Dem Leader alles abverlangt

HANDBALL ⋅ Underdog Altdorf heizte Tabellenführer Endingen 60 Minuten lang tüchtig ein. Letztlich mussten sich die Urner nur knapp mit 28:30 geschlagen geben.
20. März 2017, 04:28

Wer eine einseitige Angelegenheit erwartet hatte, erlebte am Samstag in der Altdorfer Feldli-Arena sein blaues Wunder und musste sich eines Besseren belehren lassen. Gastgeber Altdorf, der ohne seine beiden verletzten Stammkeeper Noah Ineichen und Jan Dittli sowie Linksaussen Ivan Fallegger auskommen musste, wurde nicht – wie von vielen erwartet – vom haushohen Favoriten Endingen, der in dieser Saison 18 von 20 Meisterschaftsspielen für sich entscheiden konnte, an die Wand gespielt, sondern hielt von Beginn wacker dagegen.

Die ansonsten in der Regel nur langsam in die Gänge kommenden Platzherren verblüfften diesmal sogar mit einem veritablen Blitzstart. Nach fünf Minuten lagen sie bereits mit 3:1 in Front. Allerdings hatte der Vorsprung nicht lange Bestand, zumal die Gäste sichtlich aufdrehten und die Lücke wieder schlossen. Aber die Urner hatten ihr Pulver noch längst nicht verschossen. Im Gegenteil, denn sie boten dem vermeintlichen Goliath weiterhin die Stirn und mussten ihm nur eine knappe 16:15-Pausenführung zugestehen.

Verheerende Doppelstrafe für Altdorf

Nach dem Seitenwechsel setzte sich das muntere Kopf-an-Kopf-Rennen fort. Endingen erarbeitete sich zwar zwischenzeitlich ein Zwei-Tore-Polster, das aber wieder dahinschmolz. In der 48. Minute, beim Spielstand von 22:23, unterlief den Hausherren der im Nachhinein wohl spielentscheidende Lapsus. Nicolai Christensen und Marko Koljanin gingen bei einer gemeinschaftlichen Abwehraktion viel zu resolut zur Sache und wanderten dafür beide für zwei Minuten auf die Strafbank. Die Aargauer liessen sich nicht zweimal bitten und zogen während dieser doppelten Überzahlphase vorentscheidend auf 26:22 davon.

Immerhin steckten die Gelb-Schwarzen trotz dieser bitteren Pille noch lange nicht auf. Sie kämpften sich tatsächlich wieder heran und schafften in der 58., 59. und 60. Minute jeweils den Anschlusstreffer. Kreisläufer Yannick Drollinger, der einmal mehr mit einer erstklassigen Abschlusseffizienz brillierte, warf 13 Sekunden vor dem Abpfiff das 28:29. Allerdings antwortete Endingen postwendend mit einem weiteren Torerfolg und machte damit die Hoffnungen der Urschweizer, wenigstens einen Punkt aus dem Feuer zu reissen, definitiv zunichte.

Mario Obad mit neun Toren

Die KTV-Truppe ging also gegen den NLB-Überflieger und höchstwahrscheinlichen NLA-Direktaufsteiger mit fliegenden Fahnen unter, was ihr nach der 25:37-Hinrundenschlappe gegen Endingen kaum jemand zugetraut hatte. Altdorfs Co-Coach Mirko Funke zeigte sich mit der Vorstellung seines Teams verständlicher­weise sehr zufrieden, auch wenn letztlich nichts Zählbares herausschaute. Er betonte: «Angesichts der Tatsache, dass wir nicht in Bestbesetzung antreten konnten, ist uns sicherlich eine starke Leistung gelungen. Wir haben auch ein wenig davon profitiert, dass die Endinger dieses Spiel etwas zu locker angegangen sind. Sie waren von der starken Gegenwehr überrascht und bekundeten dann Mühe, den Schalter umzulegen. Dadurch ist die Partie bis zum Schluss spannend geblieben.»

In den Reihen der Altdorfer vermochte nebst Drollinger auch deren Spielertrainer Mario Obad vollauf zu überzeugen. Der Kroate gestaltete neun seiner zehn Abschlüsse erfolgreich. Unter anderem versenkte er alle vier ausgeführten Siebenmeter eiskalt im Netz. Gut hielten sich auch die beiden Torhüter. Alexander Zimmermann parierte 8 von 27 Würfen und kam so auf eine Quote von 30 Prozent. Fabio Arnold machte 3 von 14 Geschossen (22 Prozent) unschädlich, darunter einen Penalty.

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

 

NLB. 21. Runde: Steffisburg – Kadetten Espoirs SH 27:32. Wädenswil – Birsfelden 27:32. Solothurn – Siggenthal/Vom Stein 27:15. Altdorf – Endingen 28:30. Möhlin – Chênois Genève 29:21. SG Horgen – Lakers Stäfa 32:37. SG Yellow/Pfadi Winterthur – STV Baden 26:23.

Rangliste (alle 21 Spiele): 1. Endingen 38. 2. Lakers Stäfa 33. 3. Möhlin 28. 4. Kadetten Espoirs SH 27. 5. Solothurn 27. 6. STV Baden 26. 7. Steffisburg 21. 8. SG Horgen 18. 9. Altdorf 18. 10. Birsfelden 16. 11. SG Yellow/Pfadi Winterthur 15. 12. Siggenthal/Vom Stein 14. 13. Chênois Genève 11. 14. Wädenswil 2.

KTV Altdorf – TV Endingen 28:30 (15:16)

Feldli. – 300 Zuschauer. – SR Brunner. – Altdorf: Zimmermann, Arnold; Vollenweider, Kasmauskas (6), Gisler, Bissig, Aschwanden, Fallegger (1), Ledermann, auf der Maur (1), Drollinger (4), Obad (9), Koljanin (5), Christensen (2).

Endingen: Ferrante, Amrein; Pejkovic (6), L. Riechsteiner (2), Baumann (4), Wildi, ­Huwyler, Sudzum (4), C. Riechsteiner (6), Schubnell (2), Kündig, Sarac (2), Knecht (4).


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