«Wichtige Spiele für die Entwicklung»

HANDBALL ⋅ Die Schweizer sind in der EM-Qualifikation vor den letzten beiden Spielen noch punktlos. In den Partien gegen Slowenien und Deutschland soll das junge Team für nächste Kampagnen lernen.
14. Juni 2017, 09:07

Nationaltrainer Michael Suter verzichtet in den beiden Begegnungen gegen Slowenien (heute, 20.15, TV 24) und Deutschland (Sonntag, 15.00, ZDF) auf die Routiniers Michael Liniger und Michal Svajlen. Der unbestrittene Teamleader Andy Schmid ist mit 33 Jahren der mit Abstand älteste Spieler im Team – die anderen weisen die Jahrgänge 1991 bis 1996 aus. «Es ist extrem speziell und komisch. Das kann ich nicht absprechen», sagt Schmid. «Auf der anderen Seite ist es reizvoll, meine Erfahrung mitzugeben und bei der Entwicklung zu helfen.»

Die Schweizer sind in der bisherigen EM-Qualifikation nach vier Partien noch punktlos. Die Auftritte in Slowenien (27:32) sowie im Hallenstadion gegen Deutschland (22:23) unterstrichen jedoch, welch Potenzial nach dem radikalen Umbruch in der Mannschaft steckt. «Nach diesen Spielen hatten alle das Gefühl, dass es sehr schnell geht», so Schmid. «Es ist jedoch nicht möglich, drei Schritte auf einmal zu machen.» Das zeigte sich insbesondere bei der enttäuschenden 25:27-Heimniederlage gegen Portugal. «Da hatten wir das erste Mal Druck», erklärt Schmid.

Dennoch erachtet er es als «sehr realistisch», dass die Schweizer Handballer mittelfristig wieder an Europa- und Weltmeisterschaften dabei sein werden. Letztmals qualifizierten sie sich 2004 für ein grosses Turnier (EM). An der EM 2006 waren sie als Gastgeber gesetzt. «Der Weg dorthin ist hart», gibt sich Schmid realistisch. «Die anderen Nationen schlafen auch nicht.» Positiv ist sicherlich, dass einige Spieler früher oder später den Schritt ins Ausland wagen dürften, was für Schmid essenziell ist.

Schmid als perfektes Beispiel

Der Luzerner ist diesbezüglich ein perfektes Beispiel. Er hat sich in Dänemark und Deutschland zu einem der besten Handballer der Welt entwickelt. Soeben wurde er zum vierten Mal in Serie zum wertvollsten Spieler der Bundesliga gewählt, was vor ihm noch keiner geschafft hatte. Insofern fühlt es sich für ihn unrealistisch an. Die Auszeichnungen freuen ihn umso mehr, als sie zeigen, dass «ich konstant über mehrere Jahre auf diesem Level spielen konnte». Worauf führt er das zurück? Einerseits sei er verletzungsfrei geblieben, andererseits habe er stets den Antrieb gehabt, Feinheiten noch besser zu machen. Ausserdem brauche es eine gewisse Lockerheit. Schmid macht stolz, dass die Erfolge der Rhein-Neckar Löwen «mit meinem Namen verbunden werden». Insgesamt müssten aber viele Rädchen ineinandergreifen, um einen solchen Erfolg zu feiern.

Wie sieht er den Partien gegen Slowenien und Deutschland entgegen? «Das sind wichtige Spiele für die Entwicklung. Es wird aufgezeigt, was noch fehlt. Wir können ohne Druck antreten, das fällt einfacher.» (sda)

EM-Qualifikation

Schweizer Aufgebot für die Partien gegen Slowenien heute in Schaffhausen (20.15 Uhr) und gegen Deutschland (Sonntag, 15 Uhr, Bremen). – Tor: Nikola Portner (Montpellier/FRA, 57 Spiele/1 Tor), Simon Kindle (Kadetten Schaffhausen, 11/0), Flavio Wick (GC Amicitia Zürich, 11/1). – Feld: Albin Alili (Kriens-Luzern, 10/12), Ron Delhees (Kadetten Schaffhausen, 12/16), Stefan Huwyler (Wacker Thun, 16/2), Dimitrij Küttel (Kadetten Schaffhausen, 28/69), Marvin Lier (Pfadi Winterthur, 31/52), Zoran Markovic (Kadetten Schaffhausen, 14/26), Luka Maros (Kadetten Schaffhausen, 21/42), Lucas Meister (Kadetten Schaffhausen, 18/55), Samuel Röthlisberger (BSV Bern Muri, 13/1), Lenny Rubin (Wacker Thun, 4/25), Andy Schmid (Rhein-Neckar Löwen/GER, 163/729), Roman Sidorowicz (Pfadi Winterthur, 38/88), Cédrie Tynowski (Winterthur, 11/21), Pascal Vernier (Winterthur, 20/18).

Rangliste. Gruppe 5 (je 4 Spiele): 1. Deutschland 8 (115:89). 2. Portugal 5 (114:108). 3. Slowenien 3 (101:110). 4. Schweiz 0 (96:109).


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