Philippe Erni vom Segelclub Cham: Auch der Beste lernt immer noch dazu

SEGELN ⋅ 20 Jahre auf dem Wasser sind noch lange nicht genug. Philippe Erni vom Segelclub Cham beginnt die neue Saison mit seiner Auszeichnung als Zentralschweizer Segler des Jahres 2017 voller Elan.
10. April 2018, 09:27

Walter Rudin

sport@zugerzeitung.ch

Wer mit 28 Jahren bereits auf eine 20-jährige Sportkarriere zurückblicken kann, muss in der Tat früh begonnen haben. Philippe Erni vom Segelclub Cham hat seine Leidenschaft zum Segeln als 8-jähriger Knirps entdeckt, dies dank kräftiger Unterstützung seines Göttis. Dieser hatte ihm auf den Geburtstag einen Gutschein für einen Segelkurs auf dem Davosersee geschenkt. Wie nachhaltig dieses Geschenk war, zeigt die Tatsache, dass sich Erni bereits auf das folgende Weihnachtsfest ein Optimist-Segelboot wünschte. Mit dieser kleinen Segeljolle trainierte er fleissig, nach einigen Jahren gehörte er zu den besten Optimisten-Seglern der Schweiz. Mit 14 Jahren erfüllte sich sein grosser Traum, er durfte an die Weltmeisterschaft nach Ecuador reisen, wo nur die besten fünf Schweizer dieser Klasse zugelassen waren.

Mit der kleinen Optimisten-Jolle darf nur bis zum 15. Altersjahr gesegelt werden. Der Krienser Erni konnte seine Erfolgsserie aber auch auf dem Umsteigerboot, der Laser-Jolle, fortsetzen. Er wurde Zweiter an der Schweizer Meisterschaft und mehrmals als bester Junior der Zentralschweiz ausgezeichnet. 2010 stieg er auf ein Zweimannboot um, und seit 2012 hat er mit dem Zürcher Stephan Zurfluh einen zuverlässigen Partner auf dem Vorschiff. Die beiden hatten grosse Ziele, sie wollten mit ihrer 470er-Jolle an die Olympischen Spiele nach Rio. Doch sie schafften die Qualifikation nicht, ein Dämpfer, der nicht so leicht wegzustecken war. Erni erinnert sich gut an den Tiefpunkt seiner Karriere: «Es war nicht einfach, den Schlussstrich zu ziehen unter ein Projekt, in das man sehr viel investiert hatte. Es brauchte Ablenkung, Erholung und motivierende Erlebnisse, um weiterzukommen. Trotzdem war die Kampagne eine lehrreiche und wertvolle Zeit. Man lernt so einiges in den Jahren, das einem für die Zukunft nützlich ist. Bei einem nächsten Mal würde ich ein paar Sachen anders machen. Das Wichtigste wäre, dass man Segeln als 100-Prozent-Job wahrnimmt.»

Wettkampf an mehreren Fronten

Motivierende Erlebnisse gab es schon bald wieder. Denn trotz gescheiterter Olympiakampagne segelte das Duo Erni/Zurfluh weiterhin gemeinsam auf der 470er-Jolle, die Erfolge blieben nicht aus. 2016 holte man den Vize-Meistertitel und auch in der vergangenen Saison zeigte das Duo mit dem Gewinn des Swiss-Cups, dass es auf nationaler Ebene keinen Gegner zu fürchten braucht. Daneben hat sich Erni auch im Team des Segelclubs Cham in der Schweizer Segelliga stark engagiert. Er konnte letzte Saison wegen einer beruflichen Fortbildung erst zum Schlussevent der Challenge League ins Geschehen eingreifen. Als Teamleader gelang ihm das Kunststück, das Finale zu gewinnen und damit den für sicher gehaltenen Abstieg der Chamer zu verhindern. Am Ende der Saison wurde er zum besten Zentralschweizer Segler gewählt.

Erni ist Anhänger der Swiss Sailing League, der Klubmeisterschaft der Schweizer Segler. Er findet das Konzept «super», die Segler und Seglerinnen seien aktiver in den Klubs und das Niveau steige Jahr für Jahr. Erni wird in der bevorstehenden Saison bei drei von vier Events dabei sein. Der Kampf gegen den Abstieg soll für den Segelclub Cham kein Thema mehr sein. «Wir möchten uns in der Challenge League im vorderen Drittel platzieren und einige Siege über die Ziellinie fahren», sagt Erni.

Wenn es sein gefüllter Wettkampfkalender zulässt, hilft der diplomierte Bauleiter beim Black-Nessi-Team aus Brunnen, das vergangene Saison in der Königsklasse den Cup wiederum gewann. Ob Jolle, kleine Jacht oder Regattaziege – das macht für Erni keinen Unterschied, er kann mit allen Segelbooten umgehen.

Noch lange nicht genug

Obwohl Philippe Erni nun bereits seit über 20 Jahren Segelsport betreibt und ihn die Auszeichnung «Bester Segler der Zentralschweiz» natürlich ehrt, genug hat er deshalb noch lange nicht. «Ich finde die Elemente Wasser und Wind faszinierend. Jeder Ort ist anders zum Segeln und immer wieder eine neue Herausforderung. Es ist spannend, die Seen lesen zu können und den optimalen Weg auf der Regattabahn zu finden. Auch die verschiedenen Boote sind spannend und man lernt immer wieder etwas Neues», erklärt Erni.

Wer ihn auf dem Wasser beobachtet, hat keinen Zweifel daran, dass seine Leidenschaft ihn noch lange begleiten wird.


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