«Das Wichtigste ist, dass wir nicht absteigen»

SPORT ⋅ Zug 94 hat sich gestern von Trainer Mark Adams getrennt. Der Zeitpunkt, nur zwei Matches nach dem Start der Rückrunde in der 1. Liga, mutet seltsam an.
15. März 2017, 07:51

«Schweren Herzens» steht in der Pressemitteilung, die gestern Nachmittag von Zug 94 verschickt worden ist. «Schweren Herzens» habe man sich dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit Mark Adams als Trainer der ersten Mannschaft per sofort zu beenden.

Es ist üblich geworden, in derlei Communiqués auf den menschlichen Verlust hinzuweisen, der mit solchen Entscheidungen einhergeht. Nicht immer sind diese Sätze besonders glaubhaft. Im Fall der Zuger aber kann man davon ausgehen, dass das Herz der Entscheidungsträger dabei tatsächlich schwer war. Denn der 54-jährige Engländer Adams kommt dank seines Schalks und seiner offenen Art überall gut an. Und es spricht Bände, dass die Verantwortlichen hoffen, dass Adams weiterhin Leiter Préformation bleibt, also den Nachwuchs-Leistungs-Bereich des Vereins führt.

Vor sechs Monaten noch eitel Sonnenschein

Er war im Juni 2015 engagiert worden, um den Scherbenhaufen zusammenzukehren, der in eineinhalb Jahren unter dem wohl überambitionierten Martin Andermatt entstanden war. Adams meistere die Herausforderung bemerkenswert und schaffte es, ein Trümmerkader zu einer Einheit zusammenzuschweissen. Die Zuger beendeten die Saison 2015/16 auf dem achten Platz und schafften es im Schweizer Cup ins Hauptfeld, wo sie gegen den FC Basel eine Ehrenmeldung erzielten (0:1). Fast genau sechs Monate später haben die Zuger Verantwortlichen nicht mehr genug Vertrauen, dass Adams die darbende Mannschaft erneut vor dem Abstieg rettet. Nach der 0:3-Niederlage gegen den direkten Konkurrenten Bassecourt am vergangenen Samstag hätten die Entscheidungsträger «auf die Tabelle geschaut», sagt der Sportchef Dusan Ilic. «Wir erkannten, dass wir handeln müssen. Das Wichtigste ist, dass wir nicht absteigen.» Das sei auch der Grund, warum man den Schnitt zu diesem seltsamen Zeitpunkt, zwei Matches nach Rückrundenbeginn, gemacht hat. Ilic, der bis vor der laufenden Saison noch Spieler in Zug war, erwähnt in diesem Zusammenhang auch die Saison 2010/11, als die Führungsriege tatenlos zuschaute, wie der Verein unter Patrick Bühlmann in die 2. Liga interregional tauchte.

Zwei Partien in kurzer Zeit

Die Verantwortlichen sind gegenwärtig auf der Suche nach einem neuen Trainer. Für die Leitung der nächsten Trainings werde es «eine interne Lösung» geben, sagte Ilic, ohne näher darauf einzugehen. Den Zugern stehen zwei Heimspiele binnen vier Tagen bevor: am Samstag in der Cup-Qualifikation gegen Düdingen (16.00) und am Mittwoch in der 1.-Liga-Meisterschaft gegen Buochs (20.00).

Adams selbst war gestern nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Er gab in Emmen einen Kurs in seiner Funktion als Instruktor des Schweizerischen Fussballverbands.

 

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch


Login

 
Leserkommentare

Anzeige: