry Omeyer und Daniel Narcisse nach dem insgesamt sechsten WM-Triumph im vergangenen Jahr zurückgetreten, elf Titulare sind aber erneut dabei, allen voran der dreifache Welthandballer Nikola Karabatic, der unbestrittene Kopf der Mannschaft. Ausserdem lief Goalie Vincent Gérard dem 41-jährigen Omeyer bereits an der Heim-WM den Rang ab. Der Teamkollege des Schweizers Nikola Portner bei Montpellier war mit einer Abwehrquote von 40 Prozent der beste Torhüter des Turniers.

Es muss sich jedoch erst zeigen, wie Frankreich in der Verteidigung die Absenzen von Ludovic Fabregas und dem lange ausgefallenen Luka Karabatic (könnte nachnominiert werden) verkraften wird. Fabregas war gemäss Didier Dinart, der zusammen mit Guillaume Gille das Trainergespann bildet, trotz seiner erst 21 Jahre bereits "der Chef der Abwehr". Das erste Spiel wird Aufschluss darüber geben, wie stark die Franzosen sind, treffen sie doch gleich auf den letztjährigen WM-Finalgegner Norwegen.

Kroatien wieder mit Magier

Auf Wiedergutmachung aus ist Olympiasieger Dänemark nach dem enttäuschenden 10. Platz an der Weltmeisterschaft vor einem Jahr. Die Skandinavier werden erstmals an einem grossen Turnier von Nikolaj Jakobsen betreut, dem Erfolgstrainer von Andy Schmids Rhein-Neckar Löwen. Zu rechnen ist auch mit Gastgeber Kroatien, der auf die Unterstützung eines fanatischen Publikums zählen kann. Die Osteuropäer holten im vergangenen März Lino Cervar als Coach zurück. Mit Cervar gewannen die Kroaten 2003 den WM-Titel und 2004 Olympia-Gold. Dazu kommen je zwei WM- und EM-Silbermedaillen. Wegen seiner Erfolge hat er den Spitznamen "der Magier von Umag".

Die Schweiz fehlt zum sechsten Mal hintereinander an Europameisterschaften. Bei Ungarn dürfte der bei den Kadetten Schaffhausen tätige Regisseur Gabor Csaszar eine wichtige Rolle einnehmen. Bei den Tschechen könnte Ondrej Zdrahala von St. Otmar St. Gallen zum Einsatz kommen. (sda)


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