Schweiz stiehlt Stein um Stein

ROLLSTUHLCURLING ⋅ Die Schweizer landen an der Weltmeisterschaft in Luzern Sieg um Sieg. Ein Augenschein zeigt, dass dieser Sport einiges zu bieten hat.

25. Februar 2016, 07:17

Theres Bühlmann

Sie ist etwas klein, aber gemütlich, die Tribüne im Eiszentrum Luzern. Gestern fanden sich rund 70 Zuschauer ein, um die kurz vor Mittag ausgetragene Partie zwischen der Schweiz und Deutschland mitzuverfolgen. Entweder mit Blick auf das Feld oder mittels Videokameras. Und die Fans gingen mit, kommentierten, diskutierten, ab und zu waren auch Kuhglocken zu hören. «Super, dieser Stein», «eine schöne Guard» oder «jetzt besteht die Chance zum Stehlen». Fachleute eben.

  • Rollstuhl Curling WM
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Im Eiszentrum Luzern findet die Weltmeisterschaft im Rollstuhlcurling statt. Wir zeigen Impressionen dieser Veranstaltung.

Wenn den Schweizern, die zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung an einer WM teilnehmen, etwas misslang, ertönte ein lang gezogenes «Neiiiin».Oder ein «Ja, toll», wenn es etwas zu bejubeln gab. Dies war im Spiel gegen Deutschland gestern oft der Fall. Beim Stande von 7:3 war der Sieg schon fast in trockenen Tüchern. «Diesen Sieg müssen sie jetzt heimbringen», sagte ein Zuschauer. Im Verlaufe des letzten Ends spielten die Gastgeber einen gegnerischen Stein raus – Jubel. Aus. Ende. Weil Deutschland nur noch drei Steine besass und die Schweiz somit nicht mehr eingeholt werden konnte, war der Sieg unter Dach und Fach. Rollstuhlcurling wird übrigens über acht Ends gespielt, als Besonderheit besteht ein Team aus Männern und Frauen.

Gelöst wirkte auch der Schweizer Nationaltrainer Stefan Pfister, dessen Team die Fans vor allem mit dem 7:2-Erfolg am Eröffnungstag gegen Kanada überraschte. Die Nordamerikaner verkörpern nicht irgendeine Equipe, sondern holten sich schon mehrmals den Weltmeistertitel – 2014 sogar den Sieg bei den Paralympics in Sotschi. Allerdings scheinen die Kanadier etwas an Substanz verloren zu haben. «Überrascht», sagt Pfister, «hat mich vor allem die Homogenität und das gute Zusammenspiel der Schweizer.» Als primäres Ziel haben sich die Gastgeber Rang 8 vorgenommen, um sich so für die WM 2017 zu qualifizieren. Dort geht es dann auch um die Selektion für die Paralympics 2018 in Südkorea. «Wir sind auf gutem Weg, uns innerhalb der besten acht Teams zu klassieren», so Pfister. «Wir haben gezeigt, dass wir mit allen Teams mithalten können.» Auch wenn einige Fans die Schweizer schon fast im Final sehen, so weit geht Pfister nicht: «Wir haben mit Russland, Norwegen und China noch schwierige Begegnungen vor uns.»

Schweizer Skip mit viel Ruhe

Der Trainer verfolgt, wie bei den Fussgängern, die Aktionen auf der Tribüne, begibt sich nur bei einem Time-out, das von den Spielern verlangt wird, auf das Eis. Sonst muss es die Mannschaft, insbesondere Skip Felix Wagner, richten. Der 50-Jährige bewies gestern viel Übersicht und behielt in jeder Situation die Ruhe. Der Heimvorteil sei ein zweischneidiges Schwert, sagte er. «Dieser beflügelt, setzt uns aber auch ein wenig unter Druck. Aber ich kann gut damit umgehen.» Die gestrigen Partien wurden auch von OK-Präsident Bruno Schallberger interessiert mitverfolgt. «Während der ganzen Weltmeisterschaft stehen rund 300 Helferinnen und Helfer im Einsatz, diese rekrutieren sich vorwiegend aus den Luzerner Curlingvereinen», sagte er und zeigte sich wie die vielen Anhänger mehr als angetan von den Leistungen der Schweizer.

Die Schweizer gewannen auch gestern Nachmittag noch die Begegnung gegen die USA mit 8:2. Fünf Spiele, fünf Siege. Bis jetzt konnte ihnen auf dem Weg an die Spitze noch kein Team Steine in den Weg legen ...

Weltmeisterschaft in Luzern Eiszentrum

Resultate der Schweizer. Spiel am Dienstag: Schweiz - Finnland 6:5. – Mittwoch: Schweiz - Deutschland 7:3. Schweiz - USA 8:2. – Heute spielen: Korea - Schweiz (10.30). Russland - Schweiz (15.30).

Das Schweizer Team: Felix Wagner (Skip,Russikon, Team Wetzikon), Eric Décorvet (Les Diablerets, Team Lausanne), Claudia Hüttenmoser (Goldach, Team St. Gallen), Beatrix Blauel (Folgensbourg (FRA, Team Basel), Marcel Bodenmann (Ossingen, Team Wetzikon).

Rangliste: 1. Norwegen 6 Spiele. 2. Schweiz 5. 3. Russland 5. 4. Korea 6. 5. USA und China 5. 6. Slowakei 6. 8. Deutschland und Kanada 5. 10. Finnland 6.


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