Eine Gala vor ausverkaufter Halle

HANDBALL ⋅ In der WM-Qualifikation fertigt die Schweizer Nationalmannschaft Estland mit 39:21 ab. Im Hinblick auf das Playoff kann das Team von Michael Suter am Mittwoch bereits alles klarmachen.
08. Januar 2018, 04:39

Jörg Greb, Winterthur

sport@luzernerzeitung.ch

Die Schweizer Handballer riefen im Rückspiel gegen Estland eine Leistung an ihrem obersten Level ab. Erinnert sei an das Hinspiel in Tallinn am vergangenen Mittwoch. Da gewann die junge Mannschaft zwar mit 26:22. Hätte sie aber nicht auf die 17 Glanzparaden von Torhüter Nikola Portner bauen können, wäre ein weit engerer Ausgang sicher gewesen.

Diesmal, vor der begeisterten Heimkulisse in der mit rund 2000 Zuschauern ausverkauften Halle in Winterthur, fiel rasch eine Vorentscheidung. 5:1 zogen die Schweizer innert fünf Minuten davon. Die Rückraumspieler trafen. Die aggressive Deckung mit dem Innenblock Samuel Röthlisberger und Lucas Meister machte die Räume für die Osteuropäer eng, und Torhüter Portner hielt erneut glänzend. Und es kam die eindrückliche Serie des rechten Flügelspielers Maximilian Gerbl. Der 21-Jährige traf in 30 Minuten aus sieben Versuchen sieben Mal. Nach der Partie wurde er folgerichtig als «best player» ausgezeichnet. Und Coach Michael Suter lobte: «Max ist jung, ehrgeizig, cool und zeich­-net sich durch einen enormen Willen aus.»

Nach 38 Minuten hatte Gerbl das Tageswerk beendet – wie fast die gesamte Anfangsformation, inklusive Torhüter Portner . Doch an Fluss büsste das Schweizer Spiel kaum ein. Ebenso blieb die Defensive das Prunkstück. Aus dem 24:12 zu jenem Zeitpunkt wurde ein 39:21. «Wir konnten den Flow der ersten Hälfte mitnehmen und auf mehrere Schultern übertragen», sagte Suter.

Ist diese Galavorstellung ein realistisches Spiegelbild der jungen Schweizer Equipe? So lautete nach der Partie eine viel gestellte Frage. Coach Michael Suter strahlte: «Wenn’s so läuft, nimmt man das gerne.» Eingestellt gewesen war die Mannschaft nämlich auf deutlich mehr Gegenwehr. «Wir nahmen uns vor, mehr Härte einzubringen und den Erfolg über den Kampf zu suchen.»

Am Mittwoch gegen Bosnien-Herzegowina

Und noch etwas betonte der Baumeister der neuen Schweizer Handball-Begeisterung: «Ein solches Resultat hängt zu 70 Prozent von der eigenen Stärke und zu 30 Prozent von der Blockiertheit des Gegners ab.» Eine vorzügliche Ausgangslage haben sich die Schweizer damit geschaffen. Bereits am Mittwoch können sie sich für die schliesslich entscheidenden WM-Playoffs im Frühling qualifizieren. In der Kreuzbleiche-Halle von St. Gallen reicht ein Sieg oder wohl auch ein Remis vor dem abschliessenden Auswärtsspiel gegen Bosnien-Herzegowina zur Qualifikation. Allerdings warnt Suter: «Dies wird ein Topgegner, wir müssen den Schalter nun sofort umlegen und uns auf einen harten Fight einstellen.» Die Euphorie, welche sich in Winterthur zu Recht entwickelt hat, versucht er nun zu bremsen: «Geniessen ja, aber nicht überbewerten.» Was er aber auch betont: die langfristige Entwicklung. «Wir befinden uns in einem Prozess. In diesem ist uns ein weiterer wichtiger Schritt gelungen.»

WM-Qualifikation

Gruppe 6: Schweiz – Estland 39:21 (19:10). – Rangliste: 1. Schweiz 2/4. 2. Bosnien-Herzegowina 2/2. 3. Estland 4/2. – Weiteres Programm. Mittwoch, 10. Januar, 18.30 (SRF zwei): Schweiz – Bosnien-Herzegowina (in St. Gallen). – Samstag, 13. Januar, 20.00: Bosnien-Herzegowina – Schweiz (in Tuzla).

Modus: Der Gruppensieger erreicht das Playoff im Juni.

Schweiz – Estland 39:21 (19:10)

Eulachhalle, Winterthur. – 2078 Zuschauer (ausverkauft). – SR Bolic/Hurich (AUT).

Torfolge: 3:0, 3:1, 5:1 (6.), 5:3, 6:4 (9.), 11:4 (16.), 13:5, 13:6, 16:6 (25.), 16:8, 19:10; 22:10, 22:12, 24:12, 25:13, 27:13, 27:14, 29:14, 29:16, 33:16, 34:18, 36:18, 37:20, 39:20, 39:21.

Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 6-mal 2 Minuten gegen Estland.

Schweiz: Portner/Winkler (ab 38.); Meister (3), Rubin (6), Lier (1), Alili (1), Delhees (5), Von Deschwanden (5), Röthlisberger, Küttel (3), Maros (2), Huwyler, Dähler (2), Geisser (2), Gerbl (7), Blättler (2).

Bemerkungen: Schweiz ohne Raemy, Sidorowicz, Vernier, Markovic, Tynowski (alle verletzt), Schmid (dispensiert) und Wick (überzählig). Portner hält Penaltys von Jaanimaa (4./1:0) und Voika (34./21:10).


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