Stöckli lässt nur noch national biken

SPONSORING ⋅ Die in Malters stationierte Stöckli Swiss Sports AG gibt die Auflösung ihres Profi-Bike-Teams bekannt. Stöckli will sich zukünftig mehr auf den Schweizer Markt konzentrieren.

12. Oktober 2016, 20:41

Es sollte eigentlich der ganz grosse Erfolg werden an den olympischen Spielen in Rio de Janeiro. Mit Jolanda Neff hatte Stöckli, der Schweizer Ski- und Bike-Fabrikant mit Sitz in Malters, die Dominatorin des Mountainbike-Sports der vergangenen Jahre in ihrem Racing-Team unter Vertrag, eine der absoluten Favoritinnen für die Goldmedaille. Sie sollte für das Stöckli-Team die ersehnte Medaille nach Hause bringen. Doch schlussendlich reichte es der angeschlagenen 23-jährigen Ostschweizerin nicht auf das olympische Podest.

Nun, rund zwei Monate später, gibt Stöckli die Auflösung seines Profi-Teams im Bike-Sport bekannt. Nur drei Jahre nach der Gründung zieht die Luzerner Firma ihr Team aus dem Spitzensport zurück und hinterlässt dabei viele Fragezeichen (siehe Ausgabe vom 1. Oktober).

Stöckli-Marketingleiter David Kistler erklärt den Schritt seiner Firma: «Wir haben nach Rio eine Situationsanalyse gemacht und uns darauf geeinigt, künftig unser Engagement auf die Schweiz zu konzentrieren.» Der Entscheid für die Auflösung sei allerdings nicht aufgrund fehlender Resultate in Rio getroffen worden. Vieles deutet darauf hin, dass dieser Strategiewechsel aus finanziellen Gründen erfolgt ist, denn verglichen mit dem Skisport sind die Medienpräsenz und die öffentliche Aufmerksamkeit im Bike-Sport nicht besonders hoch.

Auch andere Top-Teams steigen Ende Jahr aus dem Mountainbike-Rennsport aus, so etwa der taiwanesische Fahrradhersteller Merida. Dennoch will Kistler nicht von einer fehlgeschlagenen Investition sprechen. «Wir sind mit dem Engagement im Bike-Bereich sehr zufrieden. Wir konnten unsere Produkte auch im Sommer an die Weltspitze bringen und haben mit unserem Team gute Resultate erzielt. Auch unsere Bekanntheit ist durch dieses Engagement weiterhin gestiegen, sowohl im In- als auch im Ausland.» Dennoch wolle man im Bike-Bereich zukünftig nur noch national fahren, wo aber weiterhin 47 Athletinnen und Athleten unterstützt werden.

Keine Auswirkungen auf den Skisport

Anders als im Bike-Sport wird Stöckli im Skirennsport weiter international ausgerichtet sein. Die Geschehnisse rund um die Auflösung des Pro-Racing-Teams würden keinerlei Auswirkungen auf den Skisport haben, betont Kistler. Stöckli wird weiterhin Skirennfahrerinnen wie die Deutsche Viktoria Rebensburg, die US-Amerikanerin Julia Mancuso oder die Slowenin Tina Maze unterstützen, um seine Produkte im Skibereich so international zu vermarkten. «Der Skisport hat eine grosse Popularität, darum werden wir unser internationales Engagement im Skisport weiterführen», erklärt Kistler.

Das Unternehmen, das jährlich einen Umsatz von rund 60 Millionen Franken erwirtschaftet und über 50000 Paar Ski verkauft, wird also weiterhin im internationalen Skisport vertreten sein. Stöckli unterstützt 40 Athletinnen und Athleten, davon 13 im Skicross und 27 im alpinen Skirennsport. 15 Athleten kommen dabei aus der Schweiz. Im letzten Winter erreichte Stöckli im alpinen «Marken-Weltcup» mit 1055 von Stöckli-Athleten herausgefahrenen Punkten den achten Rang. Angeführt wird diese Rangliste mit grossem Abstand von Head (8815) vor Atomic (5340) und Rossignol (4655). 2015 belegte die Schweizer Firma in diesem Ranking noch Platz 6, 2013 sogar Platz 4, was vor allem den Erfolgen von Maze zu verdanken ist.

Zahlreiche Erfolge in den letzten Jahren

Mit Tina Maze konnte Stöckli 2008 einen Glücksgriff landen. Damals noch relativ unbekannt, krönte sich die Slowenin 2013 mit ihren Schweizer Ski zur überlegenen Gesamtweltcup-Siegerin – nie fuhr eine Athletin mehr Punkte heraus. Ausserdem holte die Ausnahmekönnerin in ihrer Zeit mit Stöckli vier Weltmeistertitel und zwei Goldmedaillen an den Olympischen Spielen in Sotschi.

Nach Mazes Pause in der letzten Saison soll die 33-Jährige nun in den Skiweltcup zurückkehren. Wie das Programm von Maze im kommenden Winter aussehen wird, ist derzeit noch offen. Im Rahmen des Saisonauftakts in Sölden (21. bis 22. Oktober) soll dies am 20. Oktober an einer Pressekonferenz bekannt gegeben werden. Wahrscheinlich scheint derzeit ein Szenario, indem die Slowenin nur ausgewählte Rennen bestreitet, um dann an der WM in St. Moritz im Februar ihre Karriere zu beenden. Dort wird sie in ihren letzten Rennen versuchen, die beiden WM-Titel von Beaver-Creek (Abfahrt, Kombination) zu verteidigen.

Auch Rebensburg sorgte für positive Schlagzeilen

Neben Maze sorgte in der letzten Saison vor allem Viktoria Rebensburg für positive Schlagzeilen bei Stöckli. Rebensburg schrammte nur ganz knapp am Gewinn des Riesenslalom-Weltcups vorbei und belegte im Gesamtweltcup hinter Lara Gut und Lindsey Vonn den dritten Rang.

Nebst dem Skirennsport stieg die Luzerner Firma 2013 auch im Mountainbike ins Profi-Geschäft ein, um mit einem ambitionierten Team den Anschluss an die Weltspitze zu schaffen, was mit der Verpflichtung von Jolanda Neff 2014 auch gelang. Mit ihr konnte das Stöckli-Team 2015 im Mountainbike-Sport den Gesamtweltcup-Sieg feiern. Nun also endet das Projekt nach drei Jahren. Bei Stöckli ist man darum sicherlich nicht traurig, dass bereits der Winter vor der Tür steht und der Fokus nun wieder voll auf den Skisport gerichtet werden kann.

Roger Amberg


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: