Wrestler vom Napf hofft auf Gold

RINGEN ⋅ Die Ringerriege Hergiswil darf morgen im ersten Finalkampf gegen Kriessern auf eine bewährte Trumpfkarte zählen: Routinier Martin Suppiger kommt immer besser in Form.

02. Dezember 2016, 05:00

Hergiswil im Luzerner Hinterland – das bedeutet Ringsport pur. Der olympische Zweikampf ist im 1800-Seelen-Dorf am Fusse des Napfs seit vielen Jahren auch in der Bevölkerung tief verwurzelt. Zum dritten Mal nach 2012 und 2013 wollen die Ringer die beste Mannschaft des ganzen Landes werden.

Es ist Dienstagabend. Vier Tage vor dem ersten Finalkampf gegen Kriessern ist im Training noch wenig von Nervosität zu spüren. Alle packen bei ihren Gegnern nochmals konzentriert und kräftig zu. Martin Suppiger ist seit vielen Jahren einer der Wertvollsten im Team der Napfringer. Nach einer vierwöchigen Auszeit im Anschluss an das Eidgenössische Schwingfest meldete er sich rechtzeitig für die Rückrunde zurück. Mit sechs Siegen in sieben Kämpfen lieferte der 1,84 Meter grosse Athlet einen wichtigen Beitrag zur siebten Finalteilnahme in der Klubgeschichte. Martin Suppiger kann in den beiden schwersten Gewichtsklassen 97 und 130 kg sowohl im Freistil als auch im Greco eingesetzt werden. Die Finalqualifikation kam für ihn nicht überraschend. «Zwischen dem Saisonstart und den Kämpfen im Halbfinal sind es bei uns wie zwei Welten. Im Verlauf der Teammeisterschaft können wir uns jeweils erheblich steigern», so Suppiger.

Der überraschende Trainerwechsel während der Saison sei nicht optimal gewesen. Die Rückkehr von Janos Marosvölgyi sei jedoch ein Glücksfall für das Team. Martin Suppiger ist sich bewusst, dass der dritte Meistertitel noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. Es werde nochmals ein hartes Stück Arbeit. Jeder Finalkampf habe eigene Gesetze und beginne immer wieder bei Null. Nach bisher sechs Finalteilnahmen wisse jeder Einzelne, wie er mit dem Druck umzugehen habe. «Vieles spielt sich auch im Kopf ab, mental sind wir parat. Wir glauben eisern an die Goldmedaille, und der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen», meint Martin Suppiger. Vor Kriessern habe man dank ihrem ausgeglichenen Kader zwar einen gesunden Respekt, aber als den grossen Favoriten sieht man die Rheintaler dennoch nicht.

Zwei eidgenössische Schwingerkränze

Obwohl Martin Suppiger in Willisau aufgewachsen ist und heute mit seiner Freundin Andrea Roos immer noch dort wohnt, erlernte er das sportliche Handwerk in der Ringerriege Hergiswil. Heute tanzt der Hobby-Jasser auf verschiedenen Hochzeiten. Er ist nicht nur ein herausragender Ringer, sondern ebenso ein exzellenter Schwinger und Nationalturner, deshalb kommt bei ihm selten Langeweile auf. Gerade in dieser Saison hat er wieder vieles erlebt. Der 28. August war ein grosser Tag für den 32-Jährigen. Mit dem Gewinn des zweiten eidgenössischen Kranzes nach Burgdorf setzte er einen weiteren Meilenstein in seiner erfolgreichen Karriere. «Es war für mich ein riesiges Glücksgefühl, dass ich mich nach der Verletzung wieder zurückgekämpft habe», blickt das sympathische Multitalent zurück. Mit Hühnerhaut sei er in die grosse Arena zur Kranzabgabe einmarschiert.

Bis zum Saisonhöhepunkt in Estavayer ist für den studierten Holztechniker und heute als Projektleiter tätigen Luzerner nicht alles nach Plan verlaufen. Ende April war eine Daumenoperation nötig geworden, was eine zweimonatige Pause zur Folge hatte. Zum Luzerner Kantonalfest in Escholzmatt trat Martin Suppiger mit einem speziell angefertigten weichen Gips an. Trotz diesem Handicap gewann er den Kranz und sicherte sich gleichzeitig die Teilnahme für das Eidgenössische Schwingfest.

Wrestling-Auftritt in Kalifornien

Ein weiteres Highlight war für Martin Suppiger der Abstecher Mitte Juni in die USA. Für die SRF-1-Fernsehsendung «Jobtausch» flog er zusammen mit seinem Bruder Thomas nach Kalifornien zu einer der grössten Wrestling-Schulen. Dort mussten die beiden innert kürzester Zeit ihr Schauspieltalent entdecken, denn Wrestling ist pure Unterhaltung und Show. Die Zweikämpfe sind abgesprochen, der Sieger steht zum vornherein fest. «Es war faszinierend, für einmal aus dem Alltag auszubrechen und in eine neue, unbekannte Welt einzutauchen. Dieser amerikanische Nationalsport ist komplett anders als Schwingen und Ringen. Der Kampf muss für das Publikum zelebriert und möglichst gut verkauft werden. Es braucht viel Timing und Konzentration», erzählt Martin Suppiger.

Egal wie das sportliche Jahr enden wird, eines ist sicher: Martin Suppiger darf nach einer turbulenten Zeit eine ausgezeichnete Bilanz ziehen. Über die weitere Zukunft hat er sich noch keine grossen Gedanken gemacht. Er werde über die Bücher gehen und dann entscheiden wie es für ihn weitergehe. Er sagt nur soviel: «Der Trainingsaufwand ist sehr gross. Bis heute habe ich grossen Spass und sehr viel Herzblut in den Sport gesteckt.»

Mannschaftsmeisterschaft. NLA. Final (best of 3), 1. Kampf. Samstag: Hergiswil – Kriessern (19.00, BBZ, Willisau).

Kampf um Rang 3 (best of 3). 1. Kampf. Samstag: Willisau – Freiamt (14.30, BBZ).

Auf-/Abstieg NLB/NLA. 2. Kampf (best of 3/Stand 1:0). Sonntag: Einsiedeln – Brunnen (15.00, Brüel).

Simon Gerber

Ringerriege Hergiswil startet Crowdfunding

Die Ringerriege Hergiswil erhält einen neuen Ringerraum. Bis der Raum im Frühling 2017 bezogen werden kann, benötigen die Napfringer aber noch Geld für die Kosten für die Ringermatte im neuen Trainingsraum. Nebst einem traditionellen Verkauf von Rubellosen setzt die Ringerriege auf ein Crowdfunding-Projekt. Unter dem Titel: «Raus aus dem Keller!» suchen die Hergiswiler Ringer nach Unterstützern zur Mitfinanzierung der neuen Ringermatte. Als Ziel hat sich die RRH den Betrag von 8000 Franken gesetzt.

(red)

Unter dem Titel: «Raus aus dem Keller!» suchen die Hergiswiler Ringer nach Unterstützern zur Mitfinanzierung der neuen Ringermatte. Ziel sind 8000 Franken. (Youtube/I believe in you, 1. Dezember 2016)




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