Eine grosse Karriere in Aussicht

HANDBALL ⋅ Xenia Hodel aus Oberkirch ist der Shootingstar des Schweizer Handballs. Welche Ziele sie hat und wer sie fast schwindlig spielte, verrät die 18-Jährige bei unserem Besuch am Sempachersee.

27. November 2016, 19:38

Stephan Santschi

«Ein Schritt für die Zukunft.» So lautete kürzlich der Titel einer Medienmitteilung des Schwei­zerischen Handballverbandes (SHV), in der über die verbes­serte Talentförderung informiert wurde. Bebildert wurde der Text auf der Website mit einer Schweizer Nationalspielerin, die sich über einen Torerfolg freute. Ein Foto mit Symbolcharakter, gilt sie bei den Frauen doch als grosse Perspektivspielerin. SHV-Vorstandsmitglied Luzia Bühler sagte unlängst gar: «Mit ihr verfügen wir über ein internationales Top­talent.

Die Rede ist von Xenia Hodel. Letzten Sonntag ist die Luzernerin aus Oberkirch 18 Jahre alt geworden. Gefeiert hat sie ihren Geburtstag in Slowenien – mit der Schweiz bestritt sie dort am Wochenende zwei Testspiele gegen den Gastgeber, um sich auf die erste Phase der WM-Qualifikation vorzubereiten. In Weissrussland trifft man von Freitag bis Sonntag der Reihe nach auf Kosovo, Weissrussland und die Türkei. Die beiden Bestplatzierten bestreiten im nächsten Juni das Playoff. «Mit unserem Team können wir dieses Ziel erreichen», gibt sich Hodel zuversichtlich.

Hodel tritt in grosse Fussstapfen

Die elffache Internationale beschreibt sich im Kreis des Nationalteams als Küken, das noch nicht allzu viel Verantwortung übernehmen müsse. Ganz im Gegensatz zu ihrer Rolle im Verein – bei den Spono Eagles füllt die Linkshänderin jene Lücke, welche Leistungsträgerin Rahel Furrer hinterlassen hat. Im rechten Aufbau, wohlbemerkt, auf einer der Königspositionen im Handball. Dass dies der jungen Frau bisher ganz gut gelingt, verrät schon die Torschützenliste der SPL 1. Hinter der Zugerin Sibylle Scherer figuriert Hodel mit 53 Toren auf Platz zwei. «Klar, hat sich meine Situation nach dem Rücktritt von Rahel verändert, sie war eine wichtige Spielerin. Dank meiner Grösse habe ich ihren Platz einnehmen können», erzählt die 1,76 Meter grosse Rückraumspielerin.

Die Grösse ist das eine, Wurfkraft und Spielwitz das andere. Hodel möchte nicht einfach nur als Shooterin gelten, nicht nur als Athletin, die vornehmlich aus der Distanz trifft. «Ich will eine komplette Spielerin werden», sagt sie bestimmt. Auch als «frech» hat sie sich selber schon bezeichnet. Was sie damit meint? «Ich mache mir nicht zu viele Gedanken über die Stärken des Gegners. Ich spiele einfach drauflos, aus dem Bauch heraus.» Eine wichtige Aufgabe kommt ihr mittlerweile auch in der 5:1-Defensive als vorgestellte Akteurin zu. «Ich darf nicht nur auf die Gegenspielerin reagieren. Ich muss ihr etwas anbieten, mit ihr spielen. Dazu braucht es Kraft und schnelle Beine.» In sieben Trainingseinheiten pro Woche eignet sie sich diese Qualitäten an.

Achtung! Schnäuzen am Tisch verboten

Auf schnellen Beinen marschiert sie bisher auch durch ihre Karriere. Mit 15 Jahren gab sie ihr Debüt in der SPL 1, mit 16 im Nationalteam, mit 17 wurde sie im letzten Frühling erstmals Schweizer Meisterin. Was folgt nun, mit 18? «Noch kein Wechsel ins Ausland, zuerst schliesse ich die Schule ab. Und mit Nottwil möchte ich das Double gewinnen.» Eineinhalb Jahre dauert ihre Zeit in der Sportklasse der Luzerner Kantonsschule Alpenquai noch.

Dass sie danach Erfahrungen in einer fremden Liga machen will, steht ausser Frage. Deutschland und Dänemark seien reizvoll. «Auch Frankreich, dort ist das Spiel schneller und mehr auf 1:1-Situationen ausgelegt.» Was richtig hohes Tempo bedeutet, hat sie übrigens im letzten Sommer in Südkorea erfahren. Die Spono Eagles gastierten dort für eine Woche an einem internationalen Turnier. «Die Asiatinnen sind kleiner als wir und machen daher alles mit Schnelligkeit. Unglaublich, diese Körpertäuschungen, da hast du hinterher fast einen Knopf in den Beinen», blickt Hodel lächelnd zurück.

Auch neben dem Platz weiss sie von einer speziellen Anekdote zu berichten. «Am Tisch ist es nach dem Essen unanständig, die Nase zu schnäuzen. Also mussten wir es immer hochziehen.»


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